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„Sehenden Auges in die Katastrophe“
  Informatik-Professor Bernd Breutmann hat ein Buch über Schottland, Shakespeare und den historischen Macbeth geschrieben – Und der war wohl weniger blutrünstig, als im Drama beschrieben


Von Michaela Schneider

Höchberg Schottland, Shakespeare, Macbeth: Auf den ersten Blick haben die drei Begriffe viel miteinander, doch nichts mit Informatik zu tun. Umso erstaunlicher, dass nun gerade Bernd Breutmann aus dem unterfränkischen Höchberg ein Buch mit dem gleichnamigen Titel veröffentlicht hat. Bis zu seiner Pensionierung lehrte der 66-Jährige nämlich als Professor der Informatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und war dort unter anderem Dekan und Vizepräsident. Wie es dazu kam, dass er sich nun mit Literatur, schottischer Geschichte und der Schriftstellerei  beschäftigt, erzählt er im Interview.


Wie sind Sie als Informatiker auf Shakespeare gekommen?

Bernd Breutmann: Das ist lange her, tatsächlich war ich schon zu Schulzeiten nicht nur an Mathe und Physik, sondern auch an Deutsch und Literatur sehr interessiert. . Ich hatte tolle Lehrer – und die haben meine Begeisterung für Shakespeare, seine Sprachgewalt geweckt. Sein Spiel mit der Rhetorik, mit Worten, Metaphern und Zeitbezügen ist mir damals schon in die Glieder gefahren. Gleichzeitig fand ich die Informatik unglaublich spannend, denn als ich 1971 zu studieren begann, war sie etwas völlig Neues.

Aber gemeinsam haben Shakespeare und die Informatik eigentlich nichts…

Breutmann: Ich finde schon… Klar, auf den ersten Blick ist Informatik eine mathematisch orientierte Wissenschaft. Andererseits geht es aber doch auch um Kommunikation, um Information, wie schon der Name sagt. Geht man dem Wesen der  Information auf den Grund,  ist man den Sprach- und Geisteswissenschaften wieder sehr nah.


Und warum interessieren Sie sich vor allem für Macbeth?

Breutmann: Mit Macbeth kam ich 1971 in Kontakt durch die Polanski-Verfilmung. Ich war damals fasziniert von seinem Ansatz, Shakespeares Drama in eine authentische Szenerie, nämlich das archaische Schottland, einzubinden. Ein historischer Aspekt im Film stimmt übrigens nicht, denn die gewaltigen Burgen aus Stein gab es zu Macbeth‘ Lebzeiten vor rund 1000 Jahren noch nicht, diese kamen erst 150 Jahre später mit den Normannen nach Schottland. Die Geschichte um Macbeth ermöglicht einen tiefen Einstieg in unsere Frühgeschichte, zeigt wie Gesellschaften, wie der Adel entstanden. Inhaltlich fasziniert mich an Shakespeares Macbeth, dass der Protagonist sehenden Auges in die Katastrophe rennt. Das ist etwas,  wobei sich jeder schon einmal selbst ertappt hat. Auch der amerikanische Präsident Abraham Lincoln fühlte sich der Shakespeare-Figur übrigens sehr verbunden, weil er immer wieder die ethisch falschen Entscheidungen treffen musste. Zudem ist der Umgang mit der Schuldfrage spannend, ein uraltes Menschheitsthema. Wie gehen wir mit Versuchungen um und wie  tragen oder ertragen wir die Folgen schuldhaften Handelns?

Bei aller Faszination schreibt man trotzdem nicht gleich ein Buch. Wie kam es dazu?

Breutmann: Meine Tochter ist mit einem Schotten verheiratet, von den beiden bekam ich das Buch „On the Trail oft the real Macbeth“ geschenkt. Erstmals wurde mir klar, dass Shakespeares Macbeth nicht der historischen Figur entspricht. Und noch etwas habe ich bemerkt, als ich mich dann mit meiner Frau direkt in Schottland auf Macbeth‘ Spur begab: Viele Schotten kennen das Drama und die historische Figur Macbeth nicht. Selbst in den Tourismus-Ämtern konnte man mir etliche Whisky-Destillerien nennen, aber nichts über MacBeth Wirkstätten erzählen. Erst mit der britischen Macbeth-Verfilmung von Justin Kurzel im Herbst 2015 scheint sich das zu ändern.


Allerdings gibt es durchaus Literatur über Macbeth. Was ist das Neue an Ihrem Buch?

Breutmann: Das Buch erzählt schottische Geschichte aus der besonderen Perspektive des historischen Macbeth und der Entwicklung seines Mythos bis zu Shakespeare.Der bezog seine Informationen vor allem aus den damals populären Aufzeichnungen von Raphael Holinshed, einem Chronisten des 16. Jahrhunderts. Ich habe weiter in die Vergangenheit geforscht und erzähle in meinem Buch, dass und wie und warum die Chronisten wie auch Shakespeare im Laufe der Jahrhundert das Bild des historischen Macbeth beeinflusst und entstellt haben.  

Und wer war die historische Figur Macbeth tatsächlich?

Breutmann: Die meisten zeitgenössischen  Informationen stammen aus  angelsächsischen und irischen Quellen. Ihnen zufolge wurde Macbeth etwa um 1005 nach Christus geboren. Sein Vater wurde von einem Neffen ermordet, das war damals ein nicht unübliches Mittel, um Machtansprüche durchzusetzen. Dann floh Macbeth wohl an den Hof des Großvaters, hier traf er Knut den Großen. In einem Eintrag wird Macbeth in dem Zusammenhang als König bezeichnet. Aus Rache brachte er den Mörder seines Vaters um und heiratete dessen Frau Grouch. Dass sie namentlich erwähnt wird, deutet auf königlichen Ursprung hin. Wie bei Shakespeare brachte Macbeth auch den König Duncan um, allerdings weder als Gast auf dessen Schloss noch heimtückisch, sondern als er sich während eines Angriffs auf sein eigenes Land verteidigte.  Das Erstaunliche ist: Anders als bei Shakespeare taucht Macbeth in den zeitgenössischen Quellen nirgends als Aggressor  oder blutrünstig auf. Und was wollte Shakespeare? Ihm ging es weniger  um die historische Wahrheit, er wollte ein gutes Drama schreiben, für sein Publikum und für seinen König.


Breutmann, Bernd: Schottland. Shakespeare, MacBeth. Geschichte anders erzählt, Königshausen & Neumann Würzburg 2016, ISBN 978-3-8260-5900-1

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Hat sich mit Schottland, Shakespeare und Macbeth beschäftigt: der Würzburger Informatik-Professor Bernd Breutmann.


Foto: Michaela Schneider