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Fotos: Michaela Schneider

Kunst aus Nilschlamm

Antikenabteilung Ausstellung im Martin-von-Wagner-Museum mit Terrakotten aus
der Spätzeit Ägyptens  ermöglicht Einblicke in eine multikulturelle Welt aus Göttern, Tieren, Kulten und Festen


Von Michaela Schneider

Würzburg  Als Alexander der Große Ägypten eroberte, legte er die Grundlage für eine der ersten multikulturellen Gesellschaften. Die Dynastie der Ptolemäer trat das Erbe der Pharaonen an, griechische und ägyptische Traditionen und Bräuche verschmolzen im Laufe der folgenden Jahrhunderte. Was am Nil entstand, war eine bunte Welt aus Göttern und Tieren, Nationalitäten und verschiedenen Kulturen. Ein Abbild jener Zeit ist derzeit im Würzburger Martin-von-Wagner-Museum zu sehen: Rund 200 Tonfiguren vom Nil erzählen vom Alltagsleben und der feinen Gesellschaft, von Sehnsüchten und erotischen Fantasien in der Spätzeit Ägyptens. In der Antikenabteilung zu sehen ist die Sonderausstellung „Griechisch – ägyptisch - kryptisch. Tonfiguren vom Nil“  bis einschließlich 27. Juli 2014. Ergänzend wird in einer Posterausstellung ein laufendes Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Altorientalistik vorgestellt, es befasst sich mit figürlichen Terrakotten und dem Bild der Frau im eisenzeitlichen Jordanien.


In den Museumsbesitz gelangt waren die ägyptischen Terrakotten Anfang der 90er Jahre als Spende eines privaten Sammlers. Konzipiert hat die Ausstellung über zwei Semester eine Gruppe Studierender des Instituts für Altertumswissenschaften. Experten  sprechen bei den Kunstwerkern aus Nilschlamm im Fachjargon von greco-ägyptischen  Terrakotten. Die Deutung der hübschen Alltagskunst aus dem antiken Ägypten stellt Wissenschaftler laut Ausstellungskurator Dr. Jochen Griesbach, Konservator der Antikensammlung, bis heute immer wieder vor Rätsel, denn: Zum einen wisse man wenig über ihre Verwendung, zum anderen fehlten erklärende Schriftquellen.


„Die Bilder müssen deshalb für sich sprechen“, sagt Griesbach. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Sind die hübschen Damen Kultdienerinnen oder Göttinnen? Ist der niedliche Malteser Spitz lediglich das tönerne Abbild eines Schoßhündchen oder aber hatte das Tierchen doch mit kultischen Handlungen zu tun?  Die Ausstellung soll auch dazu dienen, Besucher zum Interpretieren und zum interaktiven Gedankenaustausch  anzuregen. In ein Besucherbuch können Ausstellungsgäste deshalb Ideen und Deutungsversuche eintragen und kommentieren.


Was aber ist nun in der Ausstellung alles zu sehen? Es geht in sechs Abteilungen um die Welt der Götter, um Rollenbilder und Klischees, um göttliche und menschliche Kinder und um Phantasiebilder. Unter der großen Überschrift „Sorgen und Sehnsüchte“ richtet sich der Blick auf Aspekte der Fruchtbarkeit und auf die antike Festkultur. Zudem zeigt eine eigene Vitrine vergleichend Terrakotten aus anderen Regionen der griechisch-römischen Welt bis hin zum Schwarzen Meer.


Die Verschmelzung der Kulturen spiegelt sich dabei vor allem auch in den Götterdarstellungen wieder. Da ist die ägyptische Göttin Isis in griechischer Kleidung zu sehen und auch ganz neue Gottheiten wie zum Beispiel Serapis als eine Mischung aus Zeus und Osiris entstehen. Im drastischen Kontrast stehen die edlen bürgerlichen Damen in hübschen Gewändern und mit pompösen Hochsteckfrisuren zur einfachen, arbeitenden Bevölkerung. Heroische Gestalten begegnen Sklaven und fremdländischen Menschen mit karikaturhaften Gesichtszügen.


Aus heutiger Sicht fast schon obszön wirken Diener, die nicht nur unter dem Gewicht ihrer Lasten, sondern auch unter dem Gewicht des eigenen, übergroßen  Genitals stöhnen.  Mit Pornographie aber hat dies nichts zu tun: Etliche Motive deuten in der Ausstellung laut Griesbach schlichtweg auf Fruchtbarkeit hin. Mit den Darstellungen wurden nicht allein handfeste Sinnesfreuden verbunden, sondern ebenso die Hoffnung auf Nachkommen oder auch auf ertragreiche Geschäfte.

Gerade auch der Blick auf die Festkultur macht Spaß,  hier weckt kleine Alltagskunst aus Nilschlamm eine  Gesellschaft zum Leben, die neben Opfer und Gebet das Leben zu genießen wusste: Schauspieler und Gaukler, Musiker und sich liebende Paare erzählen  von antiken Sinnesfreuden.

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Der Artikel  ist im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über die Sonderausstellung


Sonderausstellung: Die Ausstellung „Griechisch – Ägyptisch – Kryptisch. Tonfiguren vom Nil“ kann bis einschließlich 27. Juli 2014 während der Öffnungszeiten des Martin-von-Wagner-Museums in der Antikenabteilung besichtigt werden, und zwar: dienstags bis samstags von 13.30 bis 17 Uhr und jeden zweiten Sonntag von 10 bis 13.30 Uhr.  Begleitend zur Sonderausstellung ist ein reich bebildeter Katalog mit wissenschaftlichen Einführungen in die wesentlichen Themengebiete greco-ägyptischer Tonfiguren sowie mit einer repräsentativen Auswahl der gezeigten Objekte erschienen.


Fachtagung: Ergänzend zur Ausstellung findet vom 6. bis 8. Dezember in Würzburg eine Fachtagung in der Antikenabteilung des Museums statt, die sich um neueste Ausgrabungsergebnisse zu den figürlichen Terrakotten drehen wird. Die Vorträge sind öffentlich und richten sich auch an die interessierte Öffentlichkeit, das detaillierte Programm wird noch bekannt gegeben.


Sonderführungen: Zusätzlich bietet die Museumsinitiative im Rahmen ihres sonntäglichen Führungsprogramms eine begleitende Reihe von studentischen Vorträgen und Führungen zu einzelnen Themengebieten an. So geht es etwa am 17. November um 11 Uhr um „Fesche Frisuren und fröhliche Feschde“.


Kindertag: Am 15. Dezember bietet die Museumsinitiative des Martin-von-Wagner-Museums von 10 bis 13 Uhr einen Kindertag zur Sonderausstellung an, dabei können die Teilnehmer selbst Tonfiguren basteln.