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Geheimnisträger, Lebensspender und Visionär

Die Landesausstellung 2013 des Haus der Bayerischen Geschichte befasst
sich mit dem Main in seinen zahlreichen Facetten – Ausstellungsort ist heuer Schweinfurt

 

von Michaela Schneider
Schweinfurt Ohne ihn gäbe es vermutlich keinen Frankenwein, er gilt als Naturerbe von europäischer Bedeutung und bis heute ist er ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region: der Main. Dass er da ist, scheint für die Bevölkerung so selbstverständlich, dass sich seit rund 80 Jahren keine größere Ausstellung um das Fließgewässer mehr drehte. Das soll sich 2013 ändern: „Main und Meer“ wird die Landesausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad betitelt sein. Veranstalter sind das Haus der Bayerischen Geschichte und die Stadt Schweinfurt. Rund 1,5 Millionen Euro wird der Freistaat in die Hand nehmen, um den Main auf rund 1700 Quadratmetern Ausstellungsfläche als Geheimnisträger und Winzer, Lebensspender und Unheilsbringer, Schiffsführer und Arbeitgeber, Kunstschaffenden und Visionär zu präsentieren.

 

„Das Thema ist überfällig“, sagt Rainhard Riepertinger, Projektleiter der Landesausstellung. Ob Donau, Isar oder Iller – nahezu alle großen Gewässer seien in der jüngeren Vergangenheit schon Ausstellungsthema gewesen. Mit Ausnahme des Mains.  Zuletzt habe es wohl in den 30er Jahren einmal eine Mainausstellung gegeben – wann, wo und mit welchen Inhalten wisse allerdings niemand mehr. Beim Blick auf den jetzigen Titel „Main und Meer“ allerdings stutzt auch der findige Franke: Denn was hat Bayern mit dem Meer zu tun? „Wir wollen bewusst für ein bisschen Verwirrung sorgen und neugierig machen“, sagt Riepertinger. Zwar seien die Bayern kein Volk der Seefahrer, trotzdem sei die Ozeanverbindung intensiver, als man meinen könnte.

 

Ein Beispiel: die Hochseeflottenbegeisterung, die ab 1890 das ganze Kaiserreich inklusive Bayern erfasste. „Kinder trugen zu jener Zeit in München wie in Hamburg Matrosenanzüge“, nennt Riepertinger ein Beispiel. Der Deutsche Flottenverein zählte Anfang des 20. Jahrhunderts allein in Bayern 317 Ortsvereine. Und: Der Vater des U-Boots stammte einst aus dem bayerischen Dillingen. Ein Mann namens Wilhelm Bauer sollte hier einen Brandtaucher entwickeln mit einem Antrieb ähnlich einem großen Hamsterrad. Wie dieses genau funktionierte, können Besucher der Landesausstellung ab Mai anhand eines Modells im Maßstab 1:5 selbst nachempfinden. Und thematisiert werden zum Beispiel auch Südseekapitän Karl Mauer oder Auswanderer, die vom Main aus über die Ozeane in die weite Welt zogen.

 

Aber zurück zum Main – und zu seinen Geheimnissen. Diese werden in der Abteilung Unterwasserarchäologie thematisiert. „Das Objektspektrum reicht hier vom Schwert aus vorchristlicher  Zeit über Einbäume bis hin zum Fahrrad, das vor vielleicht drei oder vier Jahren im Fluss landete“, sagt Riepertinger. Eine Kuriosität: Bei Schonungen befindet sich ein ganzer Fundkomplex, der einst angeschwemmt wurde – von Bierflaschen, aber auch Goldbarren über eine Pistole aus dem 19. Jahrhundert bis hin zur steinzeitlichen Axt. In einem Film wird zu sehen sein, wie’s unter Wasser ausschaut. Zudem geht es um Flussperlenmuscheln und ihre Nutzung in der Kunst, aber zum Beispiel auch als Zahnpulver.

 

„Ohne den Main gäbe es keinen Frankenwein“, betont Riepertinger auf seinem gedanklichen Weg durch die künftige Landesausstellung. Deshalb wird auch gezeigt, wie sich der Wein in der Region entwickelte. Dabei reicht die Erinnerung weit zurück in die Vergangenheit, erstmals urkundlich erwähnt wurde der Weinbau hierzulande nach heutigem Wissensstand im 8. Jahrhundert. In der Ausstellung ist auch der älteste erhaltene Frankenwein – ein Leistenwein aus Würzburg - zu sehen. Der edle Tropfen stammt wohl aus dem Jahr 1540 und ruhte in den Beständen der königlich Bayerischen Hofkellerei in der Residenz in München. König Ludwig III. übergab ihn 1917 dem Weinmuseum Speyer.   

