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Heiliger zwischen Kult und Kommerz
Theologe erzählt, was man über die historische Gestalt des Bischof Nikolaus
von Myra tatsächlich weiß und wie sich aus Legenden religiöse Bräuche entwickelten


Von Michaela Schneider
Würzburg
Einst flößte er Respekt ein und war Autoritätsperson: Bischof Nikolaus. Schließlich kam er nicht nur mit Geschenken in die Familie, sondern prangerte auch die Vergehen des letzten Jahres an. Heute ist der Bärtige indes vor allem eins: Werbeträger der vorweihnachtlichen Konsumkultur. Mancher Schokoladen-Mann scheint unter der Last des schweren Geschenkesacks kurz vor dem Zusammenbruch. Von einem „Heiligen zwischen Kult und Kommerz“ spricht auch der Theologe Professor Dr. Guido Fuchs vom „Institut für Liturgie und Alltagskultur“ in Hildesheim. Eine Zielsetzung: die Erforschung jener Bereiche, in denen Liturgie und Alltag ineinandergreifen. An der Würzburger Universität hat der 61-Jährige eine außerplanmäßige Professur inne. Ein Gespräch über Geschichte, Legenden, Bräuche und Konsum.


Was genau weiß man eigentlich über die historische Gestalt des Bischof Nikolaus von Myra?

Guido Fuchs:  Tatsächlich weiß man wenig, die Quellen sind sehr spärlich. Wenn Bischof Nikolaus gelebt haben sollte – und davon gehe ich aus - dann im 4. Jahrhundert. In einer Quelle wird ein entsprechendes Grab außerhalb von Myra beschrieben. Myra war eine Hafenstadt in Lykien, das heutige Demre in der Türkei. In jener Zeit war hier der Name Nikolaus sehr gebräuchlich – möglicherweise, weil viele Kinder nach dem Bischof benannt wurden.  Der vielleicht wichtigste Anhaltspunkt für die Datierung aber ist: In der ältesten Nikolauslegende wird Kaiser Konstantin erwähnt, dieser lebte im 4. Jahrhundert. Das Problem ist: Neben  Bischof Nikolaus von Myra gab es wohl im Kloster Sion nahe Myra einen Abt, der ebenfalls Nikolaus hieß. Diese beiden Personen wurden schon bald miteinander vermischt. Das macht es schwer, zur historischen Person vorzustoßen.


Erzählen Sie von der ältesten Nikolauslegende….

Fuchs: Es handelt sich dabei um die Legende von den Feldherren. Kaiser Konstantin hatte die drei Männer zur Niederschlagung eines Aufstandes gesandt. Als sie nach Myra kommen, werden sie vom Bischof eingeladen und erleben, wie er die Tötung eines unschuldigen Mannes verhindert. Einige Zeit später sollen die drei Feldherren in ihrer Heimat Konstantinopel infolge einer Intrige ebenfalls hingerichtet werden. Sie rufen Bischof Nikolaus um Hilfe an, der erscheint dem Kaiser im Traum und verhindert so die Hinrichtung.


Und aus der Legende von den Feldherren heraus haben sich dann weitere Legenden entwickelt?

Fuchs: Ja, genau. Die Legende taucht in verschiedenen Varianten und Abwandlungen immer wieder auf.  Kern dieser Nikolauslegenden: Der Bischof hilft Menschen, die sich in Gefahr befinden, häufig kommt dabei die  Zahl drei vor. So erweckt er zum Beispiel drei Schüler zum Leben, die ein Wirt erschlagen und in ein Pökelfass  gesteckt hatte. Oder Nikolaus hilft drei Mädchen, die vom Vater aus Geldmangel in die Prostitution geschickt werden sollen, indem er nachts dreimal Gold durchs Fenster wirft. Auf diese Legende geht wohl der Brauch zurück, dass Kinder am Abend vor dem Nikolaustag einen leeren Teller oder Schuh aufstellen, in der Hoffnung, ihn morgens gefüllt zu finden.


