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Wie Inklusion im Arbeitsleben gelingen kann
Laut UN-Behindertenrechtskonvention schließt Teilhabe das Recht auf Arbeit ein – Experten
aus Würzburg untersuchten, wie Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Arbeitsmarkt klar kommen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Die Teilhabe an der Gesellschaft für Menschen mit Behinderung ist ein Menschenrecht. So steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland unterzeichnete das Regelwerk am 24. Februar 2009. Teilhabe schließt dabei laut Artikel 27 des völkerrechtlichen Vertrags auch das Recht auf Arbeit ein – genauer, die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die frei gewählt oder frei angenommen wird. Die Realität sieht bis dato anders aus: Auf dem freien Markt sind Menschen mit Behinderung oft chancenlos. Stattdessen steigen die Mitarbeiterzahlen in Behindertenwerkstätten. Mit der geforderten Wahlmöglichkeit und Selbstbestimmung hat dies wenig zu tun. Doch die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt kann gelingen, werden Arbeitnehmer  und Arbeitgeber nicht allein gelassen. Das zeigt jetzt eine Studie des Instituts für Sonderpädagogik an der Universität Würzburg. Das Zauberwort lautet „Unterstützte Beschäftigung“.


Über drei Jahre hatte ein Team um Erhard Fischer, Professor für Pädagogik bei geistiger Behinderung,  seit September 2012 untersucht, wie Menschen mit geistiger Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zurechtkommen. MEGBAA lautet der offiziell Titel des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie vom bayerischen Sozialministerium unterstützten Forschungsprojekts.  Die Ergebnisse stellte das Team bei einer Fachtagung an der Universität Würzburg vor, ein umfassender Abschlussbericht erscheint im Winter.  Vor allem zwei Forschungsfragen hatten die Würzburger in den Blick genommen. Zum einen wollten Sie wissen, wie es um die Nachhaltigkeit der Maßnahme „Übergang Förderschule-Beruf“ steht. Zum anderen untersuchten sie die Lebensqualität von Menschen mit geistiger Behinderung in einem Beschäftigungsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.


Mittels Datenbankanalyse in Kooperation mit der Agentur für Arbeit fanden die Würzburger Sonderpädagogen nun unter anderem heraus: Immerhin 55 Prozent der Schüler, die an der Maßnahme „Übergang Förderschule – Beruf“  teilgenommen hatten,  konnten in ein sozialversicherungspflichtiges Verhältnis vermittelt werden – und zwar nachhaltig. Denn nach sechs Monaten bis vier Jahren lag die Rate immer noch bei 53 Prozent.  „Die Arbeitsverhältnisse sind in der Regel sehr stabil“, sagt Tina Molnár-Gebert, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt. Eine Befragung von 107 Betroffenen ergab, dass ein Drittel schon länger als fünf Jahre die gleiche Arbeitsstelle innehat.


Wie zufrieden die Arbeitnehmer mit ihrer Arbeit und dem Umfeld sind, nahmen die Würzburger Wissenschaftler mit Fragebögen in einfacher Sprache und in persönlichen Interviews unter die Lupe. Dabei bildete sich laut Projektmitarbeiterin Dr. Christina Kießling ein sehr positives Bild heraus – allerding nur bei entsprechender Unterstützung und einem passgenauen Arbeitsplatz. Die Sonderpädagogin spricht dann von einem „befriedigenden Schritt für beide Seiten“.  Die Mitarbeiter seien stolz auf die eigene Leistung und das eigene Einkommen, zu hohem persönlichen Einsatz und großer Anstrengung bereit und ihnen sei die Anerkennung und Unterstützung durch Kollegen und das Umfeld wichtig. Spannend auch: Befragt, ob sie eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung als Arbeitsalternative sähen, verneinte das Gros der Studienteilnehmer. Die seien zwar an sich eine gute Sache bei einer „richtigen Behinderung“, aber nicht für die eigene Perspektive.


Ein erstes Fazit: Werden Förderschüler von Integrationsfachdiensten und Co. tatsächlich auf dem Weg in den Beruf begleitet, kann eine Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt gelingen. Die jungen Menschen erhalten damit tatsächlich die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die frei gewählt oder frei angenommen wird, wie es Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention fordert.


Laut Dr. Stefan Doose, Experte auf dem Gebiet der „Unterstützten Beschäftigung“, darf jedoch eines nicht vergessen werden:  Das Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben gilt für alle Menschen – unabhängig vom Schweregrad ihrer Behinderung. „Wir müssen auch darüber nachdenken, was wir mit Leuten machen, die nicht arbeitsfähig sind“, sagt er.  Erste Ansätze gebe es, Doose greift ein Beispiel aus Hamburg heraus. Tagesförderstätten gehen hier stundenweise „auf Achse“, wie das Projekt deshalb auch betitelt ist, und arbeiten stundenweise in Betrieben und im Gemeinwesen mit – von Hagenbecks Tierpark übers Blumengeschäft bis hin zum Sportverein.

Bei einer Fachtagung in Würzburg präsentierten Experten jetzt die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Menschen mit geistiger Behinderung auf dem allgemeinem Arbeitsmarkt“, kurz MEGBAA.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Über das Projekt „Übergang Förderschule – Beruf“


2007 war "Übergang Förderschule - Beruf" als Modellprojekt vom Freistaat und der Bundesagentur für Arbeit ins Leben gerufen worden, 2009 wurde die Maßnahme auf ganz Bayern ausgeweitet. Auch damals war schon ein Würzburger Team um Professor Fischer mit einer wissenschaftlichen Begleitstudie betraut. Der Projektansatz:  Förderschüler, die bis dato nach dem Schulabschluss aller Voraussicht nach in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet hätten, wurden über drei Jahre intensiv bei der Berufsorientierung sowie in der ersten Arbeitszeit unterstützt. Die Maßnahme verfolgt dabei das Ziel, Wege zu eröffnen, „sich unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes zu erproben, (…) und (Schüler) im Übergang (…) in ein Beschäftigungsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt zu begleiten.

Über drei Jahre hatte ein Team um Erhard Fischer, Professor für Pädagogik bei geistiger Behinderung,  untersucht, wie Menschen mit geistiger Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zurechtkommen.

Foto: Michaela Schneider