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„Sonne in der Nacht“ scheint für Fans auch im Regen
Konzert
Peter Maffays Deutschrock trifft in Würzburg auf barocke
Residenzkulisse – 9000 Fans lassen sich vom miesen Wetter die Laune nicht verderben

 

Von Michaela Schneider

Würzburg „Und es war Sommer, das erste Mal im Regen“: Als Peter Maffay auf dem Würzburger Residenzplatz bei seiner Extratour 2013“ in den Himmel blickt, rutscht ihm bei seinem Klassiker der leicht veränderte Refrain heraus. Drei Stunden singt er, drei Stunden trifft Deutschrock auf Barock, drei Stunden regnet es am Stück. Die rund 9000 Fans harren tapfer aus, fordern Zugaben und bejubeln die Rocklegende, seine Band und Special Guest, Soulstar Laith al-Deen.

 

Als es losgeht mit dem Song „Das Paradies ist nur gelieh’n“, strömen die Zuschauer vor die Bühne - und werden erst mal vom Security-Personal zurück auf die Sitzplätze geschickt. Maffay hält davon gar nichts, er will Stimmung sehen. Nach ein paar Takten unterbricht er und ruft: „Lasst die Leute nach vorn kommen.“ Sitzen bleibt jetzt fast keiner mehr, die Bestuhlung ist an dem Abend auf dem Residenzplatz nutzlos. Es wird getanzt, mitgesungen, geklatscht und gerockt. Und das ist gut so, mit Regencapes und dicken Jacken ausgerüstet lässt sich hier kaum einer die Laune verderben.

 

Auch Maffay nicht, der diesmal mit schwarzem Schal leicht angeschlagen auf der Bühne steht. Die näselnd-rauchige Stimme wird im Laufe des Abends noch rauchiger. Stören tut’s nicht, sondern macht manche laute Nummer eher ein bisschen härter. Maffay singt Unbekannteres wie „Bring mich nach Hause“ vom 2000er Album „X“; er lässt es richtig wild rocken in Hits wie „Niemals wird es besser“; und ja, er beherrscht auch die poetisch-ruhigen Töne, für die ihn seine Fans lieben: „Verlier sie nicht“, fordert er auf, „Das geht tief“ schmust er auf der Bühne. Und auch ganz Neues ist mit dem Titel „Das kannst nur Du“ zu hören, der auf dem nächsten Album 2014 erscheinen soll.

 

Klar, auch die ganz großen Klassiker fehlen nicht: Als „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ ertönt und fast 9000 Menschen mitsingen, holt sich Maffay mit Laith al-Deen Verstärkung auf die Bühne. Der Soulsänger liefert mit drei eigenen Songs eingängigen Gefühlspop: seine Erfolge „Leb den Tag“ und „Dein Lied“ und mit „Das kannst nur Du“ einen neuen Song“. Er ist gut und ein faires Publikum bejubelt auch ihn. Die Stimmung zieht aber merklich an, als Maffay auf die  Bühne zurückkehrt. Den gefühlvollsten Moment des Abends liefern übrigens weder Peter Maffay noch Laith al-Deen ab, sondern Band-Pianist Pascal Kravetz mit seiner Solo vorgetragenen John-Hiatt-Ballade „Have a little faith in me“.

 

Im Publikum tummeln sich etliche Fans, die Rocklegende Maffay seit Jahrzehnten begleiten – 1970 kam sein erstes Album heraus, vom Schlagersänger wandelte sich der heute 63-jährige  im Laufe der Zeit zum Rockstar, seit 1979 erreichten seine gesamten Studioalben mindestens die Top Ten. Doch auch jüngere Fans sind da, kennen jeden Titel auswendig. Dass die Aussteuerung nicht optimal gelingt und bei den lauteren Nummern Liedtexte kaum mehr zu verstehen sind, ist daher nicht dramatisch.

 

Wahrscheinlich ist es vor allem Maffays ehrliches Auftreten, das begeistert: Der gebürtige Siebenbürger mit dem charmanten Akzent braucht keine große Show, keine Tänzer, keine aufwändige Kulisse. Er tritt auf, wie er nun einmal ist - mit Lederklamotten,  Tattoos und Silberschmuck. Er macht mit einer großartigen Band (unter anderem dabei: Gitarristengröße Carl Carlton) ehrlichen, unverfälschten Rock und hat Spaß auf der Bühne. Er hat Botschaften, die er mit Musik, guten Texten und positiver Haltung vermittelt. Und er ist  sogar so ehrlich, dass er zugibt, vom Teleprompter abzulesen: Texte habe er sich noch nie merken können – nicht mal seine eigenen. Auswendig könne er einzig Hein-Erhardt-Gedichte.

 

Maffay hat sich für seine Open-Air-Tour 2013 ganz besondere Spielorte ausgewählt, spielt unter anderem im oberbayerischen Tüssling im Schlosspark, auf der Festwiese in Bayreuth – und eben auf dem Residenzplatz in Würzburg. „Was für ein schöner Platz, was für ein mieses Wetter“, bringt er die Atmosphäre des Abends auf den Punkt. Dass die Stadt den fürstbischöflichen Barock an einem solchen Abend nicht ansprechender beleuchtet, ist  fast so schade wie das Regenwetter. Als letztes Lied vor den Zugaben greift der Deutschrocker noch einmal tief in die Klassikerkiste. Für die am Ende tropfnassen Fans hat sie auf Würzburgs Residenzplatz nämlich irgendwie doch geschienen: die „Sonne in der Nacht“.

 

Der Artikel  ist im Main-Echo erschienen.