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Tauchgang in ein düsteres Geschichtsjahr
Die Ausstellung „Monument“ des 23-jährigen Julian Michel im einraum.atelier in
Würzburg macht mit digitalen Mitteln die zerbombte Stadt des 16. März 1945 erleb- und spürbar


Von Michaela Schneider
Würzburg
Das eigentliche „Monument“ fällt dem Ausstellungsbesucher zunächst kaum auf. Zu sehr nehmen die Sinneseindrücke aus flackerndem Kerzen- und Kaminfeuer, der in Tom verwandelte Puls einer Stadt, die vielen Fotografien von Würzburg einst und heute, die projektierte Luftbildaufnahme , Trümmer und Zerstörung zunächst gefangen. Und trotzdem fasziniert das Herzstück der Ausstellung, hat man es einmal entdeckt und verstanden: Ein kleiner Kasten mit einer Leinwand lässt im wahrsten Sinne des Wortes eintauchen in Würzburgs Geschichte. Die Ausstellung „Monument“ des 23-jährigen Kommunikationsdesigners Julian Michel aus dem unterfränkischen Sulzdorf bei Giebelstadt im einraum.atelier in Würzburg macht den 16. März 1945 erleb- und spürbar.


Es braucht für den 23-Jährigen nur wenige Worte, um die schicksalhaften Stunden zu beschreiben.  „Am 16. März 1945 wurde die historische Altstadt Würzburgs zu 90 Prozent zerstört. In nur einer Nacht fielen dem Angriff der britischen Royal Airforce dabei zirka 5000 Menschen zum Opfer. Das eigentliche Ausmaß der Zerstörung ist heute kaum mehr zu begreifen und kann allein durch Zahlen nicht dargestellt werden.“ So steht es auf einem zentralen Plakat im Atelier geschrieben.


Für Julian Michel war dies Anlass genug, im Zuge seines Studiums andere Wege der Vermittlung historischer Momente zu erschließen. Inzwischen hat der 23-Jährige sein Studium an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt abgeschlossen und arbeitet als freiberuflicher Kommunikations- und Grafikdesigner. Das „Monument“ entstand im letzten Wintersemester.  Michels Ansatz: Schrift, Bild und auch filmische Dokumentationen sind für den Betrachter mit Distanz verbunden. Deshalb machte er sich im Bereich digitale Medien auf die Suche nach  Möglichkeiten, die Vergangenheit intensiver wahrzunehmen. Und entwickelte mit seinem „Monument“ etwas bis dahin vielleicht Einzigartiges.


Zunächst ist da der Blick aus der Vogelperspektive auf das zerstörte Würzburg im Jahr 1945, hierfür hat Michel mehrere Luftaufnahmen aus dem Stadtarchiv zu einem großen Bild zusammengesetzt. Berührt der Betrachter jedoch mit den Fingern die Leinwand, kann er wortwörtlich in die Stadt eintauchen, denn der Stoff ist nur locker gespannt, gibt unter leichtem Druck nach.  Eine einfache Handdrehung ermöglicht einen Zeitsprung  ins Jetzt, die Straßenzüge verwandeln sich, werden farbig und zeigen Würzburg heute. Möglich macht dies ein kleines Gerät, das die Ausrichtung und Position der Hand erkennt.  Wer mit dieser tiefer eintaucht, kann einzelne Orte anvisieren und so den Trümmern und dem Ausmaß der Zerstörung noch näher kommen. Fotografien  zerstörter Bauwerke öffnen sich. Mit leichtem Fingerstrich verwandelt sich die historische Aufnahme fließend in eine aktuelle.


Dass ein halbes Jahr Arbeit in der Multimedia-Installation steckt, erstaunt nicht, denn neben der Entwicklung der technischen Voraussetzungen recherchierte Julian Michel jede Menge Bildmaterial und suchte nach Orten, die er selbst nachvollziehen und nachfotografieren konnte.  „Monument“ soll dabei nicht nur sinnbildlich als ein Mahnmal verstanden werden. „Im Begriff Monument steckt das Wort Moment“, erklärt der 23-Jährige. Er wollte ganz bewusst Momentaufnahmen einst und heute gegenüberstellen.  Die Idee kam ihm übrigens nicht, weil er sich besonders für die Geschichte Würzburgs interessiert hatte, sondern weil er alte Fotografien seiner Großmutter entdeckt und versucht hatte, die Orte ihrer Vergangenheit nachzufotografieren.  


Auch, dass der 23-Jährige sein „Monument“  in einen sinnlich sehr ansprechenden Ausstellungsrahmen aus Ton und flackerndem Kerzenspiel packt, kommt nicht von ungefähr: Er begeistere sich schon lange für Ausstellungsdesign, habe während des Studiums entsprechende Kurse belegt. Und tatsächlich gelingt es dem Kommunikationsdesigner  mit Technik und einem Gesamtkunstwerk auf intensive und zugleich erfrischend neue Art, Geschichte spürbar zu machen.

Julian Michel präsentiert im Rahmen einer Ausstellung sein digitales Würzburg-Modell „Monument“.


Fotos: Michaela Schneider



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Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung „Monument“


Die Ausstellung „Monument“ im einraum.atelier in der Laufergasse 14 in Würzburg kann noch am 26. und 27. September  zwischen 14 und 18 Uhr besucht werden.  Neben dem interaktiven, digitalen Modell als Herzstück der Ausstellung können die Besucher 30 Momentaufnahmen vom zerstörten Würzburg und, gegenübergestellt, der Stadt heute betrachten.  Mehr über Kommunikationsdesigner Julian Michel inklusive einem Kurzfilm über „Monument“ findet sich auf seiner Internetseite www.julian-michel.com