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Wenn Schüler selbst zu Schallwellen werden
Beim Kongress „Durch Kunst und Freude zum Lernerfolg“ wird in Würzburg das Bildungsprogramm LTTA vorgestellt – Künstler erarbeiten Lehrplanziele und setzen auf ein Verstehen mit allen Sinnen


Von Michaela Schneider

Würzburg Grammatik kunstvoll erarbeiten und mathematische Körper ertanzen: Schüler profitieren immens davon, wenn ihnen Lerninhalte durch Künste vermittelt werden, sagt Dr. Petra Weingart. 2007 etablierte die heute 58-jährige Lehrerin und Kunstpädagogin das Bildungsprogramm „Learning through the Arts“ (LTTA) in Unterfranken. Bei einem dreitägigen Kongress an der Universität Würzburg können nun Lehrer, Schulleiter, Erzieherinnen und Künstler aller Couleur vom 19. bis 21. Februar  in das ungewöhnliche Programm hineinschnuppern sowie Erfahrungen austauschen. „Durch Kunst und Freude zum Lernerfolg“ lautet der Titel der Veranstaltung.


LTTA – was genau ist das eigentlich?

Dr. Petra Weingart: LTTA heißt „Learning through the Arts“. Wörtlich übersetzt bedeutet das “Lernen durch die Künste”, das heißt die Künste fungieren als Katalysator beim Lernen in den Kernfächern Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften und den sozialen Fächern. LTTA ist ein Bildungsprogramm, in dem Lehrer und Künstler zusammenarbeiten. LTTA bedeutet: Ein Künstler bringt in den Unterricht ein, mit welchen Techniken und Methoden er das Lehrplanziel erfahrbar macht. Das kann zum Beispiel ein Tänzer, Bildhauer, Geschichtenerzähler, Puppenspieler oder Musiker sein. Er erarbeitet auf seine Art mit den Schülern ein Thema aus den Fächern Deutsch oder Mathematik, Physik oder Englisch. Lehrer und Künstler im LTTA Programm gelangen gemeinsam zum Lehrplanziel. Der künstlerische Ansatz betont: Verstehen über die Sinne.

Geht es um eine weniger rationale Art des Lernens?

Weingart: Nein, das kann man so nicht sagen. Das Herangehen ist ebenfalls rational, aber bei LTTA geht es darum, Inhalte über andere Lernkanäle zu begreifen. In der Schule arbeiten wir häufig noch  vorwiegend über Sprache. Fakt aber ist: Im Durchschnitt lernen nur 18 Prozent der Bevölkerung am besten über die Sprache. Der Rest benötigt zum optimalen Lernen andere Sinne ein.


Haben Lehrer im regulären Unterricht überhaupt Zeit für ein Bildungsprogramm wie LTTA?


Weingart: Wenn ein Lehrer sich die Zeit nehmen möchte, gelingt ihm dies im Allgemeinen auch, denn: Wenn die Schüler Unterrichtsinhalte im LTTA Unterricht mit Künstlern und Lehrern besser verstehen, kann der Lehrer an anderer Stelle Übungszeit sparen. Wichtig dabei ist, dass diese Art zu lernen über einen längeren Zeitraum umgesetzt wird. Nur so nehmen Schüler für sich mit, wie Lernen mit allen Sinnen funktioniert und sie können das Prinzip auf andere Bereiche übertragen. Lehrer und Künstler besuchen drei Jahre lang unsere Fortbildungen.


Können Sie ein paar Beispiele für LTTA-Unterrichtsstunden nennen?


Weingart: Nehmen wir das Fach Biologie. Hier haben sich Schüler zum Beispiel selbst als Schallwellen durch ein Ohr bewegt. Der Vorteil ist: Lernt ein Schüler den Aufbau des Ohres und die dazugehörigen Fachbegriffe  vom Papier weg für eine Prüfung, ist das Wissen schnell wieder vergessen. Bewegen sich Schüler beim Lernen und stellen sich den Aufbau bildlich vor, bleibt viel mehr auch langfristig hängen. Im Mathematikunterricht bildete eine Klasse geometrische Formen mit dem Körper nach und stellte sie anschließend in Ytong her. Weitere Beispiele: Winkel lassen sich über Tanz formen, anschließend an Werken der „Konkreten Kunst“ erfahren, Maßstäbe anhand einer Puppenspielbühne begreifen.


Funktioniert LTTA auch in den Geisteswissenschaften?


Weingart: Ja sicher. Im Deutschunterricht können Künstler und Lehrer mit den Schülern über die Gestaltung einer Collage in einer Unterrichtsstunde ein Gedicht auswendig lernen. Oder: Nehmen wir das Beispiel Geschichte. In einer Steinzeitstunde können Elemente erarbeitet werden, wie die Menschen einst gelebt haben. In einem Tanz ließe sich umsetzen, wie die einen jagen und die anderen sammeln. Die Schüler versetzen sich in die Menschen dieser Zeit und versuchen, mit den Gegebenheiten der Umgebung zu leben. Dadurch wollen sie mehr über diese Zeit wissen. Schüler begeben sich dann häufig selbst auf Informationssuche in Büchern oder im Internet und tragen für den weiteren Unterricht selbstständig zu Material bei. Natürlich speichern sie die Ergebnisse so auch nachhaltiger.


Wie ist die Resonanz der Schüler?


Weingart: Zunächst einmal erleben wir im Unterricht:  Kreativität und Fantasie stecken in allen Schülern. Wir lassen diese jedoch sehr oft nicht zu. In Studien befragen wir die Schüler zu ihren Eindrücken.  Dabei sagten die Jugendlichen mehrfach: Im normalen Unterricht dürften sie nicht sein, wie sie wollen. In den LTTA-Stunden indes seien Kreativität und vor allem auch Fehler erlaubt. Ein Mädchen sagte, etwas vor der Klasse im LTTA-Unterricht zu präsentieren sei nicht so schlimm wie sonst in der Schule. Und ein Drittklässler meinte wörtlich: „Wenn man etwas ausprobiert, lernt man das irgendwie viel schneller.“ Meine Meinung ist zudem: Die Schüler haben Spaß. Das weckt Neugier. Neugier schürt Interesse und die Schüler wollen von sich aus mehr wissen. Das heißt: LTTA ist auch ein Prozess, der Kinder dazu bringt, lernen zu wollen, statt nur wegen der Noten Vokabeln oder Mathematik zu pauken.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Petra Weingart begründete in Deutschland das Bildungsprogramm „Lernen durch die Künste“.


Foto: Michaela Schneider


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