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Napoleonexperte Thomas Schuler blickt auf die Ereignisse, die sich im Jahr 1813 in Würzburg abspielten. Mehr als ein halbes Jahr lang verbarrikadierten sich die Franzosen anschließend auf der Festung Marienberg.


Foto: Michaela Schneider

Kanonendonner und 3000 Schuss in einer Nacht

Napoleonisches Zeitalter Am 24. Oktober jährt sich der Zusammenstoß französischer
und bayerischer Truppen bei Würzburg zum 200. Mal - Kurz darauf kam es zum blutigen Kampf bei Hanau


Von Michaela Schneider

Würzburg/Hanau Rund 3000 Schuss fielen in einer Nacht, Kanonendonner hallte über Würzburg. Gebäude wurden in Brand gesetzt. Auch die Residenz trug starke Schäden davon, als bayerisch-österreichische und französische Streitkräfte im Zuge der napoleonischen Befreiungskriege im Mainfränkischen aufeinanderprallten. Der Zusammenprall in der Bischofsstadt jährt sich am 24./25. Oktober zum 200. Mal. Anlass für den Historiker Thomas Schuler, auf die Ereignisse im Herbst 1813 zurückzublicken. Der 43-jährige Ulmer gilt als einer der führenden Napoleon-Experten Deutschlands.


Wie aber war es überhaupt dazu gekommen, dass französische Truppen im Jahr 1813 die Geschicke in Würzburg bestimmten? Dafür ist ein Rückblick bis ins Jahr 1803 nötig. Nach den Koalitionskriegen blieb dem Königreich Preußen und dem Erzherzogtum Österreich nur der Friedensschluss mit dem revolutionären Frankreich. Der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss ordnete Europa neu, der Hochstift Würzburg fiel an Bayern. 1805 allerdings marschierten österreichische Truppen in Würzburg ein, der gesamte Würzburger Hof floh nach München. Laut Schuler spielten sich in der Würzburger Residenz zu jener Zeit abenteuerlichste Intrigen ab, in seinem Buch „Napoleon in Bayern“ spricht er von der „Schlangengrube von Würzburg“.


Die Stadt am Main wurde zur Hauptstadt des Hochherzogtums Würzburg erhoben und war nun als Hochstift dem Kaiser direkt unterstellt. Und so residierte Napoleon 1806 auf dem Weg nach Preußen höchstpersönlich in Würzburg, ein monumentales Historiengemälde in der Galerie von Versailles erzählt bis heute vom kaiserlichen Zwischenstopp. Überliefert ist auch, dass der

Franzose die Residenz damals als den „schönsten Pfarrhof Europas“ bezeichnet haben soll. Ein weiterer Aufenthalt am Main sollte im Mai 1812 folgen, Napoleon befand sich auf dem Weg zum Fürstenkongress nach Dresden und zum Russlandfeldzug. Das berühmte Bett, in dem der Kaiser und seine Frau Marie-Luise schliefen, kann bei Residenzführungen bis heute bestaunt werden.


Für Napoleon sollte sich das Blatt wenden, als er in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 2013) besiegt wurde. „Das war wie beim Dominospiel. Bayern war als erstes Steinchen im Rheinbund umgekippt“, sagt Schuler. Mit dem „Vertrag von Ried“ hatte es am 8. Oktober 1813 die Front gewechselt und kämpfte nun statt an französischer Seite im Lager der antinapoleonischen Alliierten. Napoleon zog sich nach der Niederlage bei Leipzig an den Rhein zurück, Bayern marschierte los Richtung Hanau.       


Auf dem Weg kam es laut Schuler zu einigen Scharmützeln, der erste größere Zusammenstoß ereignete sich bei Würzburg. „Am 24. Oktober tauchten die Bayern mit mehreren 10000 Mann auf den Höhen vor der Stadt auf“, erzählt der Historiker. General Turreau de Linières lehnte die Übergabe ab, darauf begannen die Bayern sofort mit dem Angriff. 3000 Schüsse fielen in einer Nacht, vor allem die Residenz wurde stark beschädigt. Am 26. Oktober zogen sich die Franzosen mit rund 2000 Mann auf die Festung Marienberg zurück. Der Landesherr von Würzburg, Großherzog Ferdinand von Toskana, verließ noch am gleichen Tag den Rheinbund und schloss sich den antinapoleonischen Verbündeten an.


