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Windmühlen, französischer Einfluss und ein Skandal
Sonderausstellung „Niederländische Moderne. Die Sammlung Veendorp aus Groningen“ im
Museum im Kulturspeicher in Würzburg zeigt 71 Gemälde und neun Skulpturen von insgesamt 36 Künstlern


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Die zwei Mädchen in Tracht blicken nicht zum Betrachter, scheinen fast zufällig ins Gemälde geraten wie bei einer fotografischen Momentaufnahme.  Die Jacken über dem Arm stehen sie wartend an der Lijnbaansgracht, im Hintergrund ist eine Brücke, sind die Fassaden typischer Amsterdamer Giebelhäuser zu sehen.  Isaac Israels (1865 – 1934) fesselndes Ölgemälde ist jetzt – neben 71 weiteren  Gemälden und neun Skulpturen - in Würzburg im Museum im Kulturspeicher zu sehen. Betitelt ist die Sonderausstellung „Niederländische Moderne. Die Sammlung Veendorp aus Groningen“. Die Werke der insgesamt 36 Künstler stammen aus den 1860er bis 1940er Jahren. Man begegnet dabei vielen klassischen Themen der niederländischen Malerei: Stillleben und Genremalerei, weiten Landschaften, brandendem Meer und Windmühlen. Vor Würzburg war die Ausstellung bereits im Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck zu sehen, anschließend wird sie noch Station in Freiburg und Aachen machen.  


Moderne ist in der Kunstgeschichte ein weiter Begriff und beschreibt eine Zeit, in der die klassische Epochenlehre endete, in der sich viele Strömungen nebeneinander entwickelten. Und zugegeben: Hört man „Moderne“, so erwartet man auch Expressionismus und Abstraktes. Doch diese Strömungen spielen in der Ausstellung keine Rolle – schlichtweg, weil der Architekt und Ziegelfabrikant Reurt Jan Vendoorp (1905 – 1983) eben nach seinem persönlichen Gusto sammelte.  Den Schwerpunkt der insgesamt 400 Objekte umfassenden Privatsammlung bilden dabei Realismus und Impressionismus. Heute befindet sie sich als Dauerleihgabe im Groninger Museum. Denn als Vendoorps Ziegelfabriken in eine finanzielle Schieflage gerieten, veräußerte er die Sammlung zweckgebunden an eine Stiftung.  Er selbst soll gesagt haben: „Eine Sammlung ist das geistige Eigentum desjenigen, der sie zusammengetragen hat. Es kommt aber der Moment, wo sie Gemälde zu enthalten scheint, die zu wichtig sind, um sie der Gemeinschaft vorzuenthalten. Dann sollte man alles Zusammengetragene an andere weiterreichen, die sich daran erfreuen können.“ Bei seiner Sammlung trifft dies zu, keine Frage.


Zwei Blitzlichter: Ein George Hendrik Breitner ist mit seinem Werk „Der Kanonenschuss“ nicht nur in Würzburg im Kulturspeicher vertreten, sondern aktuell auch mit einer eigenen Kabinettausstellung im Rijksmuseum in Amsterdam.  Und auch Werke von Malerinnen befinden sich in der Vendoorp-Sammlung, zum Beispiel ein Stillleben mit Blumen von Suze Robertson. Und die ist nicht nur aus künstlerischer Sicht spannend. Robertson war die erste Frau überhaupt in den Niederlanden, die nach jahrelangem Kampf Zugang zur Aktklasse erhielt und damit für einen großen Skandal sorgte.


Die Sonderausstellung teilt sich im Museum im Kulturspeicher auf zwei Räume auf, im zweiten Raum rückt in den Blick, wie sich seinerzeit Frankreich und Holland gegenseitig beeinflussten. Dass vor allem die französischen Künstler der „Schule von Barbizon“ Einfluss nahmen auf die Entwicklung der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts ist kein Geheimnis – inklusive zahlreicher niederländischer Maler. Sie verließen nun das Atelier, studierten die Natur, malten unter freiem Himmel.


Gleichzeitig aber brachten auch französische Künstler der niederländischen Malerei große Wertschätzung entgegen: Kein geringerer als Claude Monet etwa sagte über Johan Barthold Jongkind: „Ihm verdanke ich die Schulung meines Auges“. Seine „Landschaft am Abend“ mit magischem Mondlicht oder auch das Werk „Reiter und Figur in einer Landschaft“ können mit Blick auf den lockeren Pinselstrich in der Tat als impressionistische Vorboten gedeutet werden.


Der Frankreich-Bezug beschert den Ausstellungsbesuchern zudem einen ganz besonderen Leckerbissen, denn zu sehen ist auch ein Werk Paul Gauguins aus seiner frühen Pariser Zeit. Die nächtliche Szene zeigt die Kirche von Vaugirard und besticht durch ihre Farbvielfalt am Himmel und im Pflaster. Allerdings ist Gauguins spätere typische Handschrift zumindest für den Laien allenfalls an den angedeuteten Sternen zu erkennen.


Ein einziges Werk in der Sonderausstellung „Niederländische Moderne“ stammt übrigens nicht aus der Sammlung Veendorp, sondern aus dem eigenen Bestand des Museums im Kulturspeicher: „Die Holländische Landschaft mit Windmühlen“ aus dem Jahr 1890 von dem gebürtigen Würzburger Maler Karl Heffner.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Paul Gabriël, Polderlandschaft, 1866, Groninger Museum, Sammlung Veendorp, Stiftung J.B. Scholtenfonds.


Foto: John Stoel

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Infokasten: Über die Ausstellung


Die Ausstellung „Niederländische Moderne. Die Sammlung Veendorp aus Groningen“ ist bis einschließlich 26. Juni im Museum im Kulturspeicher zu sehen. Geöffnet ist Dienstag 13 bis 18 Uhr, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr sowie Donnerstag zwischen 11 und 19 Uhr. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag um 11.15 Uhr statt. Ausnahme ist der Ostersonntag, die Führung verschiebt sich auf Ostermontag, 11.15 Uhr. Zusätzliche Führungen zudem jeweils um 15 Uhr am 25. März, 3. April, 5. 19. und 26. Juni. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen.