Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Experiment Mozart
Im MozartLabor im Zuge des Mozartfests Würzburg wird musiziert,
experimentiert, diskutiert und inspiriert mit dem Ziel, Mozart gemeinsam neu zu entdecken


Von Michaela Schneider

Würzburg Andante ist nicht gleich Andante. Da gibt es ein Bachsches oder ein Telemannsches Tempo – und auch das richtige Tempo eines Mozarts des 18. Jahrhunderts. Will ein Musiker die Werke großer Meister tatsächlich verstehen, ist damit harte Arbeit verbunden, weit übers praktische Proben hinaus. Das erfahren die drei Musiker des Darian Trios Anais Tamibier, Kimi Makino und Alison Frilingos derzeit als Stipendiaten des MozartLabors in Würzburg bei Dozent Reinhard Goebel,  gefragter Dirigent und Universitätsprofessor am Mozarteum in Salzburg. Und auch die interessierte Öffentlichkeit darf bei der offenen Probe miteintauchen in die Geheimnisse des Bogenstrichs, der richtigen Akzentuierung, dem Quellenzugang zum Violinspiel des 18. Jahrhunderts.  Im inzwischen dritten Jahr trafen sich auch heuer wieder während des Mozartfests vier Tage lang Wissenschaftler, Musiker, Medienschaffende, Stipendiaten und Musikbegeisterte im so genannten MozartLabor. Das Mozartfest selbst dauert noch bis einschließlich 3. Juli.


Hier wird zugehört und reagiert, man inspiriert sich gegenseitig, experimentiert, diskutiert – und vor allem entdeckt man vier Tage lang gemeinsam Mozart neu. Die Stipendiaten arbeiten mit ihren Dozenten in verschiedenen Sektionen, überall geht es um Musik, doch nicht überall wird musiziert wie in der Sektion Kammermusik, in der auch das Darian Trio mit Professor Goebel arbeitet. Dr. Harald Eggebrecht etwa, Redakteur und Musikjournalist bei der Süddeutschen Zeitung, lädt zur Schreibwerkstatt ein. Eine Opernkritik behandle meist zu 90 Prozent die Inszenierung, nur die verbleibenden zehn Prozent drehten sich tatsächlich um Musik. Warum? Weil ein Rondo von Rossini viel schwieriger anschaulich zu machen sei; weil die Musik während des Schreibens bereits vorüber sei; weil Sprache etwas grundsätzlich anderes als Musik sei. Und damit erwartet die Stipendiaten im MozartLabor in der Schreibwerkstatt keine leichte Aufgabe: Schreiben werden sie nicht nur Konzertkritiken, sondern auch Porträts und Interviews.


In der Sektion Musikwissenschaft bei Musikwissenschaftler Dr. Hansjörg Ewert vom Institut für Musikforschung der Universität Würzburg gehe es theoretisch zu, könnte man meinen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Mit seinen Würzburger Studenten hatte er schon im April die Pressekonferenz zum Mozartfest besucht – und sie dann eigene Ideen entwickeln lassen.   Einige schrieben darauf Texte für die Programmhefte, so auch Student Marvin Biehler, unter anderem über eine neue Komposition des Künstlers Kim Armstrong, die beim Mozartfest jetzt uraufgeführt wurde. Die große Herausforderung: Biehler schrieb anhand der Noten über ein Werk, das er vom Künstler selbst nie gehört hatte. Andere Studenten instrumentierten Mozartlieder, sollten dabei denken wie auch Mozart einst musikalisch dachte.


Und die beiden Studenten Lucia Swientek und Tim Eipert näherten sich dem diesjährigen Mozartfest-Thema „Mozarts Europa“ auf wieder andere Art – nämlich, indem sie ein Würfel- und Quizspiel rund um Mozart entwickelten, es befindet sich nun in der Testphase. Erstaunlich war für Lucia Swientek dabei vor allem auch, dass Mozart viel mehr als nur historische Persönlichkeit sei und sich heute noch in etlichen Produkten, Festen, modernen Gegenständen wiederfinde. Beispiel gefällig? Der „Stein der Weisen“ ist keine Harry-Potter-Erfindung einer Frau Rowling, sondern eine Oper des 18. Jahrhunderts, an der auch Mozart mitwirkte.


Mit dem Karlsruher Musikinformatiker Rainer Lorenz filmen Stipendiaten das Abschlusskonzert des Mozartlabors und lernen dabei die Gratwanderung bei Videoproduktionen zwischen den Bedürfnissen der Musik und äußeren Umständen kennen. Denn beim Konzert im historischen Fürstensaal der Residenz darf nur mit LED-Licht beleuchtet werden, Mikrofone sollten unsichtbar bleiben, die Akustik halb unterm Balkon ist kompliziert und nur fünf Stipendiaten werden sechs oder sieben Kameras bedienen. Nicht um Bild-, sondern allein um Tondokumente geht es indes in der Sektion Radiojournalismus bei dem Karlsruher Medienwissenschaftler und Musikjournalisten Professor Jürgen Christ. Er erarbeitet mit seinen Stipendiaten eine einstündige Sendung übers Mozartlabor.


Und schließlich strahlt das MozartLabor 2016 möglicherweise bis ins Jahr 2020. Denn zusammen mit Peter Gartiser, Strategieberater für Kulturbetriebe, gehen Stipendiaten in der Sektion Festivalmanagement der Frage nach, wie ein Mozartfest auf Beethovens 250. Geburtstag im Jahr 2020 reagieren könnte. Wen könnte man engagieren, wer passt in die Mozartfest-Formate? Oder braucht es gar neue Formate? Auch der Blick auf mögliche Spielstätten, Einnahmen, Ausgaben und Aufgabenverteilungen soll nicht fehlen. „Kurzum: Wir werden das komplette Festivalmanagement einmal durchspielen“, kündigt Gartiser an. Und vielleicht wird die eine oder andere Idee das Mozartfestteam des Jahres 2020 ja tatsächlich inspirieren, wer weiß.


www.mozartfest.de

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Der Salzburger Dirigent Reinhard Goebel bei der offenen Probe mit Anais Tamibier (Violine), Alison Frilingos (Violoncello) und Kimi Makino (Viola).

Foto: Michaela Schneider