Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Redakteur mit „S-Fehler“ und eine singende Putzfrau
Mainfranken Theater packt in der Reihe „Oper am Klavier“ Ralph Benatzkys
Lustspiel „Meine Schwester und ich“ in eine ziemlich amüsante Rahmenhandlung


Von Michaela Schneider

Würzburg Wir schreiben das Jahr 1956, das fiktive Datum des 35. Mai. Der Sender „Fränkisches Würzburg“ überträgt, wie in jenen Tagen Gang und Gäbe, die Funkfassung einer beliebten Operette. Auf dem Programm steht Ralph Benatzkys musikalisches Lustspiel „Meine Schwester und ich“. Doch die Ereignisse überschlagen sich drei Minuten vor Sendebeginn: Der Regisseur hat sich kurzerhand selbst zum Sänger erklärt, der leicht lispelnde Redakteur soll gleich drei Rollen sprechen, eine Sängerin fällt aus und Putzfrau Frieda wittert ihre große Chance. In diese urkomische Rahmenhandlung verpackt, durfte das Publikum jetzt  Benatzkys Lustspiel in den Kammerspielen am Mainfranken Theater erleben als Teil der Reihe „Oper am Klavier“.  


Vorgestellt werden hier vor kleinem Publikum regelmäßig unbekanntere Werke der Musikliteratur – doch so unbekannt sind Benatzkys Melodien nicht, auch wenn man den Komponisten zunächst eher mit dem „Weißen Rössl“ in Verbindung bringt. Mancher Besucher summt bei dem kleinen, aber feinen musikalischen Kammerspiel „Meine Schwester und ich“ den ein oder anderen Ohrwurm aus den 30er Jahren mit – etwa die wohl bekannteste Melodie „Ich lade Sie ein, Fräulein“. Ein herrlicher Musikgenuss, nicht zuletzt, weil Jeremy Atkins wie immer feinfühlig am Flügel begleitet. Die Dialoge von Robert Blum stehen in der leichten Operette gleichberechtigt neben dem Gesang. Und auch Benatzky zeichnet sich nicht nur als Tonsetzer, sondern ebenso als Dichter mit Talent zum feinen Humor aus, die Gesangstexte stammen aus seiner Feder.


Worum aber geht es in der eigentlichen Geschichte? Dolly Fleuriot, geborene Prinzessin Saint-Labiche (Anja Gutgesell), und ihr Gatte, der Musiker und Bibliothekar Dr. Roger Fleuriot (Tobias Germeshausen), stehen „wegen unüberwindlicher Abneigung“ vor dem Scheidungsrichter. Die Prinzessin hatte sich als ihre Schuhe verkaufende Schwester ausgegeben, um Dr. Rogers Herz zu erobern. Für den nämlich kam die vornehme Prinzessin aufgrund seiner bürgerlichen Herkunft nicht in Frage. Nun fühlt er sich betrogen. Doch am Ende verweigert der Richter die Scheidung, weil sich Prinzessin und Bibliothekar nun mal immer noch lieben.


Dass Dramaturg Christoph Blitt die Geschichte in die Radio-Rahmenhandlung packt, ist ein gelungener Kniff aus einigen Gründen: Seine bei den „Opern am Klavier“ übliche Stückeinführung packt er als Redakteur kurzerhand in die Anmoderation. Das Schauspiel- und Gesangsensemble sorgt für viele zusätzliche Lacher, weil fürs Radio schließlich weit überzogener gesprochen und gesungen werden muss – und es zusätzliche Geräuschkulisse braucht. Und Christoph Blitt, der ja sonst allenfalls als Erzähler auf der Bühne sitzt, beweist erstaunliche schauspielerische Qualitäten als Redakteur mit „angeblichem S-Fehler“ sowie in gleich drei Hörspiel-Rollen.


Anja Gutgesell überzeugt als die Dramatik liebende Prinzessin, singt dabei Tobias Germeshausen in der Rolle des Dr. Roger Fleuriot allerdings ein Stück weit in den Schatten. Monika Zepeda als Verkäuferin Irma ist optisch und hochmotiviert schauspielernd knuffig, allerdings sitzt nicht jeder Ton. Ein Stück weit mag dies gewollt sein, schließlich singt „nur“ die Putzfrau. Mit Timo Ben Schöfer wagt sich auch ein Mitglied des Schauspielensembles an den Gesang. Ein Glücksgriff, denn als hektischer, sich ständig verhaspelnder Schuhgeschäftsinhaber lässt er Tränen lachen. Ebenfalls eine wunderbare Besetzung: Herbert Brand als dauerverliebter, leicht naiver Graf Lacy mit breitestem ungarischem Dialekt.  


Fazit: Das Publikum in der ausverkauften Kammer hat richtig viel Spaß an eingängigen Melodien, schönem Gesang wie einer urkomischen Geschichte. Die nette Inszenierung ist eigentlich zu schade für nur zwei Aufführungen.     

Dauer: 90 Minuten; zweite Vorstellung: 14. April, 20 Uhr.        


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.