Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Blutbad bei einem Stück Torte
Würzburger Kammerspiele des Mainfranken Theaters präsentieren das Heldenepos
um die Nibelungen kurz, knackig, jugendgerecht, spaßig und ein bisschen blutig

Von Michaela Schneider

Würzburg Wer an die Nibelungen denkt, stellt sich fast schon zwangsläufig auf ein stundenlanges oder gar mehrere Abende umfassendes Trauerspiel ein. Auf ein hoch komplexes Geflecht aus Intrigen, Liebe und Rache. Doch es geht auch anders. Das zeigen jetzt die Würzburger Kammerspiele des Mainfranken Theaters mit den „Nibelungen Short Cuts“ in der jugendgerechten Inszenierung von Regisseurin und Theaterpädagogin Nele Neitzke. Gerade einmal 75 Minuten braucht es, bis König Gunther mit Brunhild und Drachentöter Siegfried mit der Burgunderin Kriemhild verheiratet, Brunhild von Siegfried vergewaltigt  und letzterer ermordet, Kriemhild und Hunnenkönig Etzel vermählt, 26 Jahre vergangen und auch Gunther sowie Hagen ermordet sind.


Als Grundlage für ihre humorvolle Nibelungenvariante zieht Neitzke Friedrich Hebbels Nibelungen heran. Dessen Trauerspiel allerdings war seinerzeit zur Aufführung an zwei Abenden gedacht und sah mehr als zwei Dutzend Charaktere vor. Nele Neitzke hat drastisch zum Rotstift gegriffen und umgetextet, nur vier Schauspieler erzählen die Nibelungen in rasantem  Tempo inklusive jeder Menge frecher Ideen nach. Siegfried (Robin Bohn – auch: Hagen) berlinert, Kriemhild (Theresa Palfi) lutscht Lollis und Brunhild (Petra Hartung – auch König Etzels Bote) legt einen Zeitlupensprint zu „Chariots of Fire“ hin, getrunken wird Jägermeister und König Gunther (Georg Zeies) scheint im biederen Pullunder über weißem Hemd (Kostüme: Veronica Silva-Klug) geradewegs einem Loriotsketch entsprungen. Dazu passend dirigiert Hagen auch noch im Stil von Opa Hoppenstedt den Marsch zum Sonntag.


Platziert hat Bühnenbildnerin Elvira Ulmer die Handlung in ein rustikales, gutbürgerliches  Wohnzimmer: Klassische 70er Jahre Tapete, geblümte Couch, bestickte Kissen, Perserteppich, Hirschgeweihe an den Wänden, Holzvitrine. Für die Dramaturgie zeichnet Roland Marzinowski verantwortlich.

Tatsächlich befürchtet man während der ersten Minuten, Nele Neitzkes Nibelungen könnten ins Alberne abdriften. Gerade Theresa Palfi spielt die naive Kriemhild anfangs einen Tick zu überzogen. Die Gags reihen sich aneinander und man will nicht so recht glauben, dass der Dreh zum Drama gelingen wird. Aber: Es klappt. Und unterm Strich ist die Idee gut, gerade bei Stücken in der Sparte „Junges Theater“, die Aufmerksamkeit des Publikums  erst einmal durch Slapstick zu gewinnen. Denn: Das Trauerspiel nach Hebbelscher Vorlage richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Entsprechend springen die Protagonisten fröhlich zwischen Originaltext und Jugendsprache hin und her. Brunhild wird zur Bruni und altes Vokabular wie das „Kebsweib“ wird kurzerhand direkt auf der Bühne erklärt („Das ist eine Nutte“).


Schauspielerisch herrlich: vor allem Robin Bohn als cooler, berlinernder, ein bisschen prolliger Siegfried – inklusive zeitgerafftem, wagnergerechten Abgang („Ick bin hin. Doch noch nicht janz“).


Zum finalen Höhepunkt hin wird es schließlich richtig dramatisch. Kriemhild steht bei lauter Musikbeschallung im blinkenden Discolicht mit einem Stück Schwarzwälderkirsch-Torte auf dem Tisch. Sie genießt die Torte, sie genießt das Blutbad. Man nimmt Theresa Palfi die Rolle der verbitterten Rachsüchtigen jetzt ab. Gunters Kopf wird ihr im blutdurchtränken Stoffsack präsentiert, ihrem Onkel Hagen bricht sie eigenhändig das Genick.


Unterm Strich gelingt es Nele Neitzke mit den „Nibelungen Short Cuts“ tatsächlich, im Zeitraffer die große Gefühlswelt der Heldensaga zu umreißen: Liebe und Hass, Eifersucht und Verrat, Stolz und Rache – angereicht mit jeder Menge Humor. 75 kurzweilige Minuten, die vielleicht manchem Theateranfänger sogar Lust machen auf noch mehr Nibelungen.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.