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Wenn Haare aus den Ohren wachsen
Spessartgrotte in Langenprozelten zeigt mit „Mann über Bord“ eine „musikalische Midlife-Krise“


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Männer in freier Natur, Männer, die Fische überlisten: So was verstehen Frauen nicht, ist  Boris überzeugt, als er sich mit seinen drei Kumpels zum Angeln am Bodensee trifft. Doch geangelt wird da eh kein Fisch. Vielmehr nagt der Zahn der Zeit an den vier Jungs – und da mangelt es nicht an kleinen und größeren, fürs Publikum urkomischen Problemen. „Mann über Bord“ ist  die musikalische Midlife-Krise aus der Feder von Robert und Ulrike Brambeer betitelt. Zu sehen ist sie jetzt in der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten. Gemeinsam Regie führen Astrid Andresen und Markus Wedde. Das Publikum ist begeistert – und lacht stellenweise Tränen.


Die vier Kumpels könnten kaum unterschiedlicher sein. Da ist zunächst Wasserbettenking Boris (Markus Wedde) - arroganter Geschäftsmann, die Natur hassend und älter als der Vater seines jüngsten Seitensprungs. Nerd Martin (Paul Seeger) plagen gegenteilige Sorgen: Er steht beim Ü30-Treff immer noch ungeküsst in der Ecke rum. Familienpapa Bert (Simon Klaas) hat sich von seiner Frau getrennt. Stefan (Manuel Weinmann) entscheidet sich für ein Coming-Out der anderen Art: Er gesteht seinen Kumpels, dass er hetero ist. Und dann sind da noch die vielen anderen Problemchen alternder Männer: Hexenschuss, Prostatauntersuchung, der Job, nicht gelebte Träume, das andere Geschlecht – oder auch „Hormonschwankungen auf zwei Beinen“. Haare wachsen plötzlich aus den Ohren, statt auf dem Kopf. Die Lösung ist singbar: Zur Melodie von „California Dreamin‘“ trällern die Jungs „statt `nem Topfriseur brauch‘  ich nen Udohut!“ und mimen Udo Lindenberg. Die Publikumslacher sind garantiert, weil mancher Frau das kindische Verhalten  des Quartetts ziemlich bekannt vorkommt. Und weil mancher Mann gerne ein „So ist es!“ rufen wollte.


Das Konzept der Boulevardkomödien ist in der Spessartgrotte allbekannt und kommt beim Publikum immer wieder hervorragend an: Man nehme bekannte Lieder vom Oldie bis zum James-Bond-Song, wechsle die englischen durch spaßige deutsche Texte aus, lasse dazu tanzen und packe ein bisschen, doch nicht zu viel Story darum herum, mit der sich das Publikum gut identifizieren kann. Es geht um nicht mehr oder weniger als um einen spaßigen Abend. Trotzdem erlebt man frischen Wind auf der Bühne. Der Witz an sich ist zugegeben schlicht, doch das Regieteam Andresen und Wedde setzt auf sehr pointierte, statt zu ausgeschlachtete Lacheffekte. Die Gags sitzen perfekt, und wirken, obwohl unglaublich albern, nicht überzogen.


Einen ganz wesentlichen Beitrag leistet das Schauspielensemble, das sichtbar Spaß an der Große-Jungs-Party auf der Bühne hat. Manuel Weinmann und Markus Wedde punkten wie gewohnt nicht nur mit Humor, sondern auch mit ihrem Gesang. Simon Klaas in seiner Teddybäroptik lässt einfach knuffig und vielleicht am schönsten das Kind im Manne heraus. Die meisten Sympathien sammelt aber diesmal Paul Seeger ein. Der ist längst Spessartgrotten-Inventar – doch so auf den Leib geschneidert, wie der hypochondrische Nerd Martin, war kaum eine Rolle. Ein begnadeter Sänger ist er nicht – doch der schräge Gesang passt 1a zu dem schrägen Typen im Pullunder, mit zu großer Brille, Bauchtasche, Asthmaspray und hochgezogenen Schultern.


Fürs Bühnenbild zeichnet Andy Hartmann verantwortlich. Im Hintergrund ist eine Seeszenerie zu sehen, links und rechts geht das Foto in Gemälde über. Auf der Bühne selbst genügen ein Bootssteg, ein wenig angedeutete Natur, ein Boot. Die übrige Fläche ist freigehalten für Manuel Weinmanns Choreographien – so komisch-schräg, wie die Komödie selbst.

Tatsächlich ist „Mann über Bord“ eines der albernsten Stücke, das in jüngerer Zeit auf der kleinen Bühne in Langenprozelten zu sehen war. Aber auf eine urkomische, liebeswerte Art. Zu Recht fühlt sich das Publikum gut unterhalten und applaudiert  während der Zugabe-Songs begeistert.


Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen:  5., 11., 12. und 26. März; 3., 9., 22. und 29. April; 6., 15. und 28. Mai; 4. und 17. Juni; 1., 16., 23. und 30. Juli.

Vier Männer rocken den Bootssteg. Von links: Boris (Markus Wedde), Stefan (Manuel Weinmann, Bert „Simon Klaas) und Martin (Paul Seeger).

Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.