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Walskelett, Riesenhirsch und lebende Tiere
Bis 1945 gab es in der Würzburger Residenz ein Fränkisches Museum
für Naturkunde – Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins will Erinnerung wach halten  


Von Michaela Schneider

Würzburg Über Jahrzehnte gehörte es wie selbstverständlich zu Würzburg, heute erinnern sich nur noch wenige daran: an das Fränkische Museum für Naturkunde. Im rechten Seitenflügel der Residenz erstreckte es sich über 40 Räume, ein Walskelett, ein Riesenhirsch, unzählige Präparate und selbst lebende Tiere, Versteinerungen, Pflanzensammlungen oder auch Hölzer erkundete Gerhard Kneitz hier als kleiner Junge. In der Bombennacht am 16. März 1945 verbrannten fast alle Ausstellungsstücke, das Fränkische Museum für Naturkunde geriet weitgehend in Vergessenheit.  Nicht so für den 79-Jährigen Biologie-Professor Gerhard Kneitz. Seit 1967 leitet er den Naturwissenschaftlichen Verein Würzburg, der das Museum einst aus der Taufe gehoben hatte. Einige Exponate haben die Bombenacht 1945 überlebt. Diese will er nun den Würzburgern präsentieren, um die Erinnerung an ihr einstiges Naturkundemuseum wach zu halten.


Dessen Geschichte reicht dabei mehr als 150 Jahre in die Würzburger Vergangenheit, denn Bonavita Blank, Professor der Naturgeschichte, begründete hier ein Naturalien-Cabinet und übergab es 1803 der Universität.  Um 1880 wurde es aufgelöst, die Sammlungen wurden auf die einzelndas einstige Naturkundemuseum in Würzburg wach haltewnen Institute in Würzburg aufgeteilt. Zweite naturwissenschaftliche Strömung in der Domstadt war der naturwissenschaftliche Verein für Studierende, daraus hervor ging drittens die Botanische Vereinigung Würzburgs mit dem Ziel, die Pflanzenwelt Unterfrankens zu erfassen.


Diese drei Strömungen liefen laut Kneitz zusammen, als ein gewisser Hermann Zillig am 12. Dezember 1919 die Gründungsversammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins  einberief  und vor der städtischen Prominenz seinen Plan zur Errichtung eines Fränkischen Museums für Naturkunde in Würzburg vorstellte. Zwei Jahre später wurden die ersten Ausstellungsräume eröffnet. Nach und nach stellte die Bayerische Krongutverwaltung 40 Räume im Südflügel der Residenz zur Verfügung.


Gerhard Kneitz war ein kleiner Junge, als seine Eltern 1940 nach Würzburg zogen – bis heute kann er sich an seine unzähligen Streifzüge durch die Museumsräume erinnern, der Eintritt für Schüler war kostenfrei. Am meisten habe ihn das rund zehn Meter lange Walskelett im Eingangsbereich beeindruckt. Sonntags besuchte er die Museumsvorträge des ersten Museumsdirektors Dr. Karl Bernhard Lehmann und vor allem zog es ihn und seine Freunde immer wieder zu dem Museumsmitarbeiter Hans Elser – nicht nur ein ausgewiesener Pilzexperte, sondern  auch zuständig für lebende Tiere wie Ringelnattern, Molche oder Eichhörnchen.


Hans Elser war es auch, der die Bombennacht 1945 vor Ort mitbekam und einen kleinen Teil der Exponate in den Residenzkeller retten konnte. Mit Handwagen wurden diese später  in den Keller der Adalbert-Stifter-Schule verlagert – und liegen dort in einem drei auf acht Meter großen Raum bis heute. So unter anderem das Skelett eines Damhirsches, Bildtafeln über Tierarten, Lebensgemeinschaften und Co., Sammlungen von Insekten, einige Präparate und Fossilien. Betreut wird das kleine Depot bis heute vom Naturwissenschaftlichen Verein Würzburg. Einige Exponate lagern bei Gerhard Kneitz daheim in Remlingen.


Zudem weiß man bis heute sehr genau, wie das Museum einst aussah, denn: Die Universitätsbibliothek hatte im Jahr 1938 einen Jubiläums-Fotoband zum 80. Geburtstag des ersten Museumsdirektors Lehmann herausgegeben – dafür waren sämtliche Räume fotografiert worden, zum Teil mehrfach. Der Band ist bis heute erhalten. Gerhard Kneitz, seinem Bruder Hermann Kneitz und Elmar Ullrich dienten die Fotografien als Grundlage für den Aufsatz „Ein Besichtigungsgang 1938 durch das Fränkische Museum für Naturkunde“. Erschienen ist er in den Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins im Band 41/42.


Im Erdgeschoß führt die Bilderreise vorbei am Walskelett, einem imponierenden Riesenhirsch, tiergeographischen Objekten, durch den Säugetiersaal mit einem Elchkopf sowie durch Hörsaal, Bücherei und Lesezimmer. Über eine breite Treppe gelangte man laut Kneitz dann ins obere Stockwerk. In den Gängen, so erinnert er sich, wurden zeitweise in Aquarien Wassertiere ausgestellt, auch Käfige mit lebenden Säugetieren lockten die Besucher: So lebten hier die Äffchen Bimbo und Jambo, ein Fuchs, ein Dachs und ein junger Wolf. Auch gab es verschiedene Sonderausstellungen – von der Lebensgemeinschaft Garten bis hin zur Seidenraupenzucht.


In den Dauerausstellungen im Obergeschoß ging es um die Erdzeitalter und den Spessarteffekt, um Holz und seine Verarbeitung, um Menschenkunde und fränkischen Weinbau, Pilzkunde und die hiesige Pflanzenwelt, um Amphibien, Insekten, Schmetterlinge und Vögel – inklusive Präparaten von Exoten wie Kolibris, einem Pelikan oder einer Paradieswitwe. Ebenfalls ein Anziehungspunkt, gerade auch für Kinder: ein lebender Bienenstock, dessen verglaster Gang in den Hofgarten mündete. Selbst Kunst und Natur spielte im Museum eine Rolle.


Wie aber soll es nun in Sachen „Fränkisches Museum für Naturkunde“ weitergehen?  „Manchmal denke ich: Ich bin der einzige, der sich daran noch erinnert“, sagt Kneitz. Seine Idee: In einer Sonderausstellung – am liebsten in den Räumen der Residenz oder aber zumindest residenznah – möchte er den Würzburgern die verbliebenen Exponate präsentieren und die Geschichte des Museums mit Bildmaterial wiederaufleben lassen. Sollte sich daraus etwas Dauerhaftes entwickeln – umso besser. An das Museum erinnern will er zudem zunächst einmal in einem Vortrag am 3. April.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Professor Gerhard Kneitz will die Erinnerung an  das einstige Naturkundemuseum in Würzburg wach halten.


Foto: Michaela Schneider


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Infokasten: Vortrag „Das Würzburger Naturmuseum“


„Das Würzburger Naturmuseum“ ist ein Vortrag von Professor Dr. Gerhard Kneitz, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Verein Würzburg und Ehrenvorsitzender der BUND Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg am 3. April, um 19 Uhr im Ökohaus Würzburg betitelt.  Anschließend ist eine Gesprächsrunde geplant.  Anmeldung bis zum 2. April ist erforderlich unter Telefon 0931/43972 oder per Email unter info@bn-wuerzburg.de