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Kälbergebote im Minutentakt
Landwirtschaft Einblicke in eine Auktion des Rinderzuchtverbands Franken e.V.

Von Michaela Schneider

Dettelbach „113 Kilo auf fünf Euro“, tönt die Stimme des Auktionators  aus dem Lautsprecher,  ständig untermalt vom Muhen und Scharren der Kälber.  Ruckzuck werden Stimmkarten gehoben, Haucks Blick wandert durch die Dettelbacher Frankenhalle. Im Zehn-Euro-Schritt erhöht sich der Anfangspreis von 565 Euro – und im Minutentakt wechseln Nutzkälber den Besitzer. Trotzdem mustern die steigernden Landwirte die Tiere im Metallgatter ganz genau, ehe sie ihre Stimmkarte heben – achten auf Auffälligkeiten, Kopfform und Körperbau. Rund 300 Nutzkälber für die Mast werden heute versteigert.  

Alle drei Wochen veranstaltet der Rinderzuchtverband Franken Nutzkälberversteigerungen, alle sechs Wochen steht Großvieh zur Auktion. Dass heute mit Werner Hauck der Geschäftsführer des Verbands persönlich aus Ansbach nach Dettelbach angereist ist, ist ungewöhnlich. Normalerweise steht hier Verbandsverwalter Wolfgang Wanner als Versteigerer hinterm Mikrofon, doch ist der Unterfranke verhindert. Deshalb ist sein Kollege eingesprungen.

2011 hatten sich die beiden Rinderzuchtverbände  Unterfranken und Mittelfranken zusammengeschlossen. Mit dem heutigen Rinderzuchtverband Franken handelt es sich laut Hauck nun mit 3000 Betrieben und rund 100000 Kühen um den größten Mitgliederverband in Bayern. Dieser kümmert sich um die Vermarktung der Tiere. Nur Mitglieder dürfen bei den Auktionen versteigern. Bieten kann indes, wer mag. Und tatsächlich stammen im Schnitt zwei Drittel der Käufer bei den fränkischen Kälbermärkten nicht aus Bayern – schlichtweg, weil sich das hiesige Fleckvieh besonders gut zur Mast eignet.

Von der Zuschauertribüne aus beobachtet auch Landwirt  Lothar Ehehalt aus Roden im Landkreis Main-Spessart die Auktion. Vier Kälber bietet er heute an. Ein Verkauf ohne Versteigerung kommt für ihn nicht in Frage. „Qualität wird hier deutlich besser bezahlt“, betont der Besitzer von rund 250 Tieren.  Und genau das ist auch das Ziel des Rinderzuchtverbands: Auf der einen Seite soll ein bestmöglicher Absatz erzielt werden - doch soll das Tier seinen Preis auch wert sein. „Von einem fairen Geschäft kann man immer nur sprechen, wenn es für beide Seiten passt“, sagt Hauck.

Entsprechend genau schauen die Käufer die angebotenen Tiere deshalb an. Sie achten auf die Kopfform: Dreieckig heißt, das Tier eignet sich für die Mast. Ein langer Kopf indes wäre beim Milchvieh ein Qualitätskriterium - doch Milchvieh steht heute nicht zur Auktion. Robuste Beine und eine gute Ausformung der Keule sind bei Nutzkälbern zudem wichtig. Und die Landwirte mustern die Tiere, um Anzeichen für Vorerkrankungen zu erkennen. Wichtigstes Kriterium unterm Strich und ausschlaggebend für den Verkaufswert des Tiers ist aber letztlich vor allem das Zusammenspiel von Alter und Gewicht. Optimal laut Hauck: Ein Alter von fünf bis sieben Wochen bei einem Gewicht von 80 bis 90 Kilogramm.

Eine Besonderheit im Kaufkatalog: ein Schwung Kuhkälber, die explizit zur Mast angeboten werden. Hier hat eine Laune der Natur zugeschlagen, denn: Bringt eine Kuh Zwillinge zur Welt und eines der Kälber ist männlich sowie eines weiblich, so ist das Kuhkalb mit hoher Wahrscheinlichkeit unfruchtbar und eignet sich damit nicht zur Zucht.  

Inzwischen bietet Hauck Gelbes Frankenvieh an. Zwar sieht man die alte Rinderrasse im Fränkischen noch häufiger, doch ist sie insgesamt selten geworden. Im Schnitt werden bei den Auktionen des Rinderzuchtverbands nur vier Prozent Gelbvieh, aber satte 88 Prozent Fleckvieh versteigert.  Und so macht auch bei der aktuellen Versteigerung das Fleckvieh den größten Brocken aus.

Zum Schluss noch einmal zurück zu dem Zuschauertribünen, denn: Sogar TV-Prominenz sitzt heute auf den Steinstufen der Frankenhalle. Sonja ist mit Sohn Nils vor Ort, um zu sehen, ob die Tiere ihres Lebensgefährten Kurt einen Käufer finden. Kennen und lieben gelernt hatte die Reiseverkehrsfrau den mittelfränkischen Landwirt in der sechsten Staffel der TV-Serie „Bauer sucht Frau“.  

Nutzkälberversteigerung in Dettelbach.                                                                                                                  Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.