 

 Auch ist der Main „Lebensspender“, hierum wird sich laut Riepertinger ein ganz zentraler Ausstellungsbereich drehen. Welche Tiere im Main leben, erfährt der Besucher dabei unter anderem an einem virtuellen Fenster in den Fluss. Drückt  er auf einen Fisch, „schwimmt“ das digitale Tier ans Fenster  und erzählt vom Leben seiner Artgenossen im Fluss oder von Schwierigkeiten, die etwa Stauwehre mit sich bringen. Manchen Gast wird dabei erstaunen: Auch ein Piranha wird sich hinter dem Glas tummeln. „Die gibt es zwar im Main bisher nicht, aber zum Beispiel bereits in der Ruhr, weil ihre Besitzer sie aus Aquarien ausgesetzt haben“, so der Projektleiter der Landesausstellung. Wirbellose Tiere wie ein Höckerflohkrebs können unterm Binokular und in überdimensionalen Modellen begutachtet werden. Auch geht die Ausstellung der Frage nach, welche Bedeutung Wasser für den Menschen hat. Unter anderem kann getestet werden, wie hoch der eigene Trinkwasserverbrauch im Durchschnittsvergleich ist. Und der „versteckte Wasserverbrauch“ im Alltag wird veranschaulicht. „Um eine einzige Jeans herzustellen, braucht man 11000 Liter Wasser“, nennt Riepertinger ein Beispiel.

 

Doch spendet Wasser nicht nur Leben, sondern wird immer wieder auch zum Unheilsbringer. Besonders verheerende Hochwasser wüteten am Main in den Jahren 1784 und 1909. Anhand eines interaktiven Modells erleben die Ausstellungbesucher wie ein Jahrhunderthochwasser mit und ohne entsprechenden Hochwasserschutz verlaufen würde. Wie Riepertinger beschreibt, werden hier mittels Beamer Wassermassen virtuell über ein Reliefmodell geschickt werden. Ein weiterer Bereich befasst sich ferner mit dem Fluss als Schauplatz von Verbrechen und Unglücksfällen wie etwa dem Fährunglück bei Miltenberg im Jahr 1814.

 

Doch zurück zu den weniger dramatischen Flussthemen. Auch typische Berufe am fließenden Gewässer werden aufgegriffen – und zwar exemplarisch die Arbeit des Fischers, des Sandschöpfers des Flößers, des Schiffsmüllers, des Gerbers, des Kranenknechts und des Schiffsführers.  Es gebe heute noch etwa 300 Mainfischer in Bayern, die meisten von ihnen im Nebenerwerb, sagt Riepertinger. Berufsfischer im Vollerwerb sind nur noch wenige übrig geblieben. Ein Service für die Ausstellungsbesucher: Karten mit Fischrezepten zum Mitnehmen. Unternehmen, die im Main Sand schöpfen, gibt es heute nur noch eine Handvoll, die Handwerke des Flößers, Schiffsmüllers, Gerbers und Krankenknechts sind ganz ausgestorben. Besonders anschaulich kann in der Landesausstellung die Arbeit des Kranenknechts nachempfunden werden. Die Kranen am Main wurden einst mittels Laufrädern bewegt. Eigens wurde deshalb ein Laufrad nachgebaut, das die Besucher selbst ausprobieren können, um eine Last zu heben. Ein Beruf, der überlebt hat, ist indes der des Schiffsführers. Vor allem hat die Zahl der Flusskreuzfahrtsschiffe zugenommen: 2011 passierten fast 1000 Kabinenschiffe die Schleuse Kostheim.

 

Und auch in der Kunst finden sich Mainmotive wieder. „Er wurde über alle Epochen gemalt und dargestellt“, sagt Riepertinger und verweist unter anderem auf den Landschaftsmaler Otto Modersohn (1865 – 1943), der sich oft in Wertheim aufhielt und verschiedene Stimmungen am Wasser festhielt.

 

Abschließend wird auch der Blick in die Zukunft nicht fehlen. „Werden Kriege in Zukunft nicht ums Öl, sondern ums Wasser geführt werden?“, stellt Riepertinger als Frage in den Raum. Daten werden derzeit noch erarbeitet zur Klimaentwicklung am Main bis ins Jahr 2035. Und auch eine Vision, die eigentlich schon Gegenwart ist, spielt eine Rolle. So hat das Unternehmen Siemens eine Möglichkeit entwickelt, per Membrantechnologie aus Abwasser Trinkwasser herzustellen. Seit 2011 gibt es in Singapur vier Anlagen, die zusammen 520 Millionen Liter Wasser produzieren. Dieses „New Water“ gibt es in Singapur in Flaschen abgefüllt als Trinkwasser bereits zu kaufen. Vielleicht eine Technik, die bald auch in Bayern Einzug halten wird?

Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Blick auf den Main von der Würzburger Festung aus.

Foto: Michaela Schneider

Infokasten: Über die Landesausstellung

 

Die Bayerische Landesausstellung 2013 „Main und Meer“ in der Kunsthalle Schweinfurt, Rüfferstraße 4, wird vom 9. Mai bis zum 13. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein. Veranstalter sind das Haus der Bayerischen Geschichte und die Stadt Schweinfurt. Gefördert wird die Ausstellung vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.