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Perlende Tautropfen und gleisende Wüstensonne
Uraufführung
 Auf der Grundlage des „Sonnengesangs“ von Franz von Assisi präsentiert
der Würzburger Monteverdichor unter anderem eine neue Komposition von Josef Lammerz

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Leise säuselnde Geigen, helles Glockenspiel, hohe Frauenstimmen: Die Sonne geht auf, Tautropfen perlen auf dem Gras. Später dann dramatische Trommeln, wirbelnde Klänge, schnelle Melodieläufe: Ein Sturm und Wolken ziehen auf. Erst als die Sonne den Kampf gegen die Naturgewalt gewinnt, vogelzwitschert verhalten eine Querflöte. Unter dem Konzertmotto „Sonnengesang“ wagt sich der vielfach ausgezeichnete Würzburger Monteverdichor an das gleichnamige, eindrucksvolle Werk des zeitgenössischen Allgäuer Komponisten Wolfram Buchenberg heran.

 

Mit dichten Klanggemälden zeichnen die fast 100 Sänger sowie die Thüringer Philharmonie Gotha unter dem Dirigat von Matthias Beckert anschauliche Bilder der Natur. Zudem auf dem Konzertprogramm: zwei weitere Buchenberg-Werke, Richard Wagners „Liebesmahl der Apostel“ und mit dem 2Cantico de las Criaturas“ eine bejubelte Uraufführung des Komponisten Josef Lammerz. Sowohl Buchenberg als auch Lammerz sind an beiden Aufführungsabenden in der Würzburger Neubaukirche anwesend. Mit der Sopranistin Anna Nesyba, Alt Barbara Bräckelmann, Bass Johannes Weinhuber und dem Tenor Johannes Strauß begleiten das Konzert zudem vier hervorragende Solisten.

 

Zunächst ein Blick auf die Buchenbergschen Werke: Als Textvorlage wählt der Komponist die altitalienische Fassung des Kirchenlehrers Franz von Assisi. Die Poesie des Werks überträgt er auf seine Musik, lässt Feuer flammen, Wasser rauschen und Blumen blühen. Dabei ist es für einen Chor alles andere als leicht, diese Stimmungen zu transportieren – dem Monteverdichor gelingt es! Gerade in Sachen Dynamik präsentiert sich der Chor herausragend, egal ob in gleitenden oder abrupten Lautstärke-Wechseln. Besonders beeindruckend: die gewaltigen, opulenten Chor- und Orchestercrescendi, nicht nur im Buchenbergschen Sonnengesang.

 

Auch das zweite Chorwerk handelt von der Sonne – Wolfram Buchenberg hat mit „Im Lichtland des Himmels“ Auszüge aus einem altägyptischen Hymnus vertont. Der so genannte „Sonnenhymnus“ aus dem 14. Jahrhundert vor Christus wird Pharao Echnaton zugeschrieben. Auch bei diesem Werk zeichnet der Komponist mit Klängen: Paukenschläge und ein explosionsartiger Auftritt des Sonnengotts, ägyptische Wüste im gleißenden Sonnenlicht der Oberton-Glissandi, Bauchtanz und Schlangenbeschwörung zur exotisch-arabischen Klarinetten-Melodie, Anbetung in sphärischen Chorpassagen.

 

Buchenbergs „Theophanie“ schließlich ist das wohl aufregendste und anspruchsvollste Werk des Komponisten: Die Chorstimmen werden hier selbst zum emotionmalenden Instrument. Dann wieder steht der Text im Vordergrund: Jede Sängerin spricht für sich, im eigenen Rhythmus, ganz leise mittelhochdeutsche Texte des Theologen Meister Eckhart.  Mystisch, dann wieder unheimlich, hektisch-treibend und innig-sanft: Der Monteverdichor gibt vielschichtig fesselnde Stimmungen wieder.

 

Richard Wagners „Das Liebesmahl der Apostel“ ist in Würzburg erstmals zu hören, kooperiert hatte der Monteverdichor mit dem Richard-Wagner-Verband Würzburg-Unterfranken. Dirigent Matthias Beckert entscheidet sich für eine frische, moderne Variante des einzigen geistlichen Chorwerks im Wagnerschen Schaffen. Geschrieben für einen reinen Männerchor und Orchester hat das Werk  im ersten Teil choralhafte, fast schon meditative Züge. Später dann Wagnersche Opulenz, die jedoch neben den anderen Werken des Abends trotzdem fast brav daher kommt.

 

Als Konzerthöhepunkt endet das Konzert schließlich in Josef Lammerz‘ Interpretation des „Sonnengesangs“. Gesungen wird spanisch – der deutsche Komponist lebt seit 1989 an der Costa Blanca. Zu Orchester, Chor und Solisten kommen nun noch  Orgelklänge hinzu. Lammerz setzt auf extreme Klangdichte und erzeugt passagenweise echte Gänsehaut-Stimmung. Jede Sonnengesang-Strophe greift er individuell auf. Sein Werk gibt sich mal fast klassisch, mal choralhaft, mal wunderbar-romantisch, dann wieder rauschhaft modern.

 

Das Publikum ist begeistert. Der Monteverdichor kann stolz sein ein so beeindruckendes Werk uraufgeführt zu haben. Und Josef Lammerz kann sich glücklich schätzen, dass seine Komposition der Öffentlichkeit erstmals derart beeindruckend präsentiert wurde.

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.