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Senioren erobern das Internet
Konferenz für interessierte Öffentlichkeit dreht sich
am 17. Juli in Würzburg um „Ältere Menschen in der Mediengesellschaft“


Von Michaela Schneider

Würzburg Senioren erobern längst das Internet – um mit der Familie in Kontakt zu bleiben, um Gleichgesinnte in Sachen Hobbies zu finden oder um den riesigen Online-Wissenspool zu nutzen.   Trotzdem ist rund die Hälfte der Menschen im Ruhestand übers Internet bis dato überhaupt nicht zu erreichen. Um „Ältere Menschen in der Mediengesellschaft“ dreht sich aktuell eine Konferenzreihe der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und macht auch in Unterfranken Station – und zwar am Donnerstag, 17. Juli, in Würzburg. Sie richtet sich an Interessierte jeden Alters mit oder ohne PC- und Internetkenntnisse. Im Vorfeld sprachen wir mit dem 77-jährigen Herbert Schmidt, Initiator des Internetcafes „Von Senioren für Senioren“ in Würzburg und Vorsitzender des Bayerischen SeniorenNetzForums (BSNF). Unter dem Vereinsdach werden Initiativen gebündelt, die ältere Bürger beim Zugang zu den neuen Medien unterstützen.


Braucht ein Senior heute die neuen Medien, um nicht gesellschaftlich ins Abseits zu geraten?

Herbert Schmidt: Meine Gegenfrage lautet: Brauchen wir die Mediengesellschaft insgesamt tatsächlich? Auch darauf werden wir keine allgemeingültige Antwort finden. Fakt ist nur: Der einzige Bereich, in dem ich ohne das Internet tatsächlich nicht auskomme, ist die Umsatzsteuervoranmeldung als Selbstständiger, denn das Finanzamt nimmt hier weder Papier noch bares Geld mehr an. Es akzeptiert allein die Anmeldung über das webbasierte Programm Elster. In allen anderen Lebensbereichen gibt es hierzulande noch Alternativen zum Internet.


Anders gefragt: In welchen Bereichen erleichtern die neuen Medien einem Senior das Leben?

Schmidt: Hier weiß ich aus der Praxis in unserem Internetcafé „Von Senioren für Senioren“, dass die Kommunikation mit der Verwandtschaft für viele ältere Menschen ein ganz wichtiger Punkt ist. Zum Beispiel kam eine Dame zu mir, deren Neffe als Bildreporter in aller Welt unterwegs ist. Telefonieren war ihm zu teuer und so schlug er der Tante vor, eine Emailadresse einzurichten, um in Kontakt zu bleiben. Inzwischen ist sie die einzige Verwandte, die ständig in Sachen Neffe auf dem Laufenden ist. Neben der Kommunikation mit Verwandten geht es den Internetcafé-Gästen vor allem auch um das Thema Internetrecherche und um Bildverwaltung und –bearbeitung.


Wie genau helfen Sie den Gästen im Internetcafé „Von Senioren für Senioren“ weiter?

Schmidt: Lassen Sie mich dafür ein wenig ausholen. 1999 stand ich kurz vor dem Ruhestand und wollte mir eine sinnvolle Tätigkeit suchen. Mit dem Thema Computer hatte ich mich privat seit den 80er Jahren beschäftigt und nutzte das Wissen auch im Berufsleben. Viele Kollegen indes sagten: „Ich schaff`s ohne Computer bis zur Rente.“ Meine Idee war deshalb, ältere Menschen im Umgang mit dem Computer zu unterstützen. Bei der Stadt Würzburg rannte ich damit damals offene Türen ein.  Das war der Beginn, heute arbeiten im Café in einem Raum im Caritas Seniorenzentrum St. Thekla (Ludwigkai 12) zehn ehrenamtliche Ruheständler und wir verbuchen um die 2000 Café-Gäste pro Jahr. Kommen darf, wer mag. Von Anfang an wollten wir bewusst keine Kurse anbieten, sondern die individuellen Probleme der Café-Besucher lösen.


Welche Probleme sind das zum Beispiel?

