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Ein Labor für, mit und durch Mozart
Neue Plattform beim Mozartfest eröffnet Wissenschaftlern,
Künstlern und Laien die Chance zum offenen Austausch und für Experimente


Von Michaela Schneider

Würzburg Das Mozartfest soll mehr sein als eine rein museale Abbildung Mozartscher Werke. So lautete der Wunsch von Evelyn Meining, als sie im Vorjahr zur neuen Intendantin des Würzburger Kulturevents berufen wurde. In einem Wanderurlaub hoch oben auf einem Berg, zwischen Himmel und Erde und wo der Mensch ganz klein ist, sei ihr eine Idee gekommen: die Idee zu einem geistigen Zentrum, in dem Musik und andere Disziplinen zusammentreffen - Künstler und Intellektuelle, Medien und Publikum. Die Idee bekam mit dem „Mozartlabor“ rasch einen Namen. Im Kloster Himmelspforten hatte dieses nun drei Tage lang die Labortüren für Jedermann geöffnet. Expertendiskussionen und Podiumsgespräche, öffentliche Proben klassischer und neuer Werke, Konzerte und die Klanginstallation „Sarastros Pforten“ erwarteten Experten und Laien.


„Jedes Instrument für sich klingt perfekt. Jetzt aber müssen wir Kammermusik machen“, tönt es aus dem Burkardussaal. Hier probt Klarinettist Jörg Widmann gerade mit fünf jungen Musikern  sein selbst komponiertes Quintett für Klavier und vier Bläser– eine Hommage an Mozarts Quintett in Es-Dur in gleicher Besetzung. In der Probe dabei sitzt Publikum, blättert in Noten mit und erlebt, wie an Nuancen gearbeitet wird: Ein bisschen mehr Zwerchfell betonen und eine Millisekunde mehr Horn lauten Anweisungen. Auch zum Publikum nimmt Widmann immer wieder Kontakt auf und erklärt seine Komposition. Zum Beispiel, dass er dachte, er schaffe sie nicht mehr und daraus die Notiz „panisch, aber zögernd“ resultierte.  


Insgesamt erarbeiten Dozenten und junge Musiker in den drei Tagen in verschiedener Besetzung vier Kompositionen. Zweimal Mozart und als Mozartspiegel zwei moderne Werke – neben dem Widmann-Quintett ein Werk des Komponisten Christof Weiß. Zu hören sind sie nach drei Tagen beim Abschlusskonzert des Mozartlabors. Für die Teilnehmer eine echte Chance, wie zum Beispiel Musikstudent und Pianist Gintaras Janusevicius aus Litauen betont. Als Jörg Widmann ihn zum Mozartlabor einlud, habe er zwei Konzerte ab und dem Komponisten zugesagt, erzählt der 29-Jährige. Er erhalte in drei Tagen so viele Impulse, wie sonst in einem halben Jahr nicht – zum einen, weil er mit tollen Musikern arbeiten könne, zum anderen, weil die Dozenten inspirierten.


Denn neben den praktischen Proben wird im Mozartlabor ständig diskutiert – und zwar ergebnisoffen, wie Intendantin Meining betont. Statt Vorträge zu halten, begegnen sich Experten zum Beispiel bei Podiumsdiskussionen. Gerade geht es um das Thema „Musik und neue Medien“. Nicht nur der Moderator und die vier Experten reden, immer wieder meldet sich auch Publikum zu Wort.


Der preisgekrönte Filmemacher Michael Wende erzählt von neuen Auftraggebern wie den Bamberger Philharmonikern, die Youtube-Clips bestellen. Frank Maier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mediendidaktik an der Würzburger Universität, fordert: „Die klassische Musik braucht ein Medium, um hinausgetragen zu werden“, ergänzt: „Ich finde es wichtig, dass klassische Musik ein möglichst großes Publikum erreicht.“ Ähnlich das Plädoyer des Medienmanagement-Professors Jürgen Christ von der Hochschule für Musik in Karlsruhe: „Was heute in den Medien nicht stattfindet, gibt es nicht“, sagt er und fordert, die Menschen über neue Medien in den Konzertsaal zu holen. Kritischer indes blickt die Würzburger Musikprofessorin Elena Ungeheuer auf Mozart in allen Medien – vom schlechten youtube-Mitschnitt bis zur Waschmittelwerbung. „Ist Mozart jemand, der das erleidet?“, hinterfragt sie. Oder aber mache Mozart vielleicht gerade so genial, dass er derart projektionsfähig sei? Diskutiert wird über Klassik und neue Medien nicht nur in der Theorie.  Auch überträgt das Zentrum für Mediendidaktik das Abschlusskonzert des Medienlabors im Internet als Livestream in Bild und Ton.


Abschließend zudem ein Spaziergang zum Gartenpavillon auf dem Klostergelände Himmelspforten. Nähert man sich, hört man Gesprächsfetzen, klingen einzelne Töne. „Sarastros Pforten“ haben Julia Mihály und Felix Leuschner ihre ungewöhnliche Klanginstallation betitelt. Um sie zu verstehen, kann man entweder einen MP3-Player mit Erläuterung ausleihen – oder aber sich mit den beiden Künstlern direkt unterhalten. Während des gesamten Mozartlabors fertigen die beiden Mitschnitte in allen Räumen an – vom Gespräch in der Kaffeeecke bis zur Konzertprobe.  Fetzen dieser Aufnahmen werden dann in vier verschiedenen Räumen in unterschiedlichem „Mozartrhythmus“ abgespielt und ständig ergänzt und erneuert. Und ja, wer ganz genau hinhört, kann vielleicht tatsächlich den Rhythmus der Sarastro-Arie „In diesen heiligen Hallen“ aus Worten, Tönen und Geräuschen der letzten Mozartlabor-Stunden zwischen altem Gartengerät heraushören und leise mitsummen…  


Intendantin Evelyn Meining wagt ein Zwischenfazit zum Mozartlabor: „Ich habe den Eindruck, das Konzept funktioniert. Begegnungen finden statt, es pulsiert in allen Räumen“, sagt sie. Begeisterung auch unter den Dozenten: „Das Labor bietet die beste Chance, Dinge dazu zu lernen“, sagt Professor Jürgen Christ, fügt an: „Es macht mich einfach froh, hier zu sein.“

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

„Sarastros Pforten“ heißt die Klanginstallation von Julia Mihály und Felix Leuschner. Hier bearbeiten die beiden Künstler gerade neue Mozartfest-Mitschnitte.


Foto: Michaela Schneider

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