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„Im Publikum könnten potenzielle Kunden sitzen“

Studenten erzählen, wie sie beim Muggen, bei Gigs und anderen Gelegenheitsjobs ein paar Euros

dazu verdienen, Erfahrung sammeln und sich Standbeine für die Zukunft als Musiker aufbauen


Von Michaela Schneider

Würzburg Die klassischen Musiker reden von Mugge, die Jazz-, Pop- und Rockmusiker vom Gig. Gemeint ist unterm Strich das Gleiche: das Engagement für einzelne Auftritte. Oft sind’s dabei Musikstudenten, die sich auf Hochzeiten oder Beerdigungen, in Kneipen oder bei Firmenfeiern ein paar Euros dazu verdienen. Denn tatsächlich bieten sich in kaum einem anderen Fach schon während des Studiums so viele Chancen, die eigenen Talente und Fähigkeiten zu nutzen und weiterzuentwickeln.


James Crutchfield zum Beispiel, 26 Jahre, studiert im achten Semester Jazz-Gitarre und ist damit schon einer der alten Hasen unter den Studenten an der Würzburger Musikhochschule. Längst tritt er regelmäßig im Café Neubau mit dem „Duo James Crutchfield“ auf, spielt bei Jazz-Sessions im Omnibus und ist jeden zweiten Monat beim Chambinzky Jazzabend mit dem „James Crutchfield Quartett“ zu hören. Bis dahin allerdings war’s harte Arbeit. Im zweiten Semester habe er verschiedene Läden angerufen, sich mit den Betreibern getroffen und sich und seine Musik vorgestellt. „Meistens durfte ich einfach mal spielen und ausprobieren“, erzählt er. Einzige Möglichkeit, um zu überzeugen: Qualität. Später kam die Mund-zu-Mund-Propaganda hinzu. Harte Arbeit blieben Gigs trotzdem jedes Mal aufs Neue: „Man muss alles selber machen. Texte für die Werbung schreiben, Leute und die Musik organisieren, üben.“ Der Verdienst – nun, der halte sich in Grenzen, sagt Crutchfield. Sein Traum bleibt trotzdem: „Ideal wäre, wenn ich nach dem Studium von den Gigs leben könnte, die ich spiele.“


Dabei sind Gigs bei James Crutchfield wie zum Beispiel auch bei der angehenden Jazzsängerin Evelyn Kincses nur ein Standbein, um sich ein paar Brötchen zu verdienen – und um eine Grundlage für die Zeit als freiberuflicher Musiker nach dem Studium zu legen. Die 23-Jährige ist dabei breit aufgestellt – singt bei Hochzeiten oder Firmenfeiern, und unterrichtet privat, an der Musikschule sowie im Tonstudio Würzburg. Zu einem Teil ihrer Schüler kam sie, wie es an der Musikhochschule sehr häufig der Fall ist: Ältere Studenten reichen den Job an jüngeren Musikernachwuchs weiter. Für sehr wichtig hält es die 23-Jährige, sich schon während des Studiums im Internet zu präsentieren. Hier sei sie zum Beispiel vom Besitzer des Tonstudios Würzburg, aber auch von angehenden Hochzeitspaaren gefunden worden. Vor allem aber sei wichtig, im Netz das eigene Repertoire bekannt zu machen – etwa über die Facebook-Fanseite in Kombination mit Youtube-Videos.


Das bestätigt auch die 27-jährige Theresa Merk, die ab 2006 nicht nur elementare Musikpädagogik und klassisches Saxophon studierte, sondern seit 2010 zudem Pädagogik und Musikwissenschaft. Seit Februar hat sie das Studium abgeschlossen, aus Erfahrung weiß sie: „Ein Künstler muss sich verkaufen können, immer sehr präsent sein.“ Gerade auch Gigs betrachtet sie als Eintrittskarte für weitere Jobs: „Im Publikum könnten potenzielle  Kunden sitzen.“ Seit mehreren Jahren spielt Theresa Merk zudem im ava Saxophonquartett, dieses präsentiert sich im Internet professionell mit Homepage und Hörproben, bedient die ganze Bandbreite von der Geburtstagsfeier über Beerdigungen bis hin zu Kirchenkonzerten. Die Erfahrung während des Studiums hat der 27-Jährigen allerdings gezeigt, dass es schwer ist von Unterricht und Auftritten dauerhaft zu leben. „Eine Studie hat gezeigt, dass Musiklehrer im Schnitt 1000 Euro im Monat verdienen“, kritisiert die 27-Jährige – und zwar selbst, wenn der Unterricht Hauptberuf, die künstlerische Tätigkeit indes Nebenverdienst bleibt. Ihre Konsequenz: Sie hat sich per Fortbildung zusätzlich noch auf Musikphysiologie spezialisiert – eine Form der Körperarbeit als Ausgleich zur körperlichen Belastung im Musikerberuf.


Überaus gelassen blickt indes Musikstudent Christian Stapff in seine berufliche Zukunft. Der 24-Jährige studiert Schlagzeug und elementare Musikpädagogik und baut darauf: „Wenn ich mit der Uni fertig bin, habe ich ausreichend Bausteine, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Mit seiner Mittelalter-Band „Trollfreund“ spielt er sechs bis zehn Mal im Jahr auf Mittelaltermärkten, trägt dabei ein wildes Outfit aus Leder, Bändern und schwarzer Farbe. Der Aufwand sei hoch, der Verdienst indes gering und reiche gerade einmal, um ab und an eine neue Trommel oder ähnliches zu kaufen.

Effektiver indes: Christian Stapff gibt Schlagzeug-Workshops, macht Bandcoaching, hat in der Vergangenheit auch schon Chöre geleitet und Klavierunterricht gegeben, nimmt mit einer weiteren Band gerade eine CD auf. Ab diesem Sommer wird er außerdem an der Musikschule unterrichten – angedacht ist eine Trommelgruppe für Erst- und Zweitklässler. Ergeben hätten sich die Aufträge übers Hören-Sagen, eine Homepage hat der Schlagzeuger nicht. „Das sind alles kleine Sachen, die immer mal wieder passieren“, sagt er. Und ein weiteres Standbein könnte noch hinzukommen: Derzeit schreibt der Musiker einen Werbesong für den Arena-Verlag – und überlegt, ob er mit seinem Faible für Mittelaltermusik künftig nicht zudem Arrangements für Bauchtänzer, Feuerschlucker und Co. komponieren könnte. Seine Prämisse: „Ich will nicht, dass die Musik harte Arbeit wird. Ich will nicht gezwungen sein, als Schlagzeuger zum Beispiel am Musicalhaus  spielen zu müssen. Ich will die ganze Bandbreite.“


Und die eröffnet sich rührigen Musikhochschulstudenten durchaus beim Muggen, bei Gigs und sonstigen Gelegenheitsjobs.

Der Artikel  ist unter anderem  im  KulturGut erschienen.



Fotos: Michaela Schneider

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