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Benediktiergerät und eine gestrandete Kirche
Ökumenische Ausstellung „Luther reicht nicht“ im Kiliansdom in Würzburg eröffnet
unterschiedliche sinnliche und ästhetische Zugänge zu Reformation, Erneuerung und  Religion im Allgemeinen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Ja, das Plakat vor dem Würzburger Dom verwirrt, manch einen ärgert oder provoziert es gar. Unter dem Titel „Luther reicht nicht“ kündigt es eine Ausstellung im Kreuzgang des katholischen Gotteshauses in Unterfranken an. Was erst zwischen den 30 Kunstwerken klar wird: „Luther reicht nicht“ ist keineswegs als Seitenhieb auf die evangelische Kirche gedacht. In einem Wettbewerb hatte der evangelische Arbeitskreis Kirche Kunst Unterfranken 500 Künstler aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen, sich mit dem Thema ständige Reformation auseinanderzusetzen. Ins Ausstellungsboot geholt hatte der Arbeitskreis den katholischen Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, Leiter des Kunstreferats der Diözese  Würzburg.  So kam es, dass die von evangelischer Seite initiierte Ausstellung nun bis zum 11. November im Kreuzgang des katholischen Kiliansdoms zu sehen ist.


Hier dürfte sie für zusätzliche Verwirrung sorgen, denn die Kunstwerke eröffnen einen durchaus kritischen Blick aufs Thema Kirche. „Segnungsmaschine oder Benediktiergerät“ etwa hat Helen Acosta Iglesias seine Installation betitelt.  „Bitte mit der Stirn vor die Wölbung stellen und den Knopf gedrückt halten“, ist auf einem Schild zu lesen. Wer`s macht wird automatisiert „abgesegnet“, ein Kreuz blinkt auf Stirnhöhe auf.  Diese Provokation ist gewollt – bewusst hatte man sich laut Lenssen für den Kreuzgang als Ausstellungsort und gegen das benachbarte Museum am Dom entschieden: „Im Museum wäre der Kreis elitär, das Publikum erwartet hier den kritischen Künstlerblick. Im Dom ist dies nicht der Fall. Gerade darin liegt der Reiz, denn in der Ausstellung wird kein einziges klassisches Kirchenbild bestätigt“, so der Domkapitular.


Spannend ist: Viele Künstler tun sich schwer mit dem Thema Kirche. Am Symposium des Arbeitskreises nahmen immerhin 80 Interessenten teil, 39 reichten anschließend eine Arbeit ein – und nur fünf hielten am Ende dem Juryblick stand.  Ergänzt wurden diese fünf Werke für die Ausstellung nun um weitere 25 Kunstwerke aus Sammlungen und Galerien. „Künstler halten heute Distanz zur Kirche“, beobachtet Dr. Jürgen Lenssen. Viele Teilnehmer hätten mit der Illusion beim Wettbewerb mitgemacht, die Jury erwarte eine Wiedergabe der Glaubensinhalte. „Genau das wollten wir jedoch nicht. Wir wollten den kritischen Blick, die Impulse“, so der Domkapitular. Die Kirchen beschäftigten sich zu sehr mit Struktur- und Imagefragen. Künstler indes sähen ihre Spiritualität, ihre Inhalte, das Thema Gottsuche. Vielleicht am deutlichsten zeigt dies Edite Grinbergas Werk „Ecke mit Buch“. Ein alter Schmöker liegt auf dem Ölgemälde mit dem Buchrücken nach oben aufgeschlagen da, wird von einem Lichtstrahl erfasst, der ins Ungewisse leuchtet.


Andere Kunstwerke dagegen zeichnen ein trauriges Bild der Reformation, etwa die „MS Luther“ des gebürtigen Schweinfurters Jürgen Wolf. Sein Schiffswrack in Mischtechnik auf Leinwand steht symbolisch für eine gestrandete Kirche, die sich selbst schadet. Auch der Bilderzyklus des Chemnitzers Michael Morgner steht für Resignation, lehnt sich dabei an Martin Luthers Worte vor dem Wormser Reichstag „Hier stehe ich und kann nicht anders an“. Allerdings stehen auf den Grafiken nun hoffnungslose Sätze wie „Ich kann nicht mehr“.


Wie aber kam der provokative Ausstellungstitel „Luther reicht nicht“ zustande? „Die erste Idee zum Lutherjahr war eine Ausstellung  mit Lutherbildern“, erinnert sich Dr. Jürgen Lenssen. Doch kam der Arbeitskreis rasch zu der Überzeugung: Das wäre dem Andenken an Luther nicht gerecht geworden. Tatsächlich soll Luther einst selbst gesagt haben: „Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?“  Kurzum: Der Arbeitskreis kam zu dem Schluss, nicht Luthers Person in den Mittelpunkt zu rücken, sondern den Ausstellungsbesuchern ganz unterschiedliche sinnliche und ästhetische Zugänge zur Reformation, zur Erneuerung, zur Religion im Allgemeinen zu eröffnen. Am deutlichsten hat der Münchner Robert Weber künstlerisch umgesetzt, dass Kirche mehr ist, mehr sein muss  als reiner Personenkult. Goldene Strahlen leuchten auf schwarzem Holz, scheinen eine Figur zu umrahmen. Doch diese fehlt. Und so trägt sein Werk schlicht den Titel der Ausstellung selbst: Luther reicht nicht.

„Ecke mit Buch“ von Edite Grinberga.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung


Die Ausstellung „Luther reicht nicht. Künstlerische Impulse zur ständigen Reform“ ist im Kreuzgang des Würzburger Doms bis einschließlich 11. November stationiert. Anschließend soll sie als Wanderausstellung in weiteren Städten zu sehen sein. Führungen durch die Ausstellung für Gruppen können übers Museum am Dom unter Telefon 0931/38665600 gebucht werden.