Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Die Ästhetik im Verborgenen

Dokumentarfotograf Stefan Diller macht per Elektronenmikroskopie bizarre Oberflächenstrukturen
von Pflanzen sichtbar - Zudem hat er eine Technik entwickelt, um durch Nanowelten zu fliegen


Von Michaela Schneider

Würzburg Nein, Stefan Diller sieht sich nicht als Künstler. Obwohl die Werke, die in seinem Labor entstehen, überaus ästhetisch aussehen – wild, bizarr und trotzdem strukturiert.  „Die eigentliche Künstlerin ist die Natur. Ich dokumentiere lediglich Dinge, die schon da sind“, sagt der 55-jährige Dokumentarfotograf aus Würzburg. Sein Handwerkszeug sind dabei keine Kameras, sondern Rasterelektronenmikroskope, modernste Bildtechnik und dampfende, blubbernde Gerätschaften, um wasserhaltige Pflanzen in wasserfreie Präparate zu verwandeln.  Stefan Dillers Bilder zeigen Details, die der Mensch selbst nicht zu Gesicht bekäme: einen Rosmarinstängel im Querschnitt zum Beispiel oder die Oberfläche der Staubblätter der Wilden Malve. Seine Filme lassen den Betrachter durch mikroskopische Welten fliegen mittels einer weltweit einzigartigen Technik. Bis zum 11. Mai sind Diller Werke im Botanischen Garten zu sehen. „Die Ästhetik im Verborgenen - Bilder und nanoflights® aus dem Elektronenmikroskop“ ist die Ausstellung betitelt.


Man kommt beim Besuch in Stefan Dillers Labor kaum umhin, an eine amerikanische Garagenfirma zu denken. Eine Garagenfirma in einem Hinterhof mitten in Würzburg. An dem Lagerraum findet sich keine Klingel,  nur ein Briefkasten weist den Weg. Öffnet man die unscheinbare Metalltüre, steht man mittendrin im kleinen Reich des Dokumentarfotografen. Leises Blubbern, eine kühle Beleuchtung, sehr viel Technik und mittendrin - vor zwei großen Bildschirmen, einer Tastatur und einer Art Mischpult - Stefan Diller.


Sein Handwerk gelernt hat der gebürtige Oberfranke an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München, konzentrierte sich zunächst vor allem auf kunsthistorische Fotoarbeiten, später kamen Werbe-, Industrie- und Privataufträge hinzu. Die Elektronenmikroskopie entdeckte er für sich bereits vor 30 Jahren – allerdings jahrelang als reines Hobby. Erst, als er in den 90er Jahren vor der Entscheidung stand, von analoger auf digitale Kameratechnik umzurüsten, machte er das Hobby zum Beruf: Statt in neue Digitalkameras zu investieren, richtete er ab 1993 ein privates Labor für wissenschaftliche Fotografie ein. Diller fasziniert vor allem, dass er selbst nie weiß, was ihn erwartet, wenn er ein neues Präparat mikroskopiert. Da könne es passieren, dass die Spitze eines Weizenblattes plötzlich wie der Fortsatz des Chrysler-Buildings in New York aussieht, erinnert er sich an einen seiner überraschendsten Momente.


Herzstück des Labors: ein so genanntes Raster-Elektronenmikroskop. Dabei wird ein Elektronenstrahl über das Präparat geführt und aus den Wechselwirkungen der Elektronen mit dem Objekt wird ein Bild von extremer Schärfentiefe und in Grauwerten erzeugt – und das Motiv um das 100 bis 150000-fache vergrößert.  Stefan Dillers Bilder allerdings sind nicht monochrom – sie leuchten in Grün oder Orange, Gelb oder Rot. Denn der 55-Jährige ist eben doch mehr als ein reiner Dokumentarfotograf. Im Vordergrund steht für ihn bei jeder Aufnahme nicht die reine Abbildung einer Objektoberfläche, sondern vorrangig die Ästhetik. Entsprechend wählt er die Bildausschnitte. Und entsprechend gestaltet er die Farbgebung. Für seine außergewöhnlichen Fotografien erhielt er bereits verschiedene Preise – und selbst beim World Photo Award schaffte es eines seiner Bilder unter die ersten zehn Plätze bei insgesamt 55000 Einreichungen.


Diller arbeitet nicht mit einem klassischen Bildbearbeitungsprogramm, sondern bereits während des Scans mit mehreren Detektoren – im Prinzip vergleichbar mit Lichtspots in einem Fotostudio. Diesen weist Diller dann ästhetisch sinnvolle Farben zu.  Sehr vereinfacht erklärt: Überschneiden sich die Signale, entstehen unterschiedliche Farbwerte.  


An sich schon ein aufwändiger Prozess. Viel aufwändiger aber ist noch die Vorbereitung, ehe die Pflanzenteile ins Mikroskop wandern. Denn: Damit das Präparat vakuumtauglich fürs Rasterelektronenmikroskop wird, muss es zum Strukturerhalt fixiert und ihm in mehreren Einzelschritten die Flüssigkeit entzogen werden.  Weil das Präparat im Anschluss extrem zerbrechlich ist, wird es auf einen Objektträger geklebt und mit Gold oder Platin bezogen. Der gesamte Präparationsprozess dauert dabei ungefähr eine Woche.


Und die Präparate können nicht nur in großformatigen Fotografien, sondern seit kurzem auch in bewegten Bildern bestaunt werden, denn: Stefan Diller hat selbst einen Acht-Achsen-Probentisch fürs Rasterelektronenmikroskop entwickelt. Dieser ermöglicht nun automatisierte 3D-Bildflüge um winzige Präparate - angefangen beim Flug um eine monsterhaft wirkende Biene bis hin zu den Staubgefäßen der Himbeerblüte. Strukturen und Oberflächen millimeterkleiner Objekte werden sichtbar, die kein menschliches Auge erblicken könnte. Haare, Stacheln oder Schuppen erscheinen. Das Verfahren  erfordert dabei reichlich Fingerspitzengefühl: Um die Präparate zu bewegen, klebt Diller eine Wimper an einen Schaschlik-Spieß. Auch ist es zeitaufwändig  und teuer: Die Präparation nicht eingerechnet, dauert die Produktion eines 25-Sekunden-Videos gut 15 Stunden. Kosten pro Minute sendefähigem Video: ungefähr 7500 Euro. Trotzdem lässt sich damit Geld verdienen, denn Dillers Technik ist weltweit einzigartig. 2013 zeichnete ihn die Deutsche Gesellschaft für Elektronenmikroskopie dafür mit dem DGE-Technikpreis aus.

Der Artikel  ist unter anderem  in der Tauberzeitung erschienen.

Stefan Diller macht die „Ästhetik im Verborgenen“ sichtbar.


Fotos: Michaela Schneider


Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Infokasten: Ausstellung „Die Ästhetik im Verborgenen“


Die Ausstellung „Die Ästhetik im Verborgenen - Bilder und nanoflights® aus dem Elektronenmikroskop“ von Stefan Diller ist vom 1. April bis einschließlich Sonntag, 11. Mai 2014, im Botanischen Garten in Würzburg zu sehen. Die Vernissage ist am Freitag, 4. April, um 18 Uhr. Unters Mikroskop genommen hat Stefan Diller diesmal Nutzpflanzen wie zum Beispiel Kartoffeln, Paprika oder Weizen. Erklärt wird anhand der Bilder, welche vielfältigen Aufgaben die bizarren Formen auf der Pflanzenhaut oder im Wechselspiel mit der Umwelt erfüllen. Zu sehen sein wird zudem ein mikroskopischer Film und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, auf der sich Pflanzenoberflächen in unbekannte Welten zu verwandeln scheinen.