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30-jähriger Krieg statt Anwaltskanzlei

Rothenburg ob der Tauber Sie schlüpfen in die Rollen des kaiserlichen Generals Tilly oder der flehenden Magdalena. Sie verwandeln sich in Bürgermeister, Ratsherren, Waffen- und Kellermeister oder stattliche Herolde: Mehr als 700 Bürger wirken im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber mit, wenn sich die Stadt an Pfingsten (17. – 20.05.2013) wieder in eine riesige Freilichtbühne verwandelt. Geschichte lebt, wenn beim historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ der Ort zum Schauplatz eines farbenfrohen Spektakels aus der Zeit des 30-jährigen Krieges wird.

 

Dabei steht heuer ein kleines Jubiläum an: Zum zehnten Mal wird Internetprojektleiter Stefan Reihs die Computer abschalten und ins historische Gewand des kaiserlichen Generals Tilly schlüpfen. Dass er als Einheimischer Jahr für Jahr den Belagerer mimt, stört den 47-Jährigen dabei nicht. Schließlich sei Tilly ja am Ende derjenige, der fürs Happy End sorgt, sagt Reihs gelassen.

Worum aber geht es eigentlich genau bei dem Historienspektakel? Der 30-jährige Krieg wütet landauf landab. Katholiken kämpfen gegen Protestanten – und das Volk leidet. 1631 steht der katholische General Tilly vor den Toren des protestantischen Rothenburgs. Drei Tage Kampf, dann fällt die Reichsstadt in Tillys Hand. Der droht mit der Zerstörung, lässt sich aber auf einen Deal ein: Sollte einer der Ratsherren im Stande sein, einen Dreieinviertel-Liter-Pokal mit Wein in einem Zug zu leeren, werde er die Stadt verschonen. Altbürgermeister Georg Nusch greift zum stattlichen Gefäß und trinkt – das zumindest besagt die Legende.

Doch ob nun Legende oder Historie: Für die Bevölkerung ist dies einerlei. Der Meistertrunk gehört unumstößlich zum Festjahreskalender dazu. Für viele Einheimische wie Andrea Ehrlinger schon seit der Kindheit. Die 36-Jährige wuchs mitten im Ort im Gasthaus „Zum Ochsen“ auf. Das Festspiel bezeichnet sie als „unsere fünfte Jahreszeit“. Mit zehn Jahren schlüpfte sie erstmals als Festspielerin in historische Gewänder: Magdalena-Kind, „Gnadebälger“, Ordnungsausschuss, Bürgerfrau, Betreuerin der Bürgerkinder: Die Liste ihrer Rollen liest sich stattlich. Und schließlich erfüllte sich Ehrlingers größter Kindheitstraum: „Ich glaube, jedes Bürgerkind-Mädchen möchte Magdalena werden“, sagt sie. Ihr sollte es gelingen – und auch heuer wird sie wieder das hübsche, im Sommer allerdings ziemlich warme Samtkleid tragen und Tilly um Gnade anflehen. Auf die Frage, warum dieser Magdalenas Bitten eigentlich widerstand, hat die 35-Jährige eine knappe Antwort parat: „Tilly war ein alter Sturkopf und wollte von Frauen nichts wissen.“

Nicht nur für die Magdalena –Darstellerin sind die schmucken, historischen Kostüme übrigens eine echte Herausforderung. Er habe den Eindruck, sein Mantel wiege mindestens 30 Kilo und es sei darin richtig warm, sagt Rechtsanwalt Alexander Zierer, der sich nun im zweiten Jahr in den regierenden Bürgermeister Johann Bezold verwandelt. Doch wenn er auf der Bühne steht, sind Zierer tropische Temperaturen unter dem Gewand gleichgültig: Erst, wenn man im Kostüm sei, könne man der Rolle eine viel stärkere Authentizität verleihen, ist er überzeugt.

Aber nicht nur die Hauptrollen sind beim „Meistertrunk“ alljährlich zu besetzen. Sage und schreibe 700 Bürger wirken Jahr für Jahr in Rothenburg bei dem mehrtägigen Historienspektakel in der Stadt mit. Zum ersten Mal wird auch die „Landhege“ im Schauspiel auftreten. Hintergrund: Rund 300 Dörfer befanden sich einst innerhalb eines 60 Kilometer langen Walles rund um Rothenburg. Bauern und Handwerker dieser „Landhege“ halfen bei der Belagerung, mit Mut, Dreschflegeln, Heu- und Mistgabel die Stadt zu verteidigen.

Spannend ist mit Blick auf das Schauspiel-Ensemble übrigens auch: Das mittelfränkische Städtchen Rothenburg ist extrem bunt. Nicht nur, weil internationale Gäste die ganz eigene Stadtatmosphäre hier Jahr für Jahr erfahren wollen. Sondern auch, weil fast 70 verschiedene Nationen in der Tauberstadt leben – von knapp 12.000 Einwohnern haben immerhin rund 1650 eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. Viele von Ihnen engagieren sich alljährlich ebenfalls beim „Meistertrunk“.

Der Artikel  wurde  im Auftrag der Presse & Kommunikation Saremba GmbH verfasst.