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MacBeth im Mord-Labyrinth

Oper Stephan Suschke inszeniert Verdi-Oper
opulent und ansprechend – Bravorufe für Tenor Adam Kim

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Als die letzten Klänge von MacBeths Arie „Pietà, rispetto, amore“ verklingen, ist es nur den Bruchteil einer Sekunde still – dann ertönen Bravorufe im Publikum. Nicht nur vereinzelt. Adam Kim meistert die gesanglich anspruchsvolle Partie herausragend. Doch gelten die Bravorufe in dem Moment wohl nicht allein ihm. Ästhetisch-schöne, intelligente Bühnenbilder, tobende Gefühle im Orchestergraben, fulminante Chorauftritte  und vor allem mit Karen Leiber als Lady Macbeth und Yong Bae Shin als schottischem Edelmann Macduff weitere herausragend besetzt Charaktere machen den Premierenbesuch im Würzburger Mainfrankentheater schon zuvor zum echten Opernerlebnis. Giuseppe Verdis „MacBeth“ in der Inszenierung des künftigen Schauspielleiters Stephan Suschke dürfte in der Spielsaison 2012/13 zum echten Spielerfolg werden.

 

Um Machtspiele geht es den Winter über am Mainfrankentheater – da könnte kaum ein anderes Thema besser passen, als William Shakespeares Melodram: Getrieben von seiner Ehefrau Lady Macbeth räumt der Anführer des königlichen Heers all jene aus dem Weg, die ihm auf der Mordtour zum schottischen Thron in die Quere kommen – er geht im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen. Und wird am Ende selbst zum Opfer seiner skrupellosen Machtgier. Wie zeitlos die Thematik letztlich ist, zeigt sich auf der Bühne an den Kostümen: Hier hat Angelika Rieck sich nicht an historischen Vorlagen des 12. Jahrhunderts orientiert, sondern kleidet das Bühnenteam ein bisschen schottisch, ein wenig adelig – aber vor allem angenehm klassisch-zeitlos. Nur die Hexen springen als Freudenmädchen alla Moulin Rouge über die Bühne und sollen menschliche, unausgesprochene Begierden versinnbildlichen.

 

Verdi vertonte die literarische Shakespeare Vorlage gleich zweifach, in Würzburg ist die zweite, wunderbar emotionale Fassung aus dem Jahr 1865 zu hören. Sie gilt als düsterer, wuchtiger und intensiver – und so setzt musikalischer Leiter Enrico Calesso mit seinem philharmonischen Orchester auf eine opulente Präsentation, die ausreichend Raum auch für die feinen, leisen Klangbilder lässt. Beeindruckend: die Szenen mit Opernchor und Extrachor – mehr Dramatik geht kaum. Lediglich beim Hexenchor fehlt es bei der Premiere anfangs ein wenig an Präzision und vor allem an Volumen.    

 

Maßgeblichen Anteil am Premierenerfolg hat Bühnenbildner Momme Röhrbein: Er erschafft ein labyrinthartiges Gebäude aus vergilbten Fenstern, Wänden und Säulen, Stufen und Gittern. Es nimmt die komplette Bühne ein und dreht sich immer weiter. Ständig erscheinen neue Winkel und bieten verborgenen, unheimlichen Raum für weitere Verbrechen. Das Auf und Ab der Protagonisten versinnbildlicht ihr Spiel auf den Treppen. Ihr Übriges zum Krimicharakter tragen Licht und Effekte bei: Da ermordet MacBeth König Duncan alle Hitchcock hinter verborgenen Vorhanglaken, dabei spritzt ein ganzer Schwall Blut auf das Weiß. Schön klassisch: das Schlachtengetummel unter Gewitter- und Gewehrblitzen. Mal ist das Bühnenlabyrinth während der drei Stunden in düsteres Nachtblau getaucht, mal durchflutet künstliches Sonnenlicht die Durchgänge. Ästhetisch besonders ansprechend: eine Winterszenerie an der Grenze zwischen England und Schottland mit Kunstschneeflocken, einem gebeutelten Volk und sichtbar klirrender Kälte.

 

Nicht allein als Sopranistin, sondern auch durch extrem ausdrucksstarkes Schauspiel zeichnet sich Karen Leiber in der Rolle der machtgierigen Lady Macbeth aus, die am Ende von ihren eigenen Verbrechen überrollt wird und dem Wahnsinn verfällt: erst sexy verführend sowie durch und durch skrupellos, dann gebrochen an der eigenen Boshaftigkeit. Musikalisch ist die Rolle der Lady MacBeth eine Herausforderung – gehen ihre vier Hauptlieder stilistisch doch weit auseinander. Karen Leiber gelingt die sangliche Wanderung durch die Verdi-Oper hervorragend. Dass ihr in den Höhen vielleicht ein kleiner Schwung Leichtigkeit fehlt, passt in die Rolle und betont noch das Dramatische. Nach der Pause tritt Adam Kim als MacBeth stärker in den Vordergrund, ein Theaterbesuch lohnt schon allein, um seine Arie „Pietà, rispetto, amore“ zu hören. Ein weiteres, herausragendes klangliches Schmankerl: Yong Bae Shin, der als MacDuff im tiefen Schmerz den Tod von Frau und Kindern beweint. Und auch die übrigen Ensemblemitglieder der Kammeroper – unter anderem Vazgen Ghazaryan als Banco und Barbara Schöller als Hexe – liefern eine runde, ansprechende Leistung ab.

 

Kurzum: Das MacBeth-Gesamtpaket in der Inszenierung von Stephan Suschke stimmt, den lang anhaltenden Premierenapplaus hat sich das Ensemble allemal verdient.

 

 

 

Infokasten: Der Bau der MAGIC-Teleskope

 

Um die 150 Astronomen und Physiker waren am Bau des ersten Magic-Teleskops beteiligt, 2003 wurde es fertiggestellt. „Fast alles ist in Eigenarbeit geschehen“, betont der Würzburger Astronomieprofessor Karl Mannheim, veranschaulicht: „Studenten haben die Teleskope selbst mitaufgebaut, Kabel gezogen und die Software zum Laufen gebracht.“ Aus Würzburg stammte dabei unter anderem die komplette Antriebstechnik – und die hat es in sich, denn: Um die 60 Tonnen wiegt ein einzelnes Teleskop, das sich innerhalb von 20 Sekunden auf jeden beliebigen Punkt ausrichten lässt. Auch viele der Fotosensoren und die Software für die Analyse und die Bildgebung kommen aus Unterfranken. 2009 folgte das Zwillingsteleskop, Ende 2011 ein kleineres, drittes Teleskop mit neuer Technik. Zwölf Teams sind derzeit am Projekt MAGIC auf La Palma beteiligt. Um die 13 Publikationen pro Jahr resultieren aus deren Beobachtung des Universums. Rund fünf Millionen Euro sind in Bau und Weiterentwicklung der Magic-Teleskope bislang geflossen, gefördert wird die Arbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.

Letzte Handarbeiten am optischen Teleskop in Hettstadt. Im Bild (von links) Christian Lorey (Friedrich-Koenig-Gymnasium), Dominik Elsässer, Ralf Mündlein.  Das Bild ist kurz vor der Einweihung dieses Jahr im Januar entstanden.       

 Archiv-Foto: Elsässer

Nächste Termine im  Mainfrankentheater:

 

jeweils um 19.30 Uhr: 21.10./ 27.10./ 31.10./ 06.11./ 11.11./ 21.11./ 02.12./ 14.12./ 27.12./ 10.01./ 20.01./ 01.02.; Aufführung um 15 Uhr: 03.02.2013

 

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.