Der bayerische General Wrede indes zog weiter gen Hanau und ließ nur einen kleinen Belagerungstrupp in Würzburg zurück. „Beide Seiten waren in Würzburg so schwach, dass sie nicht mehr angreifen konnten, es kam zu einer Pattsituation“, sagt Thomas Schuler. Und so sollten sich die Truppen ein halbes Jahr an den Ufern des Mains gegenüber liegen, nur wenige Schüsse wurde in dieser Zeit abgegeben. Selbst nach Napoleons Abdankung im April 1814 hielten die Franzosen die Festung Marienberg einen weiteren Monat besetzt, ehe die französischen Truppen am 21. Mai 1814 endgültig aus Würzburg abzogen.

Dabei war der Zusammenstoß der bayerischen und französischen Truppen nur ein erster Vorgeschmack auf die Ereignisse, die sich kurz darauf bei Hanau abspielen sollten. „Bayerns Seitenwechsel wurde hier mit Blut besiegelt“, sagt Schuler.  Vom 28. bis 31. Oktober traf die 30000 Mann starke bayerische Truppe auf die 50000 Mann starken napoleonischen Streitkräfte. Napoleon siegte – doch sollte dies der letzte Sieg des französischen Kaisers auf deutschem Boden sein. Intensiv mit diesen Ereignissen wird sich eine Ausstellung auf Schloss Philippsruhe ab dem 29. Oktober beschäftigen.


Im Zusammenhang mit Hanau weiß Schuler eine spannende Episode am Rande zu erzählen: Am letzten Tag der Schlacht wurde General Carl Philipp von Wrede, Anführer der bayerischen Truppen, hier durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt. Eine 18 Millimeter starke Kugel aus Blei steckte in seinem Unterbauch – zu nahe an lebenswichtigen Organen, um herausoperiert zu werden. Der General überlebte die Verwundung und verfügte testamentarisch, dass die Kugel nach seinem Tod entfernt und an die Erben übergeben werde. Thomas Schuler kennt den heutigen Erben, Carl Friedrich Fürst von Wrede, persönlich. Die Kugel allerdings bekamen weder der Fürst nach Schuler je zu sehen, denn: 1945 nahmen die amerikanischen Truppen sie als Beutekunst mit in die Heimat, seitdem gilt das bleierne Zeitdokument als verschollen.

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Infokasten: Über Thomas Schuler


Zur Person: Seit 2000 arbeitet der Historiker Thomas Schuler unter anderem an der mehrbändigen Buchreihe „Napoleon in Bayern“, begleitet historische Filmproduktionen wie zum Beispiel den mehrfach ausgezeichneten Kinostreifen „Bergblut“, arbeitet an Ausstellungskonzeptionen mit und publiziert in verschiedenen Medien. Im Auftrag des Hauses der Bayerischen Geschichte recherchiert er derzeit für die Landesausstellung 2015 „Napoleon in Bayern“.  


Napoleonführungen: Schuler organisiert zudem historische Events und bietet regelmäßig Napoleonführungen und Exkursionen in In- und Ausland an. Wer sich für eine ein-oder mehrtägige Busreise oder eine Führung zu den Originalschauplätzen der Geschichte Napoleons mit dem Historiker interessiert, findet Details auf der Internetseite www.napoleoninbayern.de


Ausstellung in Hanau: Vom 29. Oktober 2013 bis zum 26. Januar 2014 wird auf Schloss Phillipsruhe in Hanau die Ausstellung „Die Franzosen kommen! Hanau in der Zeit Napoleons 1806 – 1813“ zu sehen sein.  "Schuler wird am 30. Oktober im Roten Saal auf Schloss Philippshöhe in Hanau um 19.30 einen Vortrag über Napoleon und Feldmarschall Wrede halten. Als besonderer Ehrengast wird hierbei unter anderem Fürst Carl von Wrede, der direkte Nachfahre des berühmten Feldmarschalls, anwesend sein.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.