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Loyal bis nach Ludwigs Tod

Geschichte Gustav Graf zu Castell-Castell war Obersthofmeister am Hof des Märchenkönigs

 

Von Michaela Schneider

 

Dettelbach Als man in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1886 König Ludwig II. in Hohenschwangau seine Entmündigung mitteilte und ihn festsetzte, war einer nicht dabei: der höchste Beamte am Hof, Obersthofmeister Gustav Graf zu Castell-Castell (1829 – 1919). Dabei hätte der Franke der Kommission eigentlich angehören sollen. Doch berief er sich auf seinen Treueschwur und willigte „auf diese Art der Gefangennehmung“ nicht ein. Über seinen loyalen Vorfahr sprach jetzt der Unterfranke Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen im Cineworld-Kino in Dettelbach. Anschließend sah er sich  im Rahmen des „Filmcafés“ selbst das Historiendrama „Ludwig II“ um den Märchenkönig an, das seit Ende Dezember über die Kinoleinwände flimmert. „Ein sehr guter Film, ich bin positiv überrascht“, so die anschließende Einschätzung des Grafen. Dabei weiß der Fotograf, Journalist und Gastronom aus Rüdenhausen, wovon er spricht:  Zum 125. Todestags des Königs ist 2011 der Bildband „Ludwig II. Auf den Spuren des Märchenkönigs“ erschienen. Herausgeber ist Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen.

 

Die Idee zu dem Werk ging damals vom Helmut Lingen Verlag aus – Karl Graf nahm sie zum Anlass, zusammen mit seinem Cousin Jesko Graf zu Dohna aus der Linie Castell-Castell, Leiter des Fürstlich Castellschen Archivs, in der Familiengeschichte zu forschen. Denn viel wusste man bis dato nicht über „Onkel Gustl“, wie der Ahn im Familienkreis genannt wird. Als Quelle dienten den Cousins dabei vor allem die zahlreichen Briefe des Obersthofmeisters.

 

Im Vorfeld der Recherchen hatte Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen vor allem auch gehofft, mehr über den bis heute ungeklärten Tod des Königs im Starnberger See herauszufinden. Denn: Graf Gustav war am 15. Juni 1886 – neben Baron Crailsheim und zahlreichen Ärzten - bei der Obduktion des königlichen Leichnams  in der Residenz dabei. „Aber Onkel Gustl war bis über den Tod des Königs hinaus loyal“, sagt Graf Karl. Und auch, falls er wusste, was am Starnberger See geschehen war: Der Obersthofmeister schwieg. Mit seiner Königstreue riskierte Graf Gustav seine Karriere. Er rechnete damit, nach der Absetzung des Königs aus dem Hofdienst entlassen zu werden, weil er das Komplott gegen den Monarchen nicht mittrug. Doch das Gegenteil war der Fall: Unter Prinzregent Luitpold durfte der Adelige noch bis 1908 weiter am Hofe dienen – dann verabschiedete ihn dieser nach 60 Jahren im Dienste der Monarchie mit allen Ehren in den Ruhestand.

 

Wie aber hatte der Graf aus dem Fränkischen in jungen Jahren die hohe Stellung am Hof in München überhaupt erhalten? „Onkel Gustl war beim Militär, schon unter König Max II. war er einige Jahre Ordonanzoffizier gewesen“, sagt Graf Karl. Nach dessen Tod bestieg dann 1864 der junge Ludwig den Königsthron – bereits ein Jahr später ernannte er Gustav Graf zu Castell-Castell  zunächst zum Oberhofmeister. Dabei leitete dieser de facto schon mit Dienstantritt den gesamten Obersthofmeisterstab, denn Obersthofmeister Cajetan Graf von und zu Sandizell war 1863 verstorben. Offiziell in das höchste Beamtenamt am Hofe befördert wurde der fränkische Graf 1867.

