Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Allein das Würfelglück entscheidet
Die Erfolgsgeschichte von  „Mensch ärgere Dich nicht“ begann vor 100 Jahren –
Museum im Malerwinkelhaus widmet sich dem Spieleklassiker in einer Sonderausstellung


Von Michaela Schneider

Marktbreit Der Dauerspielrekord liegt aktuell bei 204 Stunden, der Unterwasserrekord bei 36. Und gespielt haben dürfte es nahezu jeder schon einmal. „Die Rede ist von „Mensch ärgere Dich nicht“. Die Erfolgsgeschichte des Kinderzimmer-Klassikers begann vor 100 Jahren. Eine Sonderausstellung im Museum im Malerwinkelhaus dreht sich nun um das „populärste Spiel der Nation“ gestern und heute.  Übrigens ist das kleine Museum in Marktbreit laut dessen Leiterin Simone Michel-von-Dungern das einzige Haus überhaupt in Deutschland, das sich dem Jubiläum in einer eigenen Sonderausstellung annimmt.


Das mag auch daran liegen, dass es gar nicht so leicht ist, den Geburtstag auf ein bestimmtes Jahr zu datieren, denn: Die Idee zu dem Laufspiel hatte der Oberpfälzer Josef Friedrich Schmidt bereits im Jahr 1907. Die Familie lebte damals im Arbeiter- und Armeleuteviertel in einfachen, beengten Verhältnissen. Der Winter war kalt. Um die drei Söhne zu beschäftigen, zeichnete Vater Josef Friedrich auf die Pappe einer alten Hutschachtel einen Parcours aus 40 Kreisen in Kreuzform auf. Jeder Spieler erhielt vier Holzklötzchen oder Zinnfiguren, hier sind sich die Quellen nicht einig. Jeder durfte jeden jederzeit rauswerfen.


Inspirieren ließ sich Schmidt dabei von verschiedenen anderen Laufspielen: dem uralten indischen „Patschisi“, europäischen Varianten des 19. Jahrhunderts wie zum Beispiel dem in Deutschland und der Schweiz gespielten „Eile mit Weile“, oder auch dem direkten Vorläufer „Ludo“ zu deutsch: „ich spiele“). Im Unterschied zu den Vorgängern allerdings war Schmidts Spielvariante stark vereinfacht, über Sieg und Niederlage entschied allein das Würfelglück. Bald schon kam die Idee nicht allein bei den Söhnen, sondern auch im Bekanntenkreis gut an. Um 1910 fertigte der Geschäftsmann erste Spiele in Serie und gründete einen kleinen Verlag.  Der Erfolg allerdings blieb aus, nicht zuletzt durch den Kriegsausbruch.


Ob nun aus Enttäuschung oder aus Patriotismus: 1914 – also vor 100 Jahren - schickte der Oberpfälzer 3000 Spiele als Sachspende an die Front und in Lazarette. Und tatsächlich: „Mensch ärgere Dich nicht“ war ein willkommener Zeitvertreib, die Soldaten waren begeistert. Fronturlauber und Heimkehrer brachten das Laufspiel mit nach Hause, die Grundlage für die Erfolgsstory war gelegt. 1920 waren bereits eine Million Spiele verkauft. In den 50er Jahren schafft das Spiel den Sprung über den Atlantik, heißt in den USA „Take it easy“. Bis heute gehen insgesamt rund 400000 Exemplare jährlich über die Ladentheken.


In der Sonderausstellung unter anderem zu sehen: Spielvorläufer und Plagiate, diverse Abwandlungen des Klassikers. Und: „Mensch ärgere Dich nicht“ selbst im Wandel. Das Design verändert sich in verschiedenen Details, die Spielidee bleibt die gleiche. Gestalten aus Film und Fernsehen – von Winnetou bis zu den Simpsons – gelangen als Figuren ins Spiel, große Marken wie Milka oder Coca-Cola nutzen den Klassiker als Werbeträger. „Mensch ärgere Dich nicht“  gibt es in Varianten für die Reise, für den Strandurlaub oder auch als handliches Kartenspiel. Die  meisten Exponate hat dem Museum ein privater Sammler zur Verfügung gestellt.


Selbst in Film Fernsehen hielt der Spieleklassiker übrigens Einzug: In den 1950er Jahren wird in Mainfranken inklusive Marktbreit der Spielfilm „Vater sein dagegen sehr“ gedreht. In einer Filmszene erklärt Heinz Rühmann als Schriftsteller Lutz Ventura der Nichte und dem Neffen, dass man den „Rauswurf“ eines Steins mit Würde tragen müsse. Und natürlich, es kommt, wie`s kommen muss: Als Lutz selbst zu verlieren droht, kochen seine Emotionen über – und die Kinder lassen den Onkel vorsichtshalber gewinnen. 1970 kommt der Film „Mensch ärgere Dich nicht“ mit Uschi Glas und Georg Thomalla heraus – und auch Gerhard Polt widmet sich dem Klassiker in einem Sketch.


Wie aber lässt sich der Erfolg des Spieleklassikers erklären? Simone Michel-von-Dungern führt verschiedene mögliche Gründe an. So könnte der Name selbst eine Rolle gespielt haben, denn Schmidt griff mit „Mensch ärgere Dich nicht“ ein populäres Lebensmotto um die Wende zum 20. Jahrhundert auf. Der „kleine Mann“ fühlte sich damals der Obrigkeit ausgeliefert und fügte sich in sein Schicksal. Hauptgrund aber dürfte der Spielcharakter selbst sein: Das Laufspiel ist einfach zu verstehen und zu spielen, jeder hat die gleichen Chancen.  So brachte und bringt „Mensch ärgere Dich nicht“ Generationen an einen Tisch bringt – Großeltern, Eltern und die ganz Kleinen.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Die Sonderausstellung „“Mensch ärgere Dich nicht“ im Museum im Malerwinkelhaus in Marktbreit ist bis einschließlich 2. November zu sehen.

Fotos: Michaela Schneider


Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Infokasten: Über die Sonderausstellung „Mensch ärgere Dich nicht“


Die Sonderausstellung „“Mensch ärgere Dich nicht“ im Museum im Malerwinkelhaus in Marktbreit ist bis einschließlich 2. November zu sehen. Das Museum ist immer donnerstags von 14 bis 20 Uhr, sowie Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppenführungen nach Vereinbarung. Zur Ausstellung ist ein 63-seitiger Begleitkatalog erschienen. www.malerwinkelhaus.de