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Zwischen den Identitäten
„Muttersprache Mameloschn“ in den Kammerspielen am Mainfranken Theater Würzburg


Von Michaela Schneider

Würzburg Eigentlich haben Klara und ihre Mutter Lin wieder und wieder über ihre Geschichte, ihre Vergangenheit, ihre Herkunft gesprochen. Man meint, alle Worte seien gesprochen. Und doch haben sie ihre Geschichte nicht fertig erzählt. Weil sie selbst zweifeln, hin- und hergerissen sind zwischen ihren Identitäten. Und dann ist da noch Tochter und Enkelin Rahel, die sich jetzt erst aufmacht, um ihre Herkunft zu ergründen, sich selbst zu finden. Nicht von ungefähr hat Autorin Sasha Marianna Salzmann ihrem Drei-Generationen-Stück einen Doppeltitel aus Deutsch und Jiddisch gegeben. Jetzt ist „Muttersprache Mameloschn“ in den Kammerspielen am Mainfranken Theater Würzburg zu sehen. Regie führt die weißrussische Regisseurin Inga Lizengevic.


Zur Handlung: Großmutter Lin (Eva-Maria Keller) ist Auschwitzüberlebende und ging seinerzeit als Kommunistin bewusst in die DDR in der Hoffnung, dass hier eine antifaschistischer Staat entsteht. Die Hoffnung zerbricht, Jüdischsein in der DDR bedeutet für sie bald schon Schmierereien wie „Judensau“ an der Wand schweigend wieder zu überstreichen und weiterzumachen. Clara (Maria Brendel) kann der Mutter die kommunistische Vergangenheit nicht verzeihen – und bewegt sich auch aus Sorge um die eigenen Kinder längst nah am Nervenzusammenbruch, denn Tochter Rahel (Miriam Morgenstern) will aus der heimischen Enge nach Amerika flüchten auf der Suche nach sich selbst. Eigentlicher Ansprechpartner in unzähligen Briefen ist für die Frauen allerdings ein anderer: Davie, der verlorene Sohn und Brüder.

    

Staubflusen umrahmen in der kleinen Kammer das Wohnzimmer, die Einrichtung des engen Wohnraumes wirkt mit Lehnsessel, gemustertem Sofa, Kleiderständer und Piano ähnlich angestaubt (Bühnenbild Annika Wieners). Um auszubrechen aus der Enge, zerschlägt Mutter Klara im Laufe des Stücks die Papierwände – und kehrt doch wieder zurück in ihr kleines Leben. Die Kleidung der Frauen wirkt befremdlich modern im biederen Ambiente, so recht passen sie eben nicht hinein in ihr Leben. Clara trägt ein rotes Etuikleid, Lin einen schwarzen Hosenanzug mit weißer Bluse, Rachel ein ärmelloses Blüschen, Hose und Hosenträger.  


Tatsächlich weiß man als Zuschauer bis zum Schluss nicht so recht: Sieht man Komödie oder sieht man Drama? Die drei Frauen dürsten regelrecht nach jüdischen Witzen, die Dialoge sind gespickt mit Scharfzüngigkeit. Und doch will ihnen kein unbeschwertes Lachen gelingen. Den drei Schauspielerinnen Eva-Maria Keller, Maria Brendel und Miriam Morgenstern gelingt es, dass die Hin- und Hergerissenheit der Figuren zwischen den Identitäten omnipräsent ist. Besonders überzeugt die junge Schauspielerin Morgenstern, die seit dieser Spielzeit Mitglied des Ensembles am Mainfranken Theater ist. Seit Jahren ist sie in verschiedenen Fernsehfilmen und ARD-Serien zu sehen, unter anderem als Leonie Winter in „Das Traumhotel“ und als Hotelierstochter Merle Hofer in „Der Schwarzwaldhof“.


Und nicht nur ihr Würzburg-Debüt glückt mit „Muttersprache Mameloschn“, sondern auch das Debüt von Regisseurin Inga Lizengevic. Sie zeichnet die anspruchsvolle Drei-Generationen-Geschichte einfühlsam, witzig und klug.


Dauer: zirka 90 Minuten (keine Pause); weitere Vorstellungen: 20 Uhr:  03.10./ 05.10./ 12.10./ 23.10./ 29.10./ 06.11./ 09.11./ 16.11./ 02.12./ 10.12./ 17.12./ 28.12. Einführungen jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.