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Auf „Expedition zu den Polen“

Kabarett Steffen Möller macht mit den Marktheidenfeldern einen humorigen Crashkurs für Auswanderer

 

Von Michaela Schneider

 

Marktheidenfeld Eigentlich ist es nur ein putziges Strichlein: das polnische Weichheitszeichen. Doch Kabarettist Steffen Möller kann über die Eigenheiten der polnischen Sprache minutenlang sinnieren. Ebenso über Polens Kulinarik, „Negativ Thinking“ (negatives Denken) als Psychotherapieersatz, deutsche „Schädenmelder“, polnische Pilzsammler, den Onkel mit der Schnapsflasche auf polnischen Hochzeiten und: die Liebe! Denn hier ist der gebürtige Wuppertaler echter Spezialist: 500 Folgen lang spielte er in der polnischen Telenovela „L wie Liebe“ den deutschen Kartoffelbauer Stefan Müller, drei Hochzeiten inbegriffen. „Expedition zu den Polen – Crashkurs für Auswanderer“ ist Steffen Möllers Kabarettprogramm betitelt, mit dem er nun in Marktheidenfeld gastierte.

 

Letztlich ist Möller der perfekte Kulturbotschafter, wurde dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am Anfang stand ein simpler Sprachkurs in Warschau – doch Möller blieb in Polen, satte 14 Jahre lang. Seine Mission: Vorurteile gegen die Deutschen abbauen.  Mit Erfolg: Von Deutschlehrer und Universitätsdozenten schaffte er’s zum wohl beliebtesten Deutschen in Polen. Er tourte als Kabarettist durchs Land, wurde zum Fernsehstar, moderierte die erste Staffel der polnischen „Wetten Dass???“-Version und war fünf Jahre lang ständiger Gast in der Show „Europa lässt sich mögen“.

 

2008 sollte er den Spieß umdrehen – seitdem „botschaftet“ er schwerpunktmäßig in Deutschland. Sein 2008 erschienenes Buch „Viva Polonia – Als deutscher Gastarbeiter in Polen“ sollte fast ein Jahr auf der Spiegel-Bestellerliste stehen und verkaufte sich mehr als 300000 Mal. Seinen Wohnsitz verlegte Möller 2009 in Deutschlands Hauptstadt und reist nun regelmäßig mit dem „Berlin – Warschau – Express“. Auf eben diese Reise nahm er nun das Publikum in Marktheidenfeld als „Auswandererberater“ mit. Denn, wie Möller sagt, ist Polen nach der Schweiz und den USA inzwischen das drittliebste Auswanderungsland der Deutschen.

 

Dabei spielt der Kabarettist im Unternehmensberater-Outfit mit manchem Klischee, dies wird ihm von Kritikern immer mal wieder zum Vorwurf gemacht. Doch warum nicht? Einer, der seit fast 20 Jahren die Besonderheiten und Eigenheiten zweier Länder beobachtet und vergleicht, sollte das dürfen. Vor allem, wenn er Charaktereigenschaften so liebenswert und sympathisch rüberbringt. Im Publikum sitzen Polen, Deutsche und – Möller kreiert eine dritte Kategorie – deutsche Ehemänner polnischer Frauen. Und: alle amüsieren sich gemeinsam. Doch Möller will ja aufs Auswandern vorbereiten – und da gehört an erste Stelle ein Sprachkurs. Die polnische Sprache sei gar nicht so schwer. Fast fünf Prozent der Wörter hätten keinen Zischlaut, „beruhigt“ er. Gut, auf der anderen Seite gibt es Worte wie den Namen „Grzegorz Brzeczyszczykiewicz“ – den musste er in „L wie Liebe“ aussprechen können, um seine dritte Fernseh-Ehefrau vom Heiraten zu überzeugen.

 

Doch reicht’s nicht, die Sprache zu kennen, genauso wichtig ist die Mentalität. Mit dem deutschen Keep-Smiling sei es in Polen vorbei, kündigt Möller an. Denn: Auf die Frage „Jak tam?“ (Wie geht’s?) antwortet der Pole nicht mit gut oder ausgezeichnet, sondern mit „Stara bieda“, sprich: Alte Armut – „egal, ob sie gestern im Lotto gewonnen haben“, ergänzt Möller und übt mit dem Publikum gleich einmal die richtige Betonung inklusive fatalistischer Melodie, Drei-Tage-Regenwetter-Miene und sich überschlagender Stimme. Und die Antwort? „Trudno“. Wörtlich übersetzt heißt’s schwierig – und bedeutet laut Möller so viel wie: Pech gehabt, shit happens und „rechts die Russen, links die Deutschen und wir in der Mitte seit 1000 Jahren“.

 

Am Ende des Abends weiß das Publikum auch, dass fast jeder Große der Geschichte aus Polen abstammt – angefangen bei Marco Polo, sprich: Marco, dem Polen. Die künftigen Einwanderer sind ausgerüstet mit Handschuhen fürs Teeglas und Werkzeugkasten, um die Toilettenklinke im Berlin-Warschau-Express selbst zu reparieren. Und sie sind gewappnet fürs Rendezvous. Trick Nummer eins: Komplimente! „Dein göttlicher Fuß erinnert mich an die Gestalt einer morgendlichen Tauträne“ flüsterte Stefan Müller alias Steffen Möller in „L wie Liebe“ seiner ersten polnischen Herzensdame zu – drei Folgen später wird geheiratet! Trick Nummer zwei: Blumen. Fährt in Polen ein Zug am Bahnhof ein, knieten 100 Männer am Bahnsteig mit Blumenstrauß nieder. Einer indes – natürlich ohne Blumen - raunzt seiner Frau zu, sie solle kommen, er stehe im Halteverbot. „Der arbeitet beim Goethe-Institut!“, so Möller. Und Trick Nummer 3? „Grzegorz Brzeczyszczykiewicz“ aussprechen lernen! Dann kann beim Einwandern eigentlich nichts mehr schief gehen.

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Main-Echo veröffentlicht.

Ausstellung „1000 Jahre deutsch-polnische Geschichte“

 

Die Ausstellung "Partnerstadt Pobiedziska - 1000 Jahre deutsch-polnische Geschichte" des Deutschen Polen-Instituts (Darmstadt) ist noch bis zum 30. Dezember im Marktheidenfelder Franck-Haus zu sehen. Sie behandelt auf 18 Schautafeln historische Ereignisse, die das Verhältnis der beiden Nachbarländer in den letzten 1000 Jahren prägten. Hintergrund: Die Stadt Marktheidenfeld begründete im Jahr 2007 zusammen mit der französischen Partnerstadt Montfort-Sur-Meu eine Städtepartnerschaft mit Pobiedziska nahe Poznan. Das Partnerschaftskomitee Marktheidenfeld ergänzt die Ausstellung um aktuelle Begegnungen der beiden Städte, ein Höhepunkt war nun der Kabarettabend  "Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express" mit Steffen Möller. Öffnungszeiten der Ausstellung: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen zwischen 10 und 18 Uhr.

„Dzien dobry“ heißt „Tag guten“, erklärt Kabarettist Steffen Möller. Die Polen machten‘s andersrum – ein kleiner Vorgeschmack, was einen auf der Reise nach Warschau erwartet, ergänzt der Kabarettist.  

Fotos: Michaela Schneider

Steffen Möller macht den „Emigration Consultant“, zu Deutsch: Auswandererberater.

 

Kabarettist Steffen Möller besingt in seinem „Bigos-Rap“ die polnische Küche.