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Der vergessene Literat
Am 17. Oktober jährt sich der 125. Geburtstag von Max Mohr – Heute kennt
den Schriftsteller und Dramatiker nur noch ein ausgewählter Kreis – Eine Spurensuche


Von Michaela Schneider

Würzburg Max Mohr? Selbst Würzburgern ist der Schriftsteller und Dramatiker heute kaum noch ein Begriff. Dabei verbrachte der Sohn eines jüdischen Malzfabrikanten immerhin fast 20 Jahre seines nur 46 Jahre währenden Lebens in der Bischofsstadt am Main. Seinen ersten großen Erfolg feierte er allerdings erst 1922 mit dem Theaterstück „Improvisationen im Juni“, als er Würzburg bereits verlassen hatte. Am 17. Oktober jährt sich Mohrs Geburtstag zum 125. Mal. In der Abteilung Fränkische Landeskunde im Lesesaal Sondersammlungen der Universitätsbibliothek in Würzburg dreht sich deshalb eine kleine Sonderausstellung um den Literaten. Ausgangspunkt für eine Spurensuche.


Mohr studierte Medizin, diente im Ersten Weltkrieg als Sanitätsunteroffizier und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung zog er mit Frau und Tochter an den Tegernsee, verbrachte einige Zeit in Berlin, unternahm Orientreisen. Bald schon zählte Max Mohr zu den erfolgreichen Autoren der Weimarer Republik und wurde auf allen großen Bühnen gespielt. Zu seinen erfolgreichsten Werken zählte das Schauspiel „Ramper“. Dass er dennoch weitgehend in Vergessenheit geriet, mag auch daran liegen, dass er als jüdischer Literat zunehmend unter politischen Druck geriet und 1934/35 nach Shanghai emigrieren musste. Hier widmete er sich wieder seinem ursprünglichen Beruf und praktizierte als Arzt. 1937 verstarb er dort mit nur 46 Jahren an Herzversagen.


In der Vitrine in der Abteilung Fränkische Landeskunde sind nun neben einem tabellarischen Lebenslauf Mohrs Werke in alten und neuen Ausgaben zu sehen. Wie aber kam die Abteilungsleiterin Eva Pleticha-Geuder überhaupt auf die Idee, sich mit dem (fast) vergessenen Schriftsteller zu beschäftigen? Die Spur führt zu Florian Steger, der seit Mitte des Jahres als Universitätsprofessor und Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Ulm arbeitet. Zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlern, Redakteuren und Webdesignern stellt er schon seit geraumer Zeit auf einer Homepage Max Mohrs Leben und Werk vor (https://maxmohr.uni-halle.de), diese entdeckte Pleticha-Geuder eines Tages.


Und wie kam Professor Steger auf den gebürtigen Würzburger? In einer Münchner Ausstellung war er über Max Mohr „gestolpert“. Dabei ging es um jüdische Ärzte, denen im Nationalsozialismus die Approbation entzogen worden war. Im Folgenden arbeitete Steger Max Mohrs gesamte Korrespondenzen wissenschaftlich auf. Diese sind hochspannend, als sie Mohrs intellektuellen Austausch mit zeitgenössischen Größen der Künstlerszene belegen – von Thomas Mann über Paul Wegener bis Bruno Frank. In dem Roman „Die Freundschaft von Ladiz“ arbeitet Mohr selbst seine Freundschaft zu D.H. Lawrence heraus.


Durchforstet man n Stegers Webseite, stößt man auf Videoszenen aus dem Film „Wolfsgrub“. Hier begibt sich der Regisseur Nicolas Humbert auf die Suche nach seiner eigenen Familiengeschichte, lässt seine Mutter Eva aus der Kindheit und Jugend im nationalsozialistischen Deutschland erzählen. Und: Sie erzählt von ihrem Vater, dem jüdischen Schriftsteller Max Mohr, der die Familie seinerzeit verließ und nach Shanghai ins Exil ging. Denn Regisseur Humbert ist Mohrs Enkel. Bis heute lebt er selbst in der „Wolfsgrub“, jenem Haus, das seine Großeltern einst kauften. Warum den einstmals so bekannten Schriftsteller selbst in seiner Geburtsstadt heute keiner mehr kenne? Auch Humbert kann nur Vermutungen nennen. So verließ Mohr diese wohl bereits zu Studienzeiten und sollte nie mehr zurückkehren. Auch spielt sie in keinem seiner späteren Werke eine Rolle. „Er hatte ein sehr gebrochenes Verhältnis zu seiner Familie. Sie war wohl nicht damit einverstanden, dass er das großbürgerliche Leben als Arzt für die Schriftstellerei aufgeben wollte“, erzählt der Enkel. Von den Nationalsozialisten sollte dann die ganze Familie Mohr in Würzburg ausgelöscht werden, weitere Spuren gingen verloren.


Gleichzeitig scheinen sich – über Würzburg hinaus gedacht – Bühnen heute schwer zu tun mit Max Mohrs schriftstellerischem Vermächtnis, der Enkel spricht von „sehr spätexpressionistischem Theater und einer sehr romantischen Welthaltung“. Trotzdem werde der Großvater, wenn auch in einem kleinen Zirkel, wieder verstärkt wahrgenommen. Werke werden neu aufgelegt, erscheinen als Hörbücher - und auch große Bühnen wie das Residenztheater München unternehmen seit den 90er Jahren Wiederbelebungsversuche.


Und manchmal spielen auch kuriose Zufälle hinein. So steht in der Vitrine in der kleinen Würzburger Sonderausstellung über Max Mohr das Buch „Mohr. A Novel“ des amerikanischen Schriftstellers Frederick Reuss. Der englischsprachige Roman handelt von den Eheleuten Max und Käthe Mohr. Wie es dazu kam? Nicolas Humbert weiß die Antwort: „Dieser Frederik schrieb mich eines Tages an und wollte wissen, ob ich Max Mohrs Enkel bin.“ Er nämlich sei der Enkel von Mohrs Schwester Hedwig – und deren Sohn, Frederiks Vater, sei es gelungen, nach Amerika auszuwandern. „Das war eine wunderbare Familienzusammenführung, heute sind wir wie Brüder“, sagt Nicolas Humbert. Brüder, die nun gemeinsam das Andenken an die Familiengeschichte und an den Schriftsteller und Dramatiker Max Mohr aufrechterhalten.




Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Über die Sonderausstellung


„Max Mohr (1891 - 1937) – Arzt und Literat“ ist die kleine Dauerausstellung der Abteilung Fränkische Landeskunde im Lesesaal Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Würzburg betitelt. Zu sehen ist sie mindestens ein Jahr lang während der Öffnungszeiten des Lesesaals Sondersammlungen: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag zwischen 8.30 und 16 Uhr sowie mittwochs zwischen 8.30 und 18 Uhr.