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Strahlen für die Gesundheit

Im Siemens MedMuseum in Erlangen können Besucher einen Streifzug durch die Medizintechnik- und Firmengeschichte unternehmen und dabei von außergewöhnlichen Entdeckern, Erfindern und Menschen mit viel Pioniergeist erfahren.


Von Michaela Schneider

Friedrich Siemens plagen im Jahr 1844 schreckliche Zahnschmerzen. Sein älterer Bruder Werner will helfen, greift zu einer seiner Erfindungen, einem so genannten Volta-Induktor. Das Prinzip des Geräts: Mit recht wenig Strom lässt sich starke Spannung erzeugen. Diese leitet Werner von Siemens durch die Zahnwurzeln – und tatsächlich gelingt es zumindest für einen gewissen Zeitraum, die Schmerzen des Bruders zu lindern. Drei Jahre später gründet der Erfinder  gemeinsam mit dem Unternehmer Johann Georg Halske in Berlin die Firma Siemens  & Halske. Sie fertigt unter anderem elektromedizinische Geräte. Heute beschäftigt Siemens Healthcare weltweit rund 43.000 Mitarbeiter. Und die Unternehmensgeschichte ist seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten eng verknüpft mit der Entwicklung der Medizintechnik.


Vom Unternehmensarchiv zum Museumskleinod


Im Siemens MedMuseum in Erlangen können Besucher seit einem Jahr auf 400 Quadratmetern einen Streifzug durch die Medizintechnik- und Firmengeschichte unternehmen. Zu entdecken gibt es unter den rund 300 Objekten zum Beispiel alte und neue Röntgenapparate, Reizstromgeräte oder Magnetresonanztomographen. Multimedial und leicht verständlich  aufbereitet erfahren Besucher, wie sich die verschiedenen Technologien entwickelten. Als spannend erweist sich vor allem auch der Blick auf Entdecker, Erfinder und Menschen mit viel Pioniergeist. Angefangen bei Persönlichkeiten wie Wilhelm Conrad Röntgen bis hin zu dem jungen Assistenzarzt Werner Forßmann (1904 – 1979). Der nämlich hatte, obwohl von allen verlacht und niemandem unterstützt, 1929 heimlich in der Mittagspause die erste Herzkatheteruntersuchung durchgeführt. Bis heute ist das Verfahren in der Kardiologie unverzichtbar.


Ausschlaggebend für die Planung des Museums war laut Bianca Braun, zuständig bei Siemens Healthcare für die historische Kommunikation, die Bereitstellung und Restaurierung der Räumlichkeiten in der historischen Fabrik von 1893 im Erdgeschoss. In die eine Hälfte der Fläche zog 2012 das Unternehmensarchiv mit Magazin und Büros. Nebenan öffnete im Mai 2014 das Museum seine Pforten. Hier können neben Siemenskunden aus aller Welt auch alle anderen Interessierten multimedial erleben, welche Tradition hinter dem Unternehmen steht. Untergebracht ist das Museum im früheren Maschinensaal. Vor rund zehn Jahren hatte Siemens das Gebäude der Stadt Erlangen geschenkt mit der Auflage einer Kulturnutzung. Den Museumsraum in eben diesem Bau mietet Siemens nun wiederum von der Stadt an.      


Wer nun den Ausstellungsraum betritt, sieht sich zunächst drei Büsten gegenüber. Neben dem bereits erwähnten Werner von Siemens (1816 – 1892) lernen Besucher den Mechaniker Max Gebbert (1856 – 1907) kennen als Mitbegründer der Firma Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen sowie den Aschaffenburger Friedrich Dessauer (1881 – 1963). Der baut bereits als Jugendlicher seinen ersten Röntgenapparat. 1901 gründet er das Elektrotechnische Laboratorium Aschaffenburg, später wird es ein Teil der Veifa-Werke.  


Auch die Schattenseiten werden nicht ausgeblendet


Aus den Unternehmen dieser drei Männer entwickelt sich nach verschiedenen Fusionen und Neuordnungen  Siemens Healthcare,  laut Unternehmensangaben weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen und führend in der medizinischen Bildgebung, Labordiagnostik, und bei IT-Lösungen im Gesundheitswesen. Beim Blick auf die Historie werden im Übrigen im Museum auch deren Schattenseiten nicht ausgeblendet – etwa das Thema Zwangssterilisation im Nationalsozialismus.  Auch erinnert die Ausstellung an jene Ärzte, Physiker, Techniker, Laboranten und Krankenschwestern, die durch ihren Einsatz für den medizinischen Fortschritt als Strahlenopfer endeten.


Wie Museumsleiterin Doris-Maria Vittinghoff – die Zielsetzungen des Museums erläutert, werden Objekte und Geräte gesammelt, die zum einen die Medizintechnikgeschichte entscheidend vorantrieben und zum anderen bei Siemens Healthcare oder den Vorläufern des Unternehmens gefertigt wurden. „Wir wollen im Museum, wenn möglich, das jeweils älteste verfügbare System zeigen.“


Einblicke in die umfassenden Technikbereiche liefert im Museum jedoch zunächst einmal ein mehrere Meter großes virtuelles Fenster ins Unternehmensarchiv. Ein zweites virtuelles Fenster dreht sich ums Thema „Siemens Healthcare weltweit“. Generell setzt das Museum übrigens auf Multimedia: Museumsbesucher erhalten am Eingang ein Touchpad, dieses liefert via QR-Codes an Wänden und an einzelnen Stationen Zusatzinformationen und Bildmaterial auf Abruf.


Pfiffige Präsentation


An Hörstationen lässt das Museumsteam Pioniere der Medizintechnik zu Wort kommen. So plaudert zum Beispiel der schwedische Erfinder Rune Elmqvist (1906 – 1996) über die Umstände der ersten Herzschrittmacher-Implantation. Eigentlich steckt er im Jahr 1958 noch mitten in der Forschung, als ihn die Ehefrau des ehemaligen Eishockey-Nationalspielers Arne Larsson regelrecht bekniet, dem Gatten einen Herzschrittmacher zu implantieren. Denn: Bis zu 30 Mal am Tag setzt das Herz des einstigen Sportlers aus, seine Frau muss ihn jedes Mal mit einem Schlag auf die Brust wiederbeleben. In den 43 Jahren nach der ersten Implantation werden Arne Larsson insgesamt 25 Herzschrittmacher eingesetzt. Er kann arbeiten, Sport treiben, Flugreisen unternehmen. Larson stirbt im Jahr 2001 mit 86 Jahren.


Museumsbesucher lernen jedoch nicht nur spannende Persönlichkeiten kennen, sondern erhalten vor allem auch intensive Einblicke in die vielfach rasante Entwicklung der Medizintechnik. Es geht um Röntgenstrahlen und Magnetresonanztomographie, Ultraschall und Radioaktivität, Hörsysteme und Zahnmedizin, um Elektrodiagnostik und -therapie. Alle Techniken sind mit bewusst einfachen Worten erklärt oder werden sogar richtig trickreich veranschaulicht. Unter dem Motto „Sehen, was der Doktor sieht“ liegen an verschiedenen Stationen sogenannte „Forscherfolien“ bereit. Legt man diese über die klinischen Befundbilder auf der Schauwand, werden anatomische oder morphologische Details sichtbar.


Wie rasant sich die Medizintechnik fortentwickelt, lässt sich gut am Beispiel Computertomographie nachvollziehen. Dabei wird der Körper – vereinfacht gesagt - Schicht für Schicht mithilfe von Röntgenstrahlen untersucht, als würde er in hauchdünnen Schichten betrachtet. Während es zu Beginn in den 1970er Jahren sechs Minuten dauerte, um zwei Schichten zu scannen, entstehen heute in weniger als einer Sekunde Hunderte von Bildern, die eine dreidimensionale Rekonstruktion ermöglichen.


Abschließend zudem noch ein Abstecher in die Station „Schattenbilder“, schließlich war die Entdeckung der Röntgenstrahlen einer der wichtigsten Meilensteine der jüngeren Medizingeschichte. Am 8. November 1895 hatte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845 – 1923) die neue Strahlenart entdeckt. Die „X-Strahlen“, wie er sie nannte, konnten Körper und Gegenstände durchdringen und ein dauerhaftes Bild auf einer Fotoplatte erzeugen. Eine Sensation, denn immer schon war es der Traum der Menschheit gewesen, in den menschlichen Körper hineinzuschauen ohne Operation. Röntgen verzichtete auf ein Patent – von Anfang an wollte er seine Entdeckung der Wissenschaft zugänglich machen. Der Beginn einer rasanten Entwicklung in der Medizintechnik.

Im Siemens MedMuseum tauchen Besucher in die Geschichte der Medizintechnik, aber auch des Konzerns selbst ein.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  in „ZeitenRaum“ erschienen.