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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Wie alle junge Menschen in seinem Alter hatte Jawed Tokhi Träume, als er sein Abitur in der Tasche hatte. An die Universität wollte er gehen und eines Tages als Sportlehrer arbeiten. Der Krieg in seiner afghanischen Heimat Kabul sollte alle Hoffnungen zerstören. Jawed Tokhi musste seine Familie, seine Freunde verlassen, seine Träume aufgeben und fliehen. Knapp 13 Jahre liegt dies inzwischen zurück – seit diesem Jahr hat Jawed Tokhi nun einen deutschen Reisepass. „Ich komme aus Afghanistan und bin Deutscher“, antwortet er auf die Frage, welcher Nationalität er sich heute zugehörig fühlt. In einer Feierstunde begrüßte Oberbürgermeister Georg Rosenthal die im Jahr 2012 neu eingebürgerten deutschen Staatsbürger. Wie für viele von ihnen ist dies für Jawed Tokhi ein weiterer Schritt in einem neuen Lebensabschnitt,  auch der 37-jährige Afghane lässt sich nach der offiziellen Begrüßung mit dem Stadtoberhaupt fotografieren.

 

Dass er eines Tages in einem fremden Land in ein neues Leben starten werde, daran dachte Jawed Tokhi während seiner Flucht aus Kabul noch nicht. „Es ging mir allein darum, im Krieg nicht zu sterben. Ich wollte am Leben bleiben“, sagt er. Drei bis vier Monate dauerte seine Flucht durch verschiedene Länder. Vorläufige Endstation: die Gemeinschaftsunterkunft in der Veitshöchheimer Straße in Würzburg. „Ein Asylheim ist kein schöner Ort, aber als erste Unterkunft war das in Ordnung“, so der heute 37-Jährige. Würzburg und Kabul seien zwei völlig andere Welten, alles sei fremd gewesen, doch habe er sich wieder lebendig fühlen können. Familie und Freunde habe er damals sehr vermisst – und vermisse er auch heute noch, auch wenn er sich inzwischen über Internet und Telefon regelmäßig mit seinen Lieben austauscht. Zweimal sei er seit 2001 zudem nach Kabul geflogen. „Der Flug ist teuer, häufiger geht nicht“, sagt er.

 

Gerne hätte er seine Ausbildung hier fortgesetzt, war, als er in Deutschland ankam, 24 Jahre jung – doch hieß es nun erst einmal im zermürbenden Verfahren zu warten. 30 Monate lang dauerte es, bis die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung endlich vorlag und sich der junge Mann eine eigene Wohnung, eine Beschäftigung suchen durfte. Schon während der Wartezeit habe er versucht, sich „in die deutsche Sprache hineinzuschleichen“, wie er selbst sagt. Denn auf gar keinen Fall, so erzählt er, wollte er vom Sozialamt leben. „Ich wollte so schnell wie möglich arbeiten und auf eigenen Beinen stehen.“ Und tatsächlich fand er schnell einen Job in einer landwirtschaftlichen Firma. Seitdem habe er durchweg gearbeitet, heute sei er in der Gastronomie tätig. Und auch darüber hinaus engagiert sich der 37-Jährige, arbeitet als Dolmetscher für die Polizei. Zustande kam der Kontakt über den Ausländerbeirat. „Das ist eine tolle Sache, so kann ich der Polizei und meinen Landsleuten helfen“, ist er sichtlich stolz. Zugute käme ihm dabei, dass er beide afghanischen Sprachen - Pashto und Dari – beherrsche.

 

Auch sein Sohn wächst dreisprachig auf. 2004 heiratet Jawed Tokhi, seine Ehefrau ist ebenfalls Afghanin. Sie spricht mit dem Jungen Dari, er selbst spricht Pashto und im Kindergarten lerne der Bub Deutsch. Der Sohn sei es letztlich auch gewesen, für den der 37-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollte. „Vom Gefühl her ändert sich für mich durch den neuen Ausweis nichts. Ein Papier bewirkt kein Klicken im Kopf“, sagt er. Wozu auch. Wurzeln bilden konnte er in Deutschland längst - ohne dabei seine afghanischen Wurzeln auszureißen.  

 

 

Der Artikel ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

„Ich komme aus Afghanistan und bin Deutscher“

Migration Stadt Würzburg begrüßt neue deutsche Staatsbürger – Der 37-jährige Jawed
Tokhi erzählt, wie er nach seiner Flucht aus der Heimat in einem fremden Land Fuß fassen konnte

 

           

221 Migrations-Verfahren konnten 2012 in Würzburg erfolgreich abgeschlossen werden. In einer Feierstunde begrüßte Oberbürgermeister Georg Rosenthal die neuen deutschen Staatsbürger.

Fotos: Michaela Schneider

       

 

Kam vor knapp 13 Jahren nach Deutschland, seit 2012 ist er deutscher Staatsbürger: Jawed Tokhi aus Afghanistan.

 

Infokasten:

Fakten zur Migration

 

In Deutschland leben derzeit 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, in Bayern sind es 2,3 Millionen, in Würzburg rund 20000. 2012 verzeichnete die Stadt am Main 221 Einbürgerungen. Die Eingebürgerten stammen laut Oberbürgermeister Georg Rosenthal aus 50 Ländern von vier Kontinenten.