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Es waren einmal: ein Prinz und ein Schwan
Wagner-Oper Märchenhafte Lohengrin-Inszenierung begeistert das Würzburger Publikum

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Der imposante Chorgesang endet, Harfenklänge setzen ein. Die martialisch anmutenden Krieger legen ihre riesigen Schwerter nieder. Wie aus einer anderen Welt schweben Elsas Damen in glitzernden Kleidern auf die Bühne, sie tragen Rosen und Lilien. Und dann, schließlich, folgt Elsa - gehüllt in unwirkliches Licht und ein Zuckerbaiser-Brautkleid. Ja, diese Lohengrin-Szene im Mainfranken Theater in Würzburg grenzt mit ihrer starken Symbolik ans Kitschige. Aber: Sie darf das, denn sie passt ganz einfach in Kurt Josef Schildknechts märchenhafte Inszenierung der romantischen Wagner-Oper von 1848. Anhaltender Applaus, viele Vorhänge und immer wieder Bravo-Rufe am Ende einer großen Premiere.

 

Herausragend: Joachim Goltz als ein zornig-kraftvoller Friedrich von Telramund und Ruth-Maria Nicolay als seine gesanglich wie darstellerisch  intensive Gemahlin Ortrud. Oft sind es eben doch die Bösewichter, die die dankbarsten Rollen abliefern. Karen Leiber als Elsa ist ebenfalls hervorragend besetzt, phasenweise würde man sie sich in der unschuldig-reinen Rolle vielleicht stimmlich einen Tick weniger erwachsen wünschen. Das macht die Sopranistin aber durch ihre dramatischen Höhepunkte