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Therapien gegen den Lymphknotenkrebs
Die im Oktober gegründete „Wilhelm-Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom“
am Universitätsklinikum in Würzburg hat sich der Erforschung der seltenen Krebsform verschrieben  


Von Michaela Schneider
Würzburg
Noch zu Lebzeiten beschloss der deutsche Unternehmer Wilhelm Sander, dass sein Erbe eines Tages in eine Stiftung  fließen und insbesondere der Krebsforschung zugutekommen solle. Mit ein Grund: Seine langjährige Mitarbeiterin und Haushälterin Karoline Burkhardt war an einem Multiplen Myelom, einer bösartigen Variante des Lymphknotenkrebses, verstorben. Knapp zwei Jahre nach dem Tod des Namengebers trat im Oktober 1975 der Stiftungsrat der Wilhelm Sander Stiftung zur konstituierenden Sitzung zusammen. Seitdem wurden gut 220 Millionen Euro bewilligt für medizinische Forschung. Jetzt fließen Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro nach Würzburg, die ganz im Sinne des Stifters sein dürften: Die im Oktober neu gegründete „Wilhelm-Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom“  am Universitätsklinikum hat sich der Erforschung der seltenen Krebsform verschrieben.  Pro Jahr erkranken daran rund 3500 Menschen, Standardtherapien gibt es bis dato keine.


Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen, erläutert der Therapieeinheit-Leiter Professor Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums, bei der Eröffnungsfeier. Diese Immunzellen überfluten den Körper mit  fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung, durch verstärkten Knochenabbau kommt es zu Schäden am Skelett. Die Patienten leiden unter sehr komplexen Symptomen – von Infektionen über Knochenbrüche bis zu Nervenschäden.


Damit einher geht laut Einsele: Patienten warten häufig bis zu sechs Monate auf eine korrekte Diagnose. Entsprechend wichtig sei ein interdisziplinärer Ansatz – und so sind der neuen Therapieeinheit neben Hämatologen und Onkologen Spezialisten aus der Orthopädie, der Strahlentherapie, der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie und der Nuklearmedizin angeschlossen. Nicht von ungefähr ist Würzburg nationales Referenzzentrum für die Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom. Laut Christoph Reiners, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, wurden im Jahr 2014 fast 880 Patienten mit Multiplem Myelom stationär behandelt und knapp 1200 Menschen ambulant. Die Betroffenen werden aufgrund der Komplexität der Erkrankung in fächerübergreifenden Sprechstunden betreut.


Bislang gilt die Krankheit als nicht heilbar. Allerdings konnten in den letzten Jahren beträchtliche Erfolge verbucht werden: Während die durchschnittliche Lebenszeit nach der Diagnose einst bei unter drei Jahren lag, konnte diese bis heute dank Stammzellentransplantationen auf zehn Jahre erhöht werden. Vereinzelte Patienten wurden dadurch sogar völlig geheilt. Doch Mediziner forschen längst weiter - etwa an so genannten zielgerichteten Therapien, bei denen außer Krebszellen keine anderen Zellen geschädigt werden. Mediziner gehen davon aus, dass auch beim Multiplen Myelom bestimmte genetische Veränderungen therapeutisch nutzbar gemacht werden können – allerdings müssen die entsprechenden Gene erst noch identifiziert werden.


Hier kommen in der Grundlagenforschung Mediziner wie der Pathologe Professor Dr. Andreas Rosenwald ins Spiel. „Die Pathologie steht heute im Dienst der Lebenden“, sagt er, ergänzt: Fast alle Krebsdiagnosen würden in der Pathologie erstellt. Bei der so genannten DNA-Sequenzierung werde „ins Erbgut hineingeschaut“. Häufige Mutationen seien im Zusammenhang mit dem Multiplen Myelom inzwischen nachweisbar. Ein Problem allerdings sei: Häufig hätten es Ärzte in der Myelomdiagnostik nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Gegnern zu tun. Im Rahmen der neuen Sondertherapieeinheit am Universitätsklinikum werden nun gezielte genetische Sequenzierungen vorgenommen. Die Ergebnisse könnten dann zur Grundlage für neue medikamentöse Behandlungen werden. „Wir Pathologen sehen uns als Lotsen der Myelomtherapie“, sagt Rosenwald.


Große Hoffnungen setzt man laut Einsele in die Immuntherapie. Eine Forschergruppe für Experimentelle Stammzelltransplantation um den Mediziner Dr. Dr. Andreas Beilhack untersucht dafür gezielt die Mechanismen des Immunsystems bei Lymphknotenkrebs. „Wir wollen verstehen, wie das Immunsystem funktioniert. Denn auf der einen Seite ist ein überschießendes Immunsystem nach einer Stammzelltransplantation nicht gut. Allerdings gilt auch: Wenn Krebs entsteht, hat das Immunsystem versagt“, so Beilhack. An Mausmodellen wird die Ausbreitung der Myelomzellen beobachtet. Im nächsten Schritt könnten dann neue Behandlungsformen entwickelt werden – etwa eine Immuntherapie. Professor Dr. Thomas Hünig vom Institut für Virologie und Immunbiologie beschreibt deren Prinzip sehr anschaulich „T-Zellen kreuchen ständig im Köper herum und suchen nach Missständen, um gegen diese vorzugehen. Das wollen wir in der Therapie nutzen“, sagt der Immunologe. Denn eine wesentliche Funktion der T-Zellen ist es, schädliche Immunzellen unter Kontrolle zu halten. Wissenschaftler forschen, wie sich diese Zellen gezielt gegen Tumorzellen einsetzen lassen. Das Ergebnis wäre eine Immuntherapie mit körpereigenen, genetisch veränderten Abwehrzellen. Die Forscher arbeiten auf Hochtouren daran, Antikörper zu entwickeln, die – vereinfacht gesagt – bestimmte Immunzellen des Patienten direkt zur Krebszelle heranführen. Die patienteneigenen Immunzellen könnten dann den Tumor zerstören.  

Der Artikel  ist unter anderem  in dem Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Infokasten: Wie die Nuklearmedizin zur  Erforschung des Multiplen Myeloms beiträgt


Auch Nuklearmediziner wie der Würzburger Professor Dr. Andreas Buck treiben die Forschung voran und arbeiten am Universitätsklinikum an Verfahren, um in der Myelom-Bildgebung neue Einblicke zu ermöglichen. Bei der so genannten Hybridbildgebung werden verschiedene Verfahren kombiniert – etwa die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die Computertomographie (CT). Die Ganzkörperuntersuchung macht laut Buck aggressive Tumoranteile sichtbar bei sehr geringer Strahlenbelastung. Das ist hilfreich bei der Diagnostik, aber etwa auch bei der Therapiekontrolle. Gearbeitet wird bei der PET mit so genannten Tracern – radioaktiv-markierten Substanzen, die dem Patienten gespritzt werden und sich dann im Bereich der Tumore anreichern. Aktuell wird laut Buck die weltweit erste Therapie an einem Patienten mit Multiplem Myelom durchgeführt mit einem neuen Tracer namens Pentixafor.