Schmidt: Ganz unterschiedliche. Zum Teil kommen die Leute mit einem Laptop in Originalverpackung und sagen: Ich will ins Internet, wie geht das? Wir zeigen dann nicht, was man mit einem Laptop alles machen könnte, sondern beantworten individuelle Fragen und lösen die ureigenen Probleme der Besucher. Kurzum: Wir erklären nicht die schwarze Kiste, sondern zeigen, wie`s geht. Wir lassen die einzelnen Schritte dann unter Anleitung selbst nachvollziehen und gemeinsam mit unseren Café-Helfern üben. Auch weisen wir auf mögliche Gefahren hin.


Das Thema Gefahren im Internet ist spannend. Welchen Ratschlag geben Sie den Café-Besuchern?

Schmidt: Ich gebe immer den Rat: Sagt im Zweifelsfall „nein“. Das betrifft nebenbei nicht nur ältere Menschen, sondern letztlich jeden Internetnutzer. Zu oft werden falsche Tatsachen vorgespiegelt, um zum Beispiel auf Pornoseiten zu locken oder den Email-Empfänger dazu zu bringen, Anhänge zu öffnen. Hier gilt: Neugier zügeln und nichts anklicken!


Lassen Sie uns einmal auf das Web 2.0 und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter blicken. Ein Thema für Senioren?

Schmidt: In Sachen Twitter wage ich zu behaupten, dass sie dem ältesten Twitterer Würzburgs gegenüber sitzen. Ich laufe inzwischen auf meinen 5000sten Tweet zu (lacht…).  Generell spielt Twitter aber zumindest hier bei uns im Café kaum eine Rolle. Auf Facebook sind einige wenige unserer Senioren unterwegs. Obwohl das Netzwerk durchaus spannend sein kann. Ein Beispiel: Kürzlich habe ich einem Orchideenfreund gezeigt, was er auf Facebook alles über Orchideen erfahren und wie er Gleichgesinnte finden kann. 14 Tage später hatte er seine eigene Facebookseite. Vielleicht auch noch ein Blick auf die kostenlose IP-Telefonie-Software Skype: Skype ist ein Thema für eine Hand voll Cafébesucher, die Verwandtschaft im Ausland haben. Und noch eine weitere Erfahrung habe ich gemacht auf unserer Internetseite des Seniorenforums: Veröffentlicht wurden hier bisher um die 1000 Artikel, Kommentare haben wir indes nur 200 registriert. Der tiefschürfende Gedankenaustausch im Web 2.0 scheint also für das Gros der Senioren im Netz noch kein allzu großes Thema zu sein.   

Abschließend ein Blick auf die Konferenz „Ältere Menschen in der Mediengesellschaft“. Was erwartet die Besucher?

Schmidt: Auf der Tagung erwartet die Besucher eine ziemlich große Bandbreite an Themen. Zum Beispiel geht es um Alzheimer und die Rolle der neuen Medien, um „Facebook ohne Reue“, ums Tablet oder auch um Perspektiven einer zukünftigen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Ich selbst erkläre in einem Workshop, wie man ältere Menschen an die Nutzung von Computer und Internet heranführt.

Der Artikel  ist unter anderem  Im Main-Echo erschienen.

Herbert Schmidt begründete im Jahr 2000 das Internetcafé „Von Senioren für Senioren“. Es befindet sich heute im Caritas Seniorenzentrum St. Thekla in Würzburg.



Foto: Michaela Schneider

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Infokasten: Über die Regionalkonferenz „Ältere Menschen in der Mediengesellschaft“


Die Konferenz „Ältere Menschen in der Mediengesellschaft“ findet am Donnerstag, 17. Juli von 9.30 Uhr bis 16.15 Uhr im Matthias-Ehrenfried-Haus in Würzburg statt. Auch eine kurzfristige Anmeldung zur Tagung ist noch möglich im Internet unter www.regikon.de oder persönlich bei der Volkshochschule in Würzburg. Individuelle Fragen beantwortet der Veranstalter Marcel Plechaty unter Telefon 0911/5302-96122. Auch das ausführliche Tagungsprogramm ist im Internet unter www.regikon.de einsehbar. Es ist ausgerichtet auf die interessierte Öffentlichkeit jeden Alters wie auch Vertreter aus Bildungseinrichtungen, Verbänden, Politik, Medien, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft.