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Fließbandarbeit in den Depots
 Inventarisierung im Mainfränkischen Museum läuft auf Hochtouren mit Blick
aufs Landesmuseum  – Normaler Betrieb inklusive Sonderausstellungen geht weiter – Am 6. September ist Museumsfest


Von Michaela Schneider
Würzburg  
„Wie im Mittelalter“ heißt es am 6. September beim Museumsfest des Mainfränkischen Museums in Würzburg. Längst hat sich das bunte Treiben kurz vor Schulbeginn zur festen Institution entwickelt, 1700 Besucher strömten im Vorjahr auf den Marienberg. Jährlich wechselnd wurde in der Vergangenheit zum Museumsfest und gemeinsam mit der Schlösserverwaltung zum Festungsfest geladen. Nun stünde im zehnten Jahr eigentlich ein Festungsfest auf dem Plan, doch sind inzwischen groß angelegte Bauarbeiten auf dem Gelände im Gange. Bis 2025 soll zum einen die Festung generalsaniert werden, zum anderen statt des Mainfränkischen Museums ein fränkisches Landesmuseum eröffnen (wir berichteten). Die 56-jährige Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte blickt auf den laufenden Museumsbetrieb in Zeiten der Umstrukturierung.


Die Sanierungsarbeiten auf der Festung laufen. Wird sich dies aufs Museumsfest auswirken?

Dr. Claudia Lichte: Nein. Wir wollen, wie in der Vergangenheit, die Gäste draußen bewirten und verschiedene Aktivitäten ins Freie verlagern. Ein Dudelsackspieler und Jan Jankeje mit Band machen zum Beispiel Musik. Die Büttnerzunft zeigt mit viel Feuer, wie Fässer hergestellt werden. Die Hospitaliter Franken marschieren gerüstet auf die Festung, zeigen ihre Fertigkeiten im Kampf und im Gebäude verschiedene Handarbeiten. Und wer möchte, kann beim mittelalterlichen Fechten nicht nur zuschauen, sondern auch selbst mitmachen. Das Hauptprogramm wird sich aber im Museum abspielen (siehe Infokasten).


Lassen Sie uns in die Zukunft blicken, 2025 soll auf der Festung ein fränkisches Landesmuseum eröffnen. Wie wirkt sich dies auf die jetzige Museumsarbeit aus?

Lichte: 2017 wird das Museum in staatliche Hand übergehen. Unser Ziel ist es, die Sammlungen in einem angemessenen Zustand in einer Datenbank zu erfassen. Das ist nicht leicht, denn im zweiten Weltkrieg ist das Inventarverzeichnis des Museums verbrannt und viele Objekte sind nur fragmentiert erhalten geblieben. Ohne Herkunftsnachweise haben die Objekte ihre Geschichte verloren. Deshalb müssen wir sämtliche Bestände sichten und neu inventarisieren. Dies geschah anfangs wissenschaftlich, wir konzentrierten uns auf eine Bestandsaufnahme nach Materialgruppen. Das erfordert aber zum Teil immense Recherchen. Mit der Perspektive Landesmuseum haben wir unsere Strategie geändert. Wir machen nun eine Kurzinventarisierung, dafür finanziert das Kultusministerium seit diesem Mai für zwei Jahre vier Museologinnen und künftig auch zwei Restauratoren, die sich dem Zustand der Objekte widmen und sie ggf. im Hinblick auf einen späteren Umzug entsprechend sichern.


Wie sieht diese Kurzinventarisierung konkret aus?

Lichte: Sie beinhaltet pro Objekt ein Foto, die Bezeichnung, die Maße, eine zumindest grobe Datierung, den Standort und seinen Zustand. Viel Zeit haben die Museologinnen dabei pro Objekt nicht. Insgesamt umfasst unser Inventar 70000 Nummern, 15000 sind bereits in die Datenbank aufgenommen und die übrigen 55000 sollen in den nächsten zwei Jahren folgen. Das macht pro Person etwa fünf Objekte pro Stunde und ist fast schon Fließbandarbeit, wenn auch eine sehr Spannende. Die Kurzinventarisierung ist auch mit Blick auf den Museumsumzug in neue Räume auf der Festung nötig. Dann müssen wir wissen: Was ist da? Wie gehört es verpackt? Und wo soll es hin?  


Wie steht es in den kommenden Jahren ums Thema Sonderausstellungen?

Lichte: Unser Arbeitgeber wird ab 2017 der Freistaat Bayern sein, hier müssen wir abwarten, welchen Stellenwert Sonderausstellungen erhalten werden und welche Finanzmittel dafür bereitgestellt werden. Was wir schon machen und noch intensivieren wollen, sind die „Blicke hinter die Kulissen“ in einer Ausstellungsreihe. Ein Produkt ist hier unsere aktuelle Sonderausstellung zu Maßen und Gewichten. Ich kann mir gut vorstellen, auch kurzfristig Objekte zu präsentieren, wenn wir in den Depots etwas Spannendes entdecken. Fürs kommende Jahr habe ich bereits den hiesigen Bildhauer Johann Benedikt Witz im Blick, denn zum einen konnten die Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. ein bislang unbekanntes Werk von ihm unlängst für das Museum erwerben, zum anderen haben wir neben dem Ausgestellten einiges von Benedikt Witz im Depot, das nun sowieso inventarisiert wird. Wie es weitergeht, werden wir sehen. Meiner Ansicht nach sollte es ein Ziel sein, schnell einen dauerhaften Bereich für Sonderausstellungen zu schaffen, um hier Themen, die in das spätere Landesmuseum einfließen sollen, als Sonderschauen zeigen zu können.. Besser lässt sich kaum testen, was Besucher interessiert und ob entsprechende Vermittlungsstrategien ankommen.


2017 steht der 400. Todestag von Julis Echter an, der ja die Festung Marienberg wesentlich umgestaltete. Wie gehen Sie mit dem Jubiläumsjahr um?

Lichte:  Natürlich läge es nahe, die Echterbastei in eine Ausstellung zu integrieren. Das Problem ist: Sie wird – nach derzeitigem Planungsstand - just zu diesem Zeitpunkt saniert werden und nicht zugänglich sein. Daher haben wir uns für einen anderen Weg entschieden, denn sowohl das Diözesanarchiv als auch das Martin-von-Wagner-Museum planen zwei große Echter-Ausstellungen. Deshalb wollen wir lieber dort mit vielen Leihgaben präsent sein – und zwar auch mit Dingen, die eigentlich fest in den Mauerverbund eingebaut sind, aber mit den anstehenden Sanierungsarbeiten nun demontiert werden müssen. Ich denke zum Beispiel an die Kanzel mit Wappen in der Echterbastei. Aber 2017 geht es ja nicht nur um Julius Echter, sondern auch um das Reformationsjubiläum – und hier werden wir mit einer eigenen Ausstellung auftreten.


Welche Ausstellung planen Sie zum Reformationsjubiläum?

Lichte: Es wird um den Riemenschneiderschüler Peter Dell gehen, der im katholischen Würzburg lernte, in Landshut bei Hans Leinberger einen ganz eigenen Renaissancestil entwickelte, dann am sächsischen Hof Heinrichs des Frommen in Freiberg wirkte, wo er auch zu reformatorischen Bildideen umschwenkte. Schließlich, spätestens 1534 gründete er, zurück in Würzburg, eine eigene Werkstatt und fertigte traditionell Madonnen und Grabdenkmäler. Er war ein Wandler zwischen den Zeiten und die Umbruchstimmung jener Tage lässt sich an seinem Beispiel gut herausarbeiten.


Wie das Fränkische Landesmuseum später aussehen wird, entscheidet zwar sein künftiger Gründungsdirektor. Dennoch: Was wünschen Sie sich persönlich für „ihre“ Sammlungen und Objekte?

Lichte: Wir haben ausgezeichnete Sammlungen auf vielen Gebieten und Objekte, die Geschichte(n) erzählen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Reiz der Sammlungen auch künftig zum Tragen kommt und Landesgeschichte durch Objekte vermittelt wird. Zwar entsprechen weniger Objekte im Museum unseren heutigen Sehgewohnheiten. Trotzdem wissen wir nie, wofür sich ein Besucher interessiert. Eine schöne Möglichkeit der Präsentation ist ein Hauptweg mit kleinen Kabinetten als Zusatzangeboten. Toll wäre, wenn sich auch künftig einige Spezialsammlungen in der Dauerausstellung wiederfänden wie zum Beispiel unsere Uhrensammlung mit mehr als 650 Objekten von der Taschenuhr bis zur Standuhr, inklusive  Sonnenuhren und Automaten. Diese international beachtete Uhrensammlung wäre besonders geeignet, um sich vertiefend mit dem Thema Zeit und Zeitläufe in einem chronologischen Rundgang durch die fränkische Landesgeschichte zu beschäftigen.

Dr. Claudia Licht, Leiterin des Mainfränkischen Museums.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Museumsfest „Wie im Mittelalter“


Das Motto des diesjährigen Museumsfests auf der Festung Marienberg am 6. September zwischen 10 und 18 Uhr lautet „Wie im Mittelalter“. Das Museumsteam hat ein buntes Programm zum Anschauen, Selbermachen und Ausprobieren geschnürt: Erwartet werden zum Beispiel eine Märchenerzählerin, eine Gauklerin und eine Glasperlenkünstlerin. Die kleinen und großen Besucher können Bücher binden, Spielzeug-Reiter tonen, Steckenpferde, Spitzhauben und Helme basteln sowie unter Anleitung sticken. Gemeinsam wird an einem Kettenhemd geknüpft, Seil gedreht und gewebt. An Mitmachstationen geht es um die Ständeordnung und Ernährung im Mittelalter. Typisch waren seinerzeit zum Beispiel Getreideformen, die heute wieder im Trend sind wie Grünkern oder Dinkel. Und auch auf beliebte Klassiker weißt Museumsdirektorin Dr. Claudia Lichte hin wie eine mittelalterliche Schreibstube, Malen an der Staffelei, Brett- und Gesellschaftsspiele aus dem Mittelalter sowie  auf verschiedene Museumsführungen – zum Bildhauer Tilmann Riemenschneider, Rittern und ihren Waffen sowie zu der Sommeraktion „Kunst geht fremd“, die sich mit dem Thema Haut, Körperlichkeit und Körperhüllen beschäftigt.