Was bedeuten denn solche Legenden?

Fuchs: Viele dieser Legenden – wie etwa die Stillung eines Seesturmes oder die Kornwunderlegende – erinnern an ähnliche Handlungen Jesu in den Evangelien. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass uns in den Heiligen Jesus selbst begegnet. Eine alte Lebensbeschreibung des Bischofs brachte das so zum Ausdruck: Nikolaus ist ein „sichtbares Abbild der herzlichen Güte des Erlösers Christus zu uns“.


Was hat es mit Nikolaus‘ Gesellen Knecht Ruprecht  auf sich?

Fuchs: Nikolaus wird  bei seinen „Auftritten“ in Spielen etwa seit dem 17. Jahrhundert von einer dunklen Gestalt begleitet, die uns mit unterschiedlichen Namen wie Ruprecht, Krampus, Swaarte Piet oder anderen begegnet; sie übernimmt den strafenden Teil bei den Nikolausspielen. – Hierzu gibt es übrigens auch eine interessante Würzburger Geschichte: Das dortige Käppele steht ja bekanntlich auf dem Nikolausberg.  Dort gibt es auch eine Straße namens Leutfresserweg, dort habe ich als Student mal gewohnt. Vielleicht bezieht sich der Name auf den finsteren Begleiter des Bischofs; so lässt beispielsweise Michael Prätorius in einem Weihnachtsspiel den Ruprecht sagen: „Ich bin der alte böse Mann, der alle Kinder fressen kann …“


Knecht Ruprecht begleitet den Nikolaus, um unartige Kinder zu bestrafen. Worauf geht dieser Brauch zurück?

Fuchs: Das hat vielleicht damit zu tun, dass früher am 6. Dezember das Evangelium von den Talenten gelesen wurde. Das führte dann dazu, dass auch die Kinder nach ihren guten Taten gefragt werden. In der Adventszeit sollten sie sich ja in besonderer Weise auf das Christfest vorbereiten.


Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr, dass Nikolaus ein Bischof war. Was sagen Sie dazu?

Fuchs: Die vorweihnachtliche Zeit wird generell immer mehr kommerzialisiert. Das sieht bei anderen Feiertagen nicht anders aus. Selbst das Fest der heiligen Lucia wird von Ikea inzwischen total vermarktet. Gehen Sie ruhig einmal am 13. Dezember ins Möbelhaus. Es ist fast schon interessant, wie dort Lucia mit ihren Begleiterinnen in weißen Gewändern und mit Lichterkronen durch die Gänge gehen und „Santa Lucia“ singen… In Sachen Nikolaus unterscheiden viele nicht einmal  mehr zwischen Nikolaus und dem Weihnachtsmann.  Das ist natürlich schade.


Lassen Sie uns in dem Zusammenhang einen Exkurs zum Weihnachtsmann machen. Eigentlich kam doch früher am Heiligabend das Christkind ….

Fuchs: Der Weihnachtsmann geht wohl auf Moritz von Schwinds Darstellung „Herrn Winter“ im 19. Jahrhunderts zurück. Eine bekannte Getränkefirma steckte ihn dann ins rote Gewand, im Laufe der Zeit ersetzte er in vielen Familien das Christkind. Dem Weihnachtsmann helfen inzwischen heidnische Wichtel; er wohnt er am Nordpol und reist mit Rentieren … In Sachen Nikolaus beobachte ich aber eine positive Tendenz: In vielen Supermarktregalen stehen inzwischen auch wieder Nikoläuse im Bischofsgewand.


Was würden Sie sich fürs Nikolausfest wünschen?

Fuchs: Dass mehr Familien den allgemeinen Trend nicht mitmachen und den Kindern tatsächlich erzählen, wer dieser Bischof Nikolaus von Myra eigentlich war.


Professor Guido Fuchs vom „Institut für Liturgie und Alltagskultur“ in Hildesheim.  


      Foto: Gunnar Bartsch

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.