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Gemeinsamer Kulturgenuss für Enkel und Opa
Studenten der Museologie aus Würzburg beleuchten mittels
Fragebögen: Wer sind die Besucher des Mainfränkischen Museum?


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Den typischen Museumsbesucher gibt es nicht. Genauswenig wie den Standard-Kinogänger oder den klassischen Deutschen. Trotzdem gelten Besucherbefragungen als eine Möglichkeit, die Museumsarbeit zu hinterfragen. Dabei geht es Kultureinrichtungen vor allem darum, kritisch zu beleuchten, ob Häuser, Ausstellungen und Konzepte beim Publikum ankommen und wo Optimierungsbedarf besteht. Auch im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg wurden im Sommer 2015 Besucher gebeten, Fragebögen auszufüllen – und zwar Schüler und Erwachsene gesondert. Die Gestaltung der Fragebögen wie auch deren Auswertung übernahmen Studenten der Museologie unter der Leitung von Diplompädagogin Sabrina Hoff.


Schon seit mehreren Jahren arbeitet das Museum mit Museologie-Professor Dr. Guido Fackler eng zusammen, unzählige Anregungen und Ideen seien aus der Kooperation entstanden, lobt Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte. Und profitieren dürfte von dem Projekt vor allem auch Dr. Erich Schneider, seit 1. Januar Gründungsdirektor des zukünftigen Fränkischen Landesmuseums. Hintergrund:  Das Mainfränkische Museum, bis dato getragen vom Zweckverband Mainfränkisches Museum Würzburg, geht zum 1. Januar 2017 an den Freistaat über und soll zum „Museum für Franken“ weiterentwickelt werden – „was auch immer das sein soll“, wie Schneider selbst salopp bei der Ergebnispräsentation der Besucherumfrage anfügt. Ziel müsse es sein, neue Besucher anzusprechen, aber auch die alten mitzunehmen. Dafür sei es wichtig zu wissen, wer sie überhaupt sind und was sie wünschen, sagt Lichte.


Ein Blick auf die 650 befragten Schüler der Klassen eins bis neun zeigt: Ein großer Teil hat den Museumsbesuch genossen, denn 62 Prozent kreuzten das sehr zufriedene Lachgesicht an und 28 Prozent das zufriedene. Besonders interessierten sich die Kinder und Jugendlichen dabei für das Ritterwesen und den Bergfried, auch wenn dieser mit dem Museum zunächst einmal nichts zu tun hat. Museologie-Professor Fackler sagt dazu: „Das Festungsgebäude spielt eine supergroße Rolle, das Ambiente eröffnet fürs Museum extrem große Chancen.“ Auch wertet er sehr positiv, dass bei den Schülern Führungen sehr gut ankamen und sich die jungen Besucher vor allem für „Geschichten von früher“ interessierten – vor Verkleidungsaktionen und Spielen. „Kinder sind erst einmal Zwangsbesucher, egal ob sie mit der Schule oder der Familie ins Museum gehen. Hier ist es besonders wichtig, ein schönes Erlebnis zu ermöglichen, um das Interesse an Museen zu wecken. Im Mainfränkischen Museum gelingt dies scheinbar“, so Fackler weiter.


Und auch die Resonanz bei der Befragung der Erwachsenen war positiv, immerhin 77 Prozent würden das Haus uneingeschränkt weiterempfehlen. Tatsächlich scheint dies ein wichtiges Kommunikationsmittel zu sein, denn 29 Prozent wurden aufs Museum über Mund-zu-Mund-Propaganda aufmerksam – doch nur neun Prozent über die Homepage. Ein Bereich, auf den Dr. Erich Schneider unbedingt sein Augenmerk legen möchte, und zwar nicht erst mit der Neueröffnung: „Wir brauchen ein viel besseres Marketing“, sagt er. Zudem zeigte sich, dass bis dato vor allem das gut gebildete Publikum angesprochen wird. 50 Prozent der Gäste kommen aus Bayern, 41 Prozent aus anderen Landesteilen Deutschlands, doch nur neun Prozent ausländische Gäste schlagen den Weg ins Museum ein. Auch hier sieht Schneider Handlungsbedarf: „Können wir es uns leisten, ganze Bevölkerungsgruppen zu vernachlässigen? Und wo sind zum Beispiel die Reisegruppen?“, hinterfragt er.

Als spannend erwiesen sich auch die Wünsche der Museumsbesucher. Audioguides, mehr Sitzplätze, Kinder- und Mitmachstationen wurden hier am häufigsten genannt. Das entspricht durchaus zeitgemäß en Ansätzen der Museumskonzeption: „Der Trend geht zum intergenerativen Museum“, sagt Museologieprofessor Fackler. Mehrere Generationen – vom Enkel bis zum Opa - wollen gemeinsam Kultur genießen, das Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund. Und während Besucher einst vorgegebene Informationen hinnahmen, wollen jüngere Museumsbesucher Kommunikation, selbst erkunden und Dinge entdecken.


Für Erstaunen sorgte übrigens auch: Nur vier Prozent der Besucher wünschten sich weniger Objekte im Mainfränkischen Museum - obwohl Museumspädagogen heute eher dafür plädieren, weniger Objekte zu präsentieren und anhand dieser Geschichten zu erzählen sowie Hintergründe zu erklären. „Eigentlich waren wir uns recht einig, dass auch dem Fränkischen Landesmuseum weniger Objekte gut täten. Aber vielleicht wünscht der Besucher eine bestimmt Auswahl, aus der er sich nach eigenem Geschmack das für ihn Optimale aussuchen kann“, überlegt Gründungsdirektor Schneider.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.