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Werknah und konzentriert aufs Bühnenspiel
Mit Lessings Aufklärungsklassiker „Nathan der Weise“ feiert Würzburgs
neuer Intendant Markus Trabusch am Mainfranken Theater sein Regiedebüt


Von Michaela Schneider

Würzburg Das Publikum war gespannt, sehr gespannt, was der Neue wohl zeigen werde. Mit Gotthold Ephraim Lessings Ideendrama „Nathan der Weise“ startete das Mainfranken Theater am Samstag in die neue Spielzeit. Und mit dem Nathan feierte der neue Intendant des Hauses, Markus Trabusch, gleichzeitig sein Regiedebüt im Dreispartenhaus.  Vielleicht ist die Handschrift des gebürtigen Trierers gerade darin zu erkennen, dass er sich zu keinem Experiment verführen lässt:  Er inszeniert sehr geradlinig, nah an Lessings im Jahr 1783 uraufgeführten Original; er komponiert ein schlichtes Bühnenambiente, feine Lichteffekte und dezente Musikelemente zu einem stimmigen, szenenweise fast verträumten Gesamtbild; er konzentriert sich auf Kernelemente des Sprechtheaters: auf die Kraft der Worte, aufs Bühnenspiel. Damit geht er gleichzeitig kein Risiko ein. Zu stehenden Ovationen lässt sich das Publikum nicht hinreißen, applaudiert aber überzeugend lang inklusive einzelner Bravorufe.


Lessings Werk zur Auseinandersetzung mit Religion, sein Plädoyer für Toleranz, könnte in Zeiten von Migration und Terror nicht aktueller sein. Mit Nathans Worten „Wir haben beide uns unser Volk nicht ausgesucht... Was heißt denn Volk?“ wollte man so viele Menschen heute konfrontieren. Doch Trabusch verzichtet auf den Holzhammer, er lässt den Klassiker zeitlos für sich sprechen und spannt nur ganz zum Schluss den Bogen in die Gegenwart. Der Fokus liegt allein auf der Handlung, auf den Figuren – und die spannen Intrigen, schließen Freundschaften, durchdenken ihr Selbstbild, hinterfragen ihre Beziehungen zu den Mitmenschen. Es geht an Schauplatz Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge um Vorurteile und Toleranz, um Engstirnigkeit und Liebe jenseits sozialer Grenzen. Zu aller Dramatik gesellt sich manche komische Situation.


Das Bühnenbild von Ines Nadler ist minimalistisch, weißer Boden, schwarze Wände ein Halbrund im Hintergrund. Doch lässt die Schlichtheit kombiniert mit Drehbühne, schräger Fläche und Fensteröffnungen auf zweiter Ebene ungemein viel Raum für Bewegung. Da wird gewandert, gerannt, gezaudert, geliebt. Durch stimmige Lichteffekte trennen mal Gräben, vereinen mal Gefühle. Unaufgeregt zeitlos, schlicht und schön gestaltet Veronica Silva-Klug auch die Kostüme. Natan darf Jeans tragen, Daja eine Marlenehose und Sitah tritt im madonnenhaften blauen Gewand auf.


Natürlich: Eine gute Regie macht noch keinen gelungenen Theaterabend.  Mit Spannung blickt das Publikum auch aufs Schauspielensemble. Als eine der ersten Amtshandlungen hatte Trabusch fast das komplette, altbekannte Team durch neue Kollegen ersetzt. Nun scheint es allerdings fast, als habe der neue Intendant kalte Füße bekommen, denn auf dem Besetzungsaushang steht am Premierenabend nicht – wie man eigentlich meinen mag – die Hauptrolle des Nathan an erster Stelle. Vielmehr werden zuvorderst den Würzburgern vertraute Namen gelistet: Georg Zeies als Sultan und Barbara Schöller in der Rolle seiner Schwester Sittah. Schöllers Name lässt umso mehr Staunen, als sie als Mezzosopranistin eigentlich dem Musik- nicht dem Schauspielensemble angehört.


Bis man sich an Meinolf Steiner als Nathan gewöhnt, dauert es ein Weilchen – gerade auch durch seine markante Stimme wirkt er zu Beginn fast wie eine Karikatur des jüdischen Kaufmanns. Doch die Figur gewinnt im Laufe des Abends mehr und mehr an Charakter, Steiner versteht es hervorragend, Zweifel und Ängste herauszuspielen. Überzeugend von Beginn an: Anja Brünglinghaus als eine souveräne, starke Daja. Das junge Liebespaar geben Helene Blechinger als Recha und Martin Liema als Tempelherr. Liema ist klasse, kombiniert jugendliche Lässigkeit mit einem Tick männlicher Arroganz, ohne dass die emotionale Seite seiner Figur in den Hintergrund rückt. Die Interpretation der Recha dagegen ist gewöhnungsbedürftig. Hibbelig und nervös verfällt sie in irres Lachen, als sie ihrem „Engel“ wiederbegegnet, stolpert von einem Extrem ins andere. Ihre Worte „auf den Sturm folgt innere Ruhe“ kann man auf die Art interpretieren. Identifizieren will man sich als Zuschauer mit dem Mädchen nicht. Trotzdem: Alles in allem eine gelungene Gesamtleistung des Schauspielensembles. In weiteren Rollen zu sehen: Hannes Berg als Derwisch, Paul Grote als Klosterbruder und Eberhard Peiker als Patriarch.


Gotthold Ephraim Lessings Aufklärungsklassiker „Nathan der Weise“ beinhaltet sämtliche Elemente, die bis heute einen guten Blockbuster ausmachen: Dramatik, Emotionen, Humor, Tiefsinniges und eine große Liebesgeschichte. Mit seiner werknahen und in aller Schlichtheit doch sehr modernen Inszenierung würdig Trabusch genau das. Das Publikum weiß es zu schätzen.


Dauer: 165 Minuten (eine Pause); weitere Vorstellungen: 19.30 Uhr:  07.10./ 11.10./ 22.10./ 26.10./ 18.11./ 26.11./ 07.12./ 22.12./ 29.12./ 14.01./ 25.01./ 04.02; 15Uhr:  06.11; Einführungen jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.