 

Sein Aufgabengebiet war dabei riesig: Ihm unterstanden sämtliche Beamte, Palastdamen, der ganze katholische Hofklerus, die Leibgarde, der königliche Hausschatz, die Leibärzte, Leibchirurgen und die Hofapotheke. Seine Hautaufgabe bestand jedoch darin, die bayerischen Königsschlösser, Villen und Jagdhäuser inklusive der Residenz in München zu beaufsichtigen. Und so waren mit dem Amt zahlreiche Dienstreisen verbunden.  1869 heiratete Graf Gustav Elisabeth Gräfin von Brühl, mit ihren späteren drei Kindern lebten die beiden in einer Dienstwohnung im Wittelsbacher Palais, nach Ludwigs Tod zog die Familie in eine Wohnung in der Residenz.

 

Spannend am Briefverkehr des Grafen ist: Der Umgang mit dem König wurde in späteren Jahren für die Hofbeamten wohl zunehmend schwieriger, mehrfach dachte Graf Gustav daran, um Entlassung zu bitten. Je menschenscheuer der König wurde, umso mehr Repräsentationspflichten musste der erste Obersthofmeister ausüben – etwa den Hofball geben oder am Gründonnerstag an des Königs statt die symbolische Fußwaschung zwölf armer Männer übernehmen. Wie aus den Recherchen  von Jesko Graf zu Dohna auch hervorging, wollte der Schah von Persien auf einer Besuchsreise in München in seinem Zimmer in der Residenz einen Hammel schlachten. Keine leichte Aufgabe für den Obersthofmeister, schließlich sollten Möbel und Teppiche in der Gästeunterkunft keinen Schaden nehmen.

 

Doch nicht nur mit seinem Vorfahr, sondern natürlich auch mit König Ludwig II. selbst hat sich Graf Karl während seiner Arbeiten an dem Bildband „Ludwig II. Auf den Spuren des Märchenkönigs“ beschäftigt. Dabei habe ihn vor allem überrascht, dass Ludwig wohl wesentlich mehr von Politik verstand, als man ihm heute weithin zugesteht. Während seiner großen Frankenreise im Jahr 1866 etwa sagte der König fast alle Abendveranstaltungen ab und besuchte stattdessen verschiedene Kriegsfriedhöfe - die Kriegsgräuel nach dem deutsch-deutschen Krieg nahmen den jungen, friedliebenden König extrem mit. In der Kinoverfilmung „Ludwig II“ komme ihm die politische Seite des Monarchen ein wenig zu kurz, erzählt Karl Graf von Castell-Rüdenhausen nach dem Film. Insgesamt aber habe ihm das Drama um den König sehr gut gefallen – vor allem auch mit Blick auf die schauspielerische Leistung. Sabin Tambrea als junger König habe den sensiblen, jungen Mann hervorragend verkörpert.

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Ein Vorfahr von Karl Graf Castell-Rüdenhausen war als Obersthofmeister der höchste Beamte am Hof des bayerischen Königs Ludwig II..

Foto: Michaela Schneider

Infokasten: Über den Film „Ludwig II“ und Graf Karls Bildband

 

Das Historiendrama „Ludwig II“ unter der Regie von Peter Sehr und Marie Noelle läuft seit 26. Dezember in den deutschen Kinos. Es zeigt den König in vielen Facetten, mal schillernde, mal zerrissene Persönlichkeit. Ludwig als hochbegabte Künstlerseele, als missverstandener Pazifist, als Mann, der seine Homosexualität unterdrücken muss, und als zunehmender Exzentriker bis hin zur geistigen Umnachtung. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Bayern – München, Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und Herrenchiemsee – wie auch in Wien und Tirol. Wer sich über den Film hinaus für den Märchenkönig interessiert, wird in dem Bildband „Ludwig II. Auf den Spuren des Märchenkönigs“ umfassendes Bildmaterial und viel Sachinformation finden. Ein Kapitel widmet Herausgeber Karl Graf Castell-Rüdenhausen seinem Vorfahr Graf Gustav, Autor ist Jesko Graf zu Dohna. Erschienen ist das Buch 2011 im Helmut Lingen Verlag, ISBN 978-3-941118-98-0.