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Teufelskreis aus Jucken und Kratzen

Hautkrankheit Bis zu 20 Prozent der Deutschen leiden unter Neurodermitis – Oberärztin Dr. Johanna Stoevesandt spricht über die Ursachen und die Behandlung des so genannten Atopischen Ekzems

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Ein Teufelskreis aus Jucken und Kratzen, extrem trockene, teils entzündete Haut und die Angst vor den Blicken der „Anderen“: In Deutschland leidet sage und schreibe 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung irgendwann im Leben einmal an Neurodermitis – einer chronischen Hauterkrankung, die die Lebensqualität stark einschränken kann. Der quälende Juckreiz, aber auch die ständige Sorge lassen viele Patienten nachts nicht schlafen. Und Stress wiederum kann schnell zum nächsten Schub führen. Gerade Kinder und Jugendliche  sind von den Ekzem-Schüben oft besonders stark betroffen. Mediziner betiteln Neurodermitis auch als Atopisches Ekzem. Atopie heißt wörtlich übersetzt „Ortlosigkeit“ und beschreibt die Neigung, überempfindlich auf den  Kontakt mit eigentlich harmlosen Substanzen aus der Umwelt zu reagieren. Neurodermitis kann nicht geheilt, aber behandelt werden. Eine, die sich damit sehr gut auskennt, ist Dr. Johanna Stoevesandt, Oberärztin an der Hautklinik der Würzburger Universitätsklinik und erfahrene Allergologin.  

 

Sehr oft bricht die Krankheit laut der 38-Jährigen schon im Kindesalter aus, oft sind bereits Babys noch vor dem ersten Lebensjahr betroffen, Ursache ist die genetische Veranlagung. Das bedeutet: Die Anlage bleibt, doch können die Symptome mit zunehmendem Alter weniger werden oder ganz verschwinden.  „Das klinische Bild ändert sich“, sagt dazu Stoevesandt. Säuglinge litten häufig unter nässenden und verkrusteten Rötungen im Gesicht. Im Kleinkindalter erscheinen die roten Ekzeme auch an Ellen- und Kniebeugen oder am Hals. Bei Erwachsenen indes beobachtet die Ärztin vielfach nur noch Minimalformen wie eine trockene Haut, angedünnte Augenbrauen, eine doppelte Lidfalte oder etwa eine blasse Gesichtsfarbe.

 

Was aber verursacht die unangenehmen Ekzeme? „Dies wird noch beforscht“, sagt Stoevesandt. Es gebe zwei miteinander konkurrierende Hypothesen – eine immunologische und die so genannte Barrierehypothese. Die Oberärztin geht davon aus, dass letztlich beide Faktoren „Mitschuld“ tragen. Die immunologische Hypothese besagt, dass das Immunsystem eines Neurodermitis-Patienten anders auf mögliche Allergene reagiert und auch mit bestimmten Infekten der Haut schlechter fertig wird. Diese Annahme wird gestützt durch die Tatsache, dass die Patienten häufig unter weiteren Erkrankungen wie Heuschnupfen oder zum Beispiel auch bestimmten Nahrungsmittelallergien leiden. Daneben steht die Barrierehypothese, die von einer veränderten Hautstruktur ausgeht: Die Haut ist nach innen durchlässiger für Reizstoffe und Allergene und nach außen durchlässiger für Wasser als bei einem gesunden Menschen – damit erklärt sich auch, weshalb die Patienten oft unter trockener Haut leiden.

 

Die gute Nachricht mit Blick auf die Barrierehypothese: Durch eine sehr, sehr gute Hauptpflege können Patienten durchaus selbst Einfluss auf die Hautstruktur nehmen. „Manche Ärzte sagen, man könne die Haut überpflegen – das ist Unsinn“, sagt Stoevesandt. Und so hält sie eine tägliche, ausführliche Basispflege (siehe Infokasten) für ganz entscheidend in der Neurodermitisbehandlung.  „Das ist aufwändig, lohnt sich aber“, betont die Hautärztin. Je 20 bis 30 Minuten Zeit am Morgen und Abend kostet dies – manchmal ein Leben lang. Eine Schwierigkeit dabei: Zwar übernehmen Krankenkassen Therapiekosten, Präparate für die Basispflege allerdings zahlen sie nicht. Entsprechende Präparate in der Apotheke sind jedoch häufig sehr teuer. Deshalb sagt die Oberärztin: Es müsse nicht unbedingt das Apothekerpräparat sein, wichtig sei: Die Creme sollte ausreichend Fette enthalten, eventuell Glycerin sowie Harnstoff und so wenig Duftstoffe wie möglich.  

 

Neben der Basispflege gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, üblich ist laut Stoevesandt vor allem eine äußerliche Therapie. Früher wurde sie nur angewendet, wenn die Patienten unter einem akuten Neurodermitis-Schub litten – heute geschieht dies auch proaktiv, um einen guten Hautzustand zu erhalten. „Studien zeigen, dass der Präparatverbrauch dann insgesamt niedriger ausfällt, als bei einer reinen Schub-Behandlung“,  betont die Oberärztin.

 

Als Mittel griff man früher meist zu Cortison. Bei einer richtigen Anwendung der Steroide halten sich die Nebenwirkungen dabei einigermaßen  in Grenzen, bleiben aber dennoch nicht ganz aus – eine dünne Haut, Hautinfektionen, hervortretende Äderchen oder Akne können auftreten. Seit etwa zehn Jahren arbeiten die Mediziner nun zusätzlich mit einer neuen Substanzgruppe, den Calcineurininhibitoren. Diese wirken wie Cortison aufs Immunsystem, haben aber zwei Vorteile: Zum einen wird die Haut während der Anwendung nicht dünner, zum anderen tritt kein Gewöhnungseffekt ein. Trotzdem wenden Mediziner die neue Substanz bisher nicht dauerhaft an, schlichtweg, weil die Langzeitnebenwirkungen noch nicht völlig bekannt sind.

 

Eine innerliche Therapie ist laut Stoevesandt indes nur in den seltensten Fällen nötig, von Cortison rät sie hierbei völlig ab und auch ansonsten empfiehlt sie Vorsicht. Teilweise greifen Mediziner auf den Arzneistoff Ciclosporin A zurück, der zur Gruppe der Immunsupressiva zählt und zum Beispiel auch bei Transplantationspatienten angewendet wird, um das Immunsystem herunterzufahren. Die Nebenwirkungen allerdings seien hoch, betont die Oberärztin, die Einnahme könne zu Bluthochdruck bis hin zu Nierenschäden führen. „Bei sehr schwer betroffenen Patienten können Ciclosporin A oder andere immunsupressive Mittel dennoch erforderliche werden“, sagt Stoevesandt. Die Verordnung sollte jedoch nur durch Fachärzte erfolgen, die mit diesen Medikamenten Erfahrung haben.

 

„Interessant ist: Bei anderen Hautkrankheiten wie zum Beispiel Schuppenflechte ist die Forschung heute viel, viel weiter als bei Neurodermitis“, sagt Stoevesandt. Hier gebe es längst konkrete Mittel, die ganz bestimmte Entzündungsvorgänge hemmen. Bei Neurodermits indes arbeitet man bisher nur mit den erwähnten allgemeinen Immunsupressiva.   Zwar werde intensiv geforscht – richtig weiter komme man aber bislang nicht. „Die Krankheit ist wohl zu komplex“, so die Einschätzung der Würzburger Medizinerin.

Der Artikel ist in „Gesundheit! - Das Magazin“ erschienen.

Mit einem so genannten Prick-Test kann Oberärztin Dr. Johanna Stoevesandt verschiedene Allergien nachweisen. Diese gehen vielfach mit Neurodermitis einher.

 

Foto: Michaela Schneider

Infokasten: Wie eine gute Basispflege bei Neurodermitispatienten aussieht

 

- Patienten sollen laut Oberärztin Johanna Stoevesandt mindestens einmal täglich für zehn bis 15 Minuten bei angenehmer Wassertemperatur baden oder duschen. Denn: Dabei kann die trockene Haut Wasser aufnehmen. Zur Reinigung verwenden sie dabei am besten ein seifenfreies Waschgel.

 

- Nach dem Duschen wird die Haut mit einem sauberen Handtuch nur vorsichtig abgetupft.

 

- Anschließend sollten die Patienten sofort eine rückfettende Creme oder Lotion am ganzen Körper dick auftragen, um das Wasser im Körper zu halten. 25 Gramm Creme bei einem Erwachsenen, lautet die Faustregel.

 

- Wichtig ist vor allem auch die Drei-Minuten-Regel: Zwischen dem Duschende und dem Eincremen dürfen höchstens drei Minuten verstreichen – sonst kann die Haut das Wasser nicht halten.
 

- Die Patienten sollten auch tagsüber immer eine rückfettende Salbe oder Lotion dabei haben, um sich bei Bedarf frisch einzucremen.