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Spießerpapa und Mama mit „esoterischer Bioladensicht“
Schauspiel
Spessartgrotten-Ensemble fordert: „Frau Müller muss weg“


Von Michaela Schneider

Gemünden-Langenprozelten „Frau Müller muss weg“, ist sich eine Hand voll Eltern im gleichnamigen Theaterstück auf der Spessartgrottenbühne in Langenprozelten einig, denn: Das Übertrittszeugnis steht bevor und schlechte Noten drohen. Der Nachwuchs selbst kann daran unmöglich schuld sein. Noch dazu sollen die Kinder in Gesprächskreisen von daheim erzählen – und das geht eine Lehrerin gar nichts an! Die reinste Stasi, stellt ein Vater fest. Kein Wunder, schließlich kommt Frau Müller (Tanja Green) ja von drüben. Jetzt will die Elternschaft ihr kurzerhand das Vertrauen entziehen. Doch bald schon bewahrheitet sich das Sprichwort „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“: Im schwierigen Nachwuchs spiegeln sich die Mamas und Papas und die Probleme in den Elternhäusern wieder…


Das Spessartgrotten-Ensemble unter Regie von Helga Hartmann hat sich mit Lutz Hübners Schauspiel „Frau Müller muss weg“ für ein Werk entschieden, das reichlich Sprachwitz und Situationskomik bietet – und dabei viele ernste Fragen aufwirft. Überehrgeizige Eltern und die Leistungsgesellschaft prallen auf moderne Pädagogik, Moral und Prinzipien. Das sechsköpfige Bühnenteam zeichnet starke Charaktere - wenn auch für manchen Geschmack schauspielerisch fast zu überzeichnet. Trotzdem: eine gelungene Premiere eines sehenswerten Stücks. Das engagierte Spiel lässt über ein paar Textstolperer hinwegschauen.


Lutz Hübners Schauspiel ist stark und lebt von den klischeehaften Eltern: Klassenbester-Mama (Grazia Dominante) und arbeitsloser Spießer-Papa im Pullunder (Paul Seeger), Hausfrau mit „esoterischer Bioladensicht“ (Madeline Gabel) und cholerischer, im Job gefangener Gatte (Michel Schäfer) sowie schließlich die über Leichen gehenden Karrierefrau im Businessoutfit (Iris Katzer).  Die Figuren an sich sind herrlich karikiert und die Wortgefechte gelungen zugespitzt. Ensemble-Mitglieder ergreifen diese zugegeben einladende Steilvorlage des Autors. Manchem gelingt die Gratwanderung zwischen guter Karikatur und kippender Überzeichnung besser, anderen nicht schlecht –aber schlechter.  


Am authentischsten auf der Bühne kommt Grazia Dominante als Strebermama rüber, gerade weil sie sich zurücknimmt und sehr gezielte Akzente setzt: ein Gefühlsausbruch, als sie über ihren Liebhaber  herfällt; die Prügelei mit Michel Schäfer; der gekonnte Papierkugelwurf mit Siegergeste. Die übrige Zeit gibt sie sich unnahbar wie Sohnemann Fritz. Dadurch nimmt Dominante Höhepunkte nicht schon vorweg. Bei anderen Charakteren wie der hysterisch-emotionalen Gutmensch-Mama indes ist beim Showdown die Luft leider bereits raus.


Das Bühnenbild ist klassisch gewählt – Klassenzimmermobiliar, Kinderzeichnungen, Kastanien-Männchen, ein Gesprächsregelplakat und zwei Schiefertafeln. Eine nette Idee und wieder einmal ein Beispiel für die Liebe zum spaßigen Detail in der Spessartgrotte: Als Frau Müller das Klassenzimmer verlassen hat, greifen die Mamas und Papas, wie’s ungehörige Kinder von jeher tun, zur Kreide und malen die Lehrerin als Teufelin. Nach dem Strategiewechsel – jetzt heißt’s „Die Müller bleibt“ – weichen die Teufelshörner Engelsflügeln und Herzchen.


Zusammengefasst lohnt ein Besuch des Schauspiels „Frau Müller muss weg“ in der Spessartgrotte: Das Stück ist sehr gut gewählt, die Bühnenumsetzung gelungen und das Ensemble beherzt bei der Sache.


 Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.