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Wenn die Zunge nicht weiß, wo sie hingehört
In der myofunktionellen Therapie wird schon Kleinkindern vermittelt, wie sie richtig durch
die Nase statt durch den Mund atmen – Unbehandelte Störung kann sich auf gesamten Organismus auswirken


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Als Baby sabbern manche Kinder ständig, im Kindergarten sitzen sie mit offenem Mund da, einige lispeln: Ursache kann eine Störung der Muskulatur im Mund-Gesichtsbereich sein. Experten sprechen von einer myofunktionellen Störung. Was ist passiert? In vielen Fällen hat sich das Saug-Schluck-Muster des Säuglings nicht in ein Kau-Schluck-Muster verwandelt, die Kinder atmen durch den Mund statt durch die Nase. Das kann gravierende Folgen haben von signifikant mehr Karies bis zu Zahn- und Kieferfehlstellungen. Oft leiden die Kinder zudem ständig an Atemwegsinfekten, Sauerstoffmangel wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Die gute Nachricht: Frühe Hilfe ist möglich. Bei der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde in Würzburg stellte Sabine Fuhlbrück, Fachärztin für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen aus Leipzig, die so genannte myofunktionelle Therapie vor. Möglich ist diese schon im Kleinkindalter. Das Problem laut der Expertin jedoch ist: Oft wird Mundatmung erst gar nicht erkannt.


Zunächst ein Blick auf die übliche Entwicklung eines Kindes. Beim Säugling füllt die Zunge noch die komplette Mundhöhle aus. Das sollte sich jedoch mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns ändern. Wenn alles richtig verläuft, liegt die Zunge bald schon am Gaumen des Oberkiefers an, die Zähne dienen als Abgrenzung zu den Lippen und das Kind atmet durch die Nase. Probleme dagegen entstehen, wenn die Zunge zum Beispiel in den Mundboden absinkt oder sich zwischen die Lippen legt. Dadurch entsteht eine offene Mundhaltung, das Kind atmet in Folge durch den Mund.

  

Symptome und Nebenwirkungen können gravierend sein und den gesamten Organismus betreffen. Sabine Fuhlbrück präsentiert lange Listen, verweist unter anderem auf eine Zungendysfunktion , Zahnstein, Karies, Zahnfleischentzündungen, entzündete Rachenmandeln, ausgetrocknete Lippen, vermehrten Speichelfluss, Kauprobleme, eine stark verkürzte Oberlippe und verdickte Unterlippe, Kieferanomalien, gestörte muskuläre Bewegungsabläufe, Schleimansammlungen im Mittelohr, eine verminderte Hör- und Riechfähigkeit, eine verzögerte Sprachentwicklung, vertrocknete Nasenschleimhäute, chronischen Schnupfen und chronische Kieferhöhlenentzündung, verquollene Augen, starke Blässe, Sauerstoffmangel mit Konzentrationsproblemen infolge, eine gesteigerte Infektanfälligkeit, unruhigen Schlaf, Verdauungsprobleme oder auch eine starke Daueranspannung.


Die Ursachen  der myofunktionellen Störung sollten zunächst beim Arzt abgeklärt werden: Vielleicht atmen Kinder schlichtweg aus Gewohnheit weiter durch den Mund, etwa nach einer HNO-Erkrankung. Vielleicht liegen Störungen während der Embryonalzeit, Komplikationen während der Geburt oder aber tatsächlich ein falsch erlerntes Schluckmuster zugrunde - zum Beispiel durch eine Trinkflasche mit zu großem Saugloch. Auch empfiehlt die Therapeuten übrigens zur Vorbeugung eine frühe Schnullerentwöhnung, ihr Tipp: Die ersten Worte sollten den Schnuller aus dem Mund vertreiben. Eine Ursache für die Störungen könnten aber auch verengte Nasenwege sein, vor allem durch Rachenmandeln. Im letzten Fall ist zunächst einmal der HNO-Arzt gefragt.

Das richtige Atmen und Schlucken dagegen können Therapeuten und Eltern mit den Kindern trainieren – und genau darauf zielt die so genannte myofunktionelle Therapie ab. Sie basiert auf eigentlich ganz selbstverständlichen Dingen, zum Beispiel dem Naseputzen, das Fuhlbrück als „Schlüssel zur Gesundheit“ bezeichnet. Ihre Erfahrung: „Viele Kinder können`s einfach nicht.“ Wie aber funktioniert die Entleerung des Riechorgans richtig? Dreimal rechts, dreimal links und wiederholen, bis die Nase leer ist. Anschließend werde die Nase nur abgetupft, nicht abgewischt, empfiehlt die Therapeutin.  Und viele weitere Tipps hat sie für die einfache heimische Anwendung parat. So empfiehlt sie zum Beispiel ein Mini-Massagegerät für die Nase¸ um festsitzenden Schleim zu lösen.  Wichtig sei zudem, viel Wasser zu trinken, sonst funktioniere die Schleimhaut nicht.


Wie aber sieht die eigentliche Therapie mit den Kleinkindern aus? In vielen Fällen geht es schlichtweg darum, die Körperwahrnehmung der Kinder zu schulen – durch Massagen, Training oder auch Entspannungsübungen. Ziele sind eine Umstellung auf Nasenatmung und die richtige physiologische Zungenruhelage, eine Kräftigung und Harmonisierung der Muskulatur und eine Umstellung von Gewohnheiten. Übungen verpackt Fuhlbrück in Geschicklichkeitsspiele, durch die die kleinen Patienten die Nase, aber auch die Zungen-, Lippen- und Wangenmuskulatur kennen und benutzen lernen. Sie lässt die Kleinen Faschingströten mit der Nase aufpusten, mit Oblaten zwischen den Lippen experimentieren oder Möhren knabbern.


Apropos Möhre: Fuhlbrück hat festgestellt, dass von 50 Kindern zwischen drei und fünf Jahren immerhin 40 selbige seitlich abbeißen oder brechen statt mit den Schneidzähnen zuzubeißen.  Dabei bieten Möhren eine optimale Möglichkeit, richtiges, frontales Beißen mit Kindern auch daheim zu trainieren. Beim optimalen Kauen in Folge ist entscheidend, dass der Mund geschlossen bleibt. Apropos heimisches Training: Die Therapeutin zeigt Eltern und Kindern letztlich nur, wie sich richtiges Kauen und Schlucken üben lässt – intensiv daran gearbeitet werden muss dann in den heimischen Wänden.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

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Infokasten: Finanzierung der myofunktionellen Therapie


In der Regel überweisen Kieferorthopäden, Zahn-, HNO- oder Kinderärzte in die Praxis eines Myofunktionellen Therapeuten. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Therapie in der Regel problemlos, so die Erfahrung der Fachärztin Sabine Fuhlbrück. Schwieriger sieht`s bei mancher gesetzlichen Krankenkasse aus, denn rein gesetzlich gilt die Therapieform bis dato als private Leistung. Fuhlbrücks positive Erfahrung: Viele Kassen zeigen sich gegenüber einer Kostenübernahme aufgeschlossen – schlichtweg, weil die Folgekosten einer unbehandelten myofunktionellen Störung in der Regel weit höher ausfallen. Abgeklärt werden muss dies jedoch vor Beginn der Therapie.