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Spannungsgeladener Horror in der Spessartgrotte mit Michael Schäfer als Schriftsteller Paul Sheldon und Paul Seeger als psychopathischer Krankenschwester Annie Wilkes.

Fotos: Michaela Schneider

„Jeder, den ich liebe, stirbt“
Horror
Stephen Kings „Misery“ in der Spessartgrotte – Inszenierung
 spielt mit Urängsten, beklemmender Stimmung und echten Schockmomenten


Von Michaela Schneider

Gemünden-Langenprozelten „Jeder, den ich liebe stirbt, so einfach ist das Paul“, säuselt Anni Wilkes. Schrille Pianoklänge intensivieren das Psychoszenario. Für den Schriftsteller Paul Sheldon gewinnt der Satz „Ich schreibe, um zu leben“ plötzlich völlig neue Bedeutung. Mit Stephen Kings „Misery“ aus dem Jahr 1987 hat Spessartgrotten-Regisseurin Helga Hartmann diesmal alles andere als leichten, seichten Stoff gewählt. Für schwache Nerven taugt der Psychoterror nicht, spielt mit Urängsten, beklemmender Stimmung und echten Schockmomenten. Doch Stephen-King-Fans und Freunde der berstenden Spannung dürften begeistert sein von der Bühnenadaption des Horrorklassikers in Gemünden-Langenprozelten. Ganz hervorragend ist auch die Idee, den Jazzpianisten Kevin Schlegel das Grauen live am Piano untermalen zu lassen.


Zum Inhalt: Schriftsteller Paul Sheldon (Michael Schäfer) verunglückt. Als er aus dem Koma erwacht, liegt er mit gebrochenen Beinen im Haus der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes (Paul Seeger). Sie liebt seine Bücher um Misery Chastain, er selbst indes ist der Reihe längst überdrüssig und hat die Romanheldin am Ende  des letzten Misery-Romans sterben lassen. Spätestens als Anni dies herausfindet, merkt Paul, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sein rettender Engel verwandelt sich zunehmend in eine Psychopathin. Mit immer drastischeren Mitteln fordert sie „Miserys Rückkehr“ und schreckt auch vor blutiger Verstümmelung nicht zurückschreckt. Paul schreibt, um zu leben bis hin zum furiosen, in der Bühnenversion recht gestrafften Finale.


Häufig ist es ja so eine Sache mit Männern in Frauenrollen. Leicht droht ernst Gemeintes ins Absurde abzudriften. Doch in der Spessartgrotte funktioniert die Idee, Paul Seeger in die Rolle der burschikosen Annie schlüpfen zu lassen. Im altrosa Schürzenkleid, faltiger Strumpfhose, altbackenen Slippern und mit blonder Perücke nimmt man ihm die Psychopathin rundum ab: mal euphorischer Fan, mal strenge, biedere Krankenschwester; mal gruselige Wahnsinnige mit starrer Miene und stechendem Blick; mal ausflippende Irre und kaltblütige Mörderin. Paul Seeger lässt als Annie keine Zweifel daran, dass es um Leben und Tod geht. „Kein Mensch wird hier anhalten, weil sie denken, dass Annie Wilkes verrückt ist“, stellt sie klar. Selbst das Vogelzwitschern  in der Abgeschiedenheit ihres Hofs gewinnt etwas Gruseliges. Und trotzdem kommen die komischen, schwarzhumorigen Elemente nicht zu kurz.


Auch Michael Schäfer füllt die Rolle des gequälten, ums nackte Überleben kämpfenden Schriftstellers Paul wunderbar aus. Er zittert und schreit vor Schmerz, er flucht, tobt und lacht halb irrsinnig  vor Angst, er wälzt sich zwischen Fieber und Albträumen, macht gute Miene zum bösen Spiel und versinkt in tiefer Verzweiflung. Ja, man fühlt mit Paul mit, der Wahnsinn scheint auch fürs Publikum nur einen Schritt weit entfernt.

Dass die beklemmende, drastische Stimmung so gut transportiert wird, liegt nicht zuletzt an dem Jazzpianisten Kevin Schlegel. Mal mit wenigen Tönen, mal in langen Passagen untermalt er das Geschehen. Schon die Improvisationen über Chopin und seine Gruselvariante von „Stille Nacht“ machen den Theaterbesuch lohnenswert.


Beim Bühnenbild  hat sich Helga Hartmann auf die für die Handlung wesentlichen Elemente konzentriert: das Bett, ein kaputtes Telefon, ein Apothekerschränkchen, ein Tisch mit der Schreibmaschine, ein Rollstuhl. Das ist gut so – bei einem Werk wie „Misery“ spricht die Handlung für sich und lebt von zwei hervorragenden Schauspielern. Wer Gänsehautstimmung, Sarkasmus und spannungsgeladenen Horror mag, ist  in der Spessartgrotte richtig.

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Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

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