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Killer Lungenkrebs
Zahl der Neuerkrankungen steigt, Todesrate ist immer noch sehr hoch – Medizin macht rasante
Fortschritte – Am meisten Erfolg verspräche trotzdem eine Kontrolle der Tabakindustrie


Von Michaela Schneider
Würzburg  
In kaum einem Fachbereich der Onkologie hat sich in kurzer Zeit so viel getan wie in der Lungenkrebs-Therapie. Von „fast explosionsartigen Innovationen in der Behandlung“ sprach jetzt Dr. med. Ralf Bargou, Direktor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken, bei der Fachtagung „Lungenkarzinom kompakt 2016“. Ausgerichtet hatte die Veranstaltung die Missionsärztliche  Klinik, akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Den neuen Therapien steht dabei die Epidemiologie des Lungenkarzinoms gegenüber – und hier lassen durchschlagende Erfolge auf sich warten: Die meisten Menschen in Deutschland sterben an koronarer Herzkrankheit – doch bereits auf Platz drei der häufigsten Todesursachen folgt unter den Krankheiten Lungenkrebs.


Studien zeigen laut Professor Dr. med. Berthold Jany, Chefarzt Innere Medizin an der Missionsärztlichen Klinik: Die  Zahl der Neuerkrankungen steigt mit Blick aufs Lungenkarzinom, die Sterblichkeitsrate indes sinkt. Allerdings lohnt hier ein geschlechtsspezifischer Blick. Denn während seit gut drei Jahrzehnten weniger Männer an Lungenkrebs erkrankten, ist die Zahl der Frauen stark gestiegen. „Die Ursache liegt in der Tabakindustrie. Frauen haben mit dem Rauchen etwa 20 Jahre später angefangen – oder tun sich vielleicht auch schwerer mit dem Aufhören“, nimmt Jany kein Blatt vor den Mund. Entsprechend zeigt sich auch bei den Todesfällen eine deutliche Verschiebungen hin zu Frauen. „Die Kurve geht seit den 80er Jahren konstant nach oben“, skizziert der Chefarzt. So prognostizieren Mediziner gar, dass 2016 erstmals mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs sterben werden.


Wie aber steht es 2016 um die Behandlung des Lungenkarzinoms? Dr. Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des Centrums für integrierte Onkologie Köln, skizziert die Meilensteine in der Behandlung.  So tat sich lange Zeit wenig, über Jahrzehnte bestand die Behandlung in der Regel vor allem aus einer platinbasierten Chemotherapie.  Einen ersten wichtigen Fortschritt konnte man 2006 mit der Zulassung des Antikörpers Bevacizumab erreichen, seit 2007 wird er zur  Behandlung von inoperablem, fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidiviertem Lungenkrebs in Kombination mit platinhaltigen Chemotherapeutika eingesetzt. Der Antikörper bewirkt letztendlich, dass keine neuen Blutgefäße mehr entstehen, die der Tumor für seine Durchblutung benötigt. dDdurch wird sein Wachstum ausgebremst. Das Überleben der Patienten verlängerte sich in Studien um durchschnittlich ein Jahr.


„Einen wirklichen Durchbruch konnten wir durch ein vertieftes biologisches Verständnis erreichen“, sagt Wolf. Wissenschaftler fanden heraus, dass Krebszellen einen Rezeptor besitzen – sprich eine Art „Andockstelle“ für einen Wachstumsfaktor. Der wiederum sendet ständig Wachstumssignale an die Krebszelle, diese teilen sich, der Tumor wächst. Beim Lungenkarzinom kommt der Wachstumsfaktor-Rezeptor – wie man inzwischen weiß - häufig vor und ist oft überaktiviert als Folge einer Genmutation. „Wir wissen inzwischen: Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs, sondern kann die Folge zahlreicher Mutationen sein“, sagt Wolf. Die Einteilung erfolge nach den molekularen Veränderungen im Tumor. Gelinge es, Mutationen gezielt zu blockieren, könne man eine ganz andere Wirkung erzielen als bei Chemotherapien, auf die nun mal nicht jeder Tumor gleichermaßen anspricht. Um das Thema Immuntherapie drehen sich derzeit etliche Studien, drei Therapien sind inzwischen zugelassen.


Und 2015 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde im beschleunigten Verfahren mit Osimertinib einem weiteren Wirkstoff zur Behandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs die Zulassung erteilt, der bei einer spezifischen Mutation die körpereigene Krebsabwehr ankurbelt. Durch die Behandlung, so erste Ergebnisse, konnte das Sterberisiko um immerhin 41 Prozent gesenkt werden. Die schlechte Nachricht dabei: Ob eine Therapie taugt, hängt zum einen von der jeweiligen Mutation ab – und manche Mutation komme nur bei einem Prozent der Patienten vor. Zum anderen weiß man inzwischen, dass der Krebs nach geraumer Zeit Resistenzen gegen Wirkstoffe entwickelt und wieder zu wachsen beginnt. „Diese Medikamente funktionieren zwei bis drei Jahre, dann entwickeln sich neue Resistenzen, die neue Medikamente erfordern“, blickt Wolf in die Zukunft der Krebsmedizin. „Wir müssen die High-Tech-Medizin in die breite Versorgung bringen“, betont er und fordert eine Multiplex-Diagnostik für alle Patienten vor Standard-Chemotherapien. Wie sich die personalisierte Medizin finanzieren soll, lässt er unbeantwortet.


Fakt bleibt: Trotz aller Innovationen in der Behandlung lassen die Heilungschancen beim Lungenkrebs  immer noch zu wünschen übrig: In den 70er Jahren lag die Überlebensrate laut Chefarzt Berthold Jany bei durchschnittliche 12 Prozent – und ist bis 2014 auf 18 Prozent gestiegen. „Das ist ein mäßiger Erfolg, wir dürfen uns da nicht in die Tasche lügen“, sagt er – und bezeichnet das Lungenkarzinom als den „weiter bedeutendsten Killer unter den malignen Erkrankungen“. Und so wichtig neue Therapien seien: „Auch wenn es langweilig sein mag, immer wieder darauf hinzuweisen, Rauchen ist das große Problem.“ Tabakkontrolle sei das Gebot der Stunde und – wie das Beispiel USA zeige – ein nachgewiesen effektiver Weg, um die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle zu senken.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Lungenkrebs und Sport


Studien belegen: Sport kann das Krebsrisiko senken. Doch Sport und Lungenkrebs - passt das zusammen, wenn Patienten schlecht Luft bekommen? Ja, sagt Dr. med. Axel Ambrecht vom Institut für Bewegungstherapie und Rehabilitation in Eutin. Seine Erfahrung zeigt dabei: Lungenkrebs-Patienten fühlen sich oft wohler in einer eigenen  Lungensportgruppe als in einer Krebssportgruppe. Gut geeignet seien etwa Sportarten wie Qi Gong – eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform, die viel mit Atmen zu tun habe. Und nicht nur  der gesundheitliche Aspekt spielt laut Ambrecht bei Sport nach einer Krebsbehandlung eine Rolle, sondern auch die Psyche: „Selbst etwas zu tun, schafft neues Selbstbewusstsein“, betont er. Doch gibt es laut dem Sportexperten einige Dinge zu berücksichtigen: Nicht viel hilft viel, sondern häufig hilft viel. Ambrecht empfiehlt daher, mindestens dreimal pro Woche zu trainieren. Sein Tipp fürs Ausdauertraining: „Laufen ohne Schnaufen“ für mindestens zehn Minuten. Und beim Krafttraining gelte: Ein Muskel braucht 45 Sekunden für einen sinnvollen Trainingseffekt, das entspricht je Serie 15 bis 20 Wiederholungen.  Mehr zu Dr. Axel Ambrechts Trainingskonzept auch unter www.mensch-in-bewegung.de.