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Leuchtende Kreuze und Tänzer zum Himmel
Im Zuge des Kunstprojektes „Neues Licht“ sind an zehn Kirchenorten in Würzburg rund 50 Objekte
des Recklinghausener Künstlers Ludger Hinse zu sehen inklusive spektakulärer Kreuzinstallationen


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Es ist ein „Kreuz von Liebe und Tod“ – so rot wie Blut und gleichzeitig in der Farbe inniger Liebe. Wer den Blick zum Boden wendet, versteht die tiefe Symbolik, die von der riesigen Installation im Würzburger Neumünster ausgeht: Das Kreuz hängt in Luftlinie über dem Schrein der Stadtheiligen Kilian, Kolonat und Totnan, die als Märtyrer für den Glauben ihr Leben ließen. Und die Achse reicht nicht nur von der Krypta in den Kirchenraum zum frei schwebenden  Kreuz, sondern bis in den Himmel, der einst hoch oben in der Kirchenkuppel gemalt  wurde. Entworfen hat das „Lichtkreuz“ der Recklinghausener Künstler Ludger Hinse. Und es handelt sich bei weitem nicht um das einzige Objekt des 67-Jährigen, das derzeit im unterfränkischen Würzburg zu sehen ist: In insgesamt neun Innenstadtkirchen sowie in der Bahnhofsmission können bis einschließlich 28. März um die 50 seiner Werke betrachtet werden. „Neues Licht“ ist das Kunstprojekt betitelt, federführend betreut wird es von der Katholischen Citypastoral. Musik, Tanz, Konzerte, Vorträge und Führungen begleiten die Ausstellung.


Dabei hatte Ludger Hinse Würzburg schon länger im Blick, kam in die Bischofsstadt zum ersten Mal vor rund vier Jahren. Ihn beeindruckte dabei weniger die Vielzahl, sondern das Besondere und die Größe der Kirchen. Und das Zusammenspiel von Raum und Licht, das letztlich der Ausstellung den Namen gab. „Licht ist die Voraussetzung, dass ein Raum zur Kirche wird“, begründet er. Den 67-Jährigen reizt dabei vor allem die Auseinandersetzung zwischen Licht, Raum und seiner Kunst. Der größten Herausforderung begegnete er dabei in der Kirche St. Michael - dem von Heinrich Gerhard Bücker in den 90er Jahren sehr modern gestalteten Gotteshaus mit viel weißem Alabasterschmuck. „In diese besonderen Welten implantiere ich meine Arbeiten“, beschreibt der Künstler die Spannung, die von diesem und ähnlichen Projekten für ihn ausgeht.


Und es ist nicht nur der Dialog mit anderen Orten, den der Künstler sucht, sondern vor allem auch der Dialog mit „anderen“ Menschen. Denn ganz bewusst will er nicht nur Museumsbesucher und Kunstkenner ansprechen, sondern erreichen, dass Menschen Kirchenräume durch seine Arbeiten neu sehen. Deswegen stellte er auch, ehe er zum Projekt „Neues Licht“ zusagte, manche Forderung, unter anderem bestand er auf einem umfangreichen Begleitprogramm. „Ich will, dass sich die Menschen selbst einbringen, es geht mir um den Dialog“, sagt er.


Übrigens sind Ludger Hinses Kreuze nicht immer unumstritten – weil sie eben nicht von Leid erzählen, sondern weil sie im Licht leuchten, weil sie pure Schönheit ausstrahlen und dies für manchen Theologen nicht zur Kreuzaussage passen will. Wer`s kritisiert, dem hält Hinze entgegen: „Unser Glaube ist so schön, da muss auch die Kunst schön sein.“ Und er fügt mit Blick auf die Fastenzeit hinzu: Christen gebe es nun mal nicht wegen des Karfreitags, sondern wegen Ostern, der Auferstehung, der Frohen Botschaft. Aufs Kreuz kam er übrigens im Jahr 1997 in Chile, als er eine Demonstration gegen die Militärdiktatur beobachtete. Vorneweg trugen Frauen zum Schutz drei einfache Holzkreuze.


Doch zu sehen sind in Würzburg nicht allein Hinzes Lichtkreuze, auch wenn diese in den Kirchenräumen sicherlich am spektakulärsten wirken und längst zum Markenzeichen des Künstlers wurden. Viele Werke bestanden schon vorher, einige sind extra für die Bischofsstadt entstanden und zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen. In Neumünster recken sich etwa tief unten in der Krypta drei Tänzer aus Edelstahl zum Himmel. Und in einer Nische im Kirchenraum ein Stockwerk höher tritt ein „Wortkreuz“ in Dialog mit dem gekreuzigten Jesus. Was bei der Installation zunächst wie eine Dornenkrone auf dem Evangelium wirkt, soll laut Hinze jene Gefühle symbolisieren, die die Worte des Herrn bei Menschen auslösen können. Ganz unterschiedliche, manchmal vielleicht ein wenig wirre, nur selten geradlinige Gefühle. Und im Kirchenraum des Juliusspitals etwa begegnet der Ausstellungsbesucher einem Labyrinth von Leben und Tod, in dem zwei einsame Gesichter gefangen sind, ohne Kontakt zur Außenwelt.  Farbe, Licht und Leuchten machen die Einsamkeit für die Beiden erträglich.  



Dieses Lichtkreuz ist im Neumünster zu sehen. Es hängt in direkter Achse über den Gebeinen der Stadtheiligen Kilian Kolonat und Totnan.

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Fotos: Michaela Schneider


Infokasten: Kunstprojekt „Neues Licht“


Die rund 50 Objekte des Künstlers Ludger Hinse sind im Zuge des Kunstprojekts „Neues Licht“ bis einschließlich 28. März 2016 an folgenden Orten in Würzburg zu sehen: In den Kirchen Stift Haug, St. Gertraud, Marienkapelle, Augustinerkirche, Neumünster, Franziskanerkirche, St. Michael und St. Adalbero sowie im Juliusspital und in der Bahnhofsmission. Begleitend zum Projekt finden an diesen Orten zahlreiche Veranstaltungen statt – von Vorträgen über Musik, Tanz, Gebete, Meditationen, Andachten und Gottesdienste bis hin zu Werkstätten zum Beispiel für Kinder oder gehörlose Menschen. An folgenden Terminen wird der Künstler Ludger Hinse gemeinsam mit Kunstreferenten seine Werke sowie die Ausstellungsorte in mehrstündigen Führungen vorstellen: 20. Februar, 5. und 19. März, jeweils 10 bis 16 Uhr. Das ausführliche Veranstaltungsprogramm sowie viele Details zum Kunstprojekt finden sich auf einer eigenen Internetseite unter www.neues-licht-wuerzburg.de


Der Artikel ist unter anderem in den Fränkischen Nachrichten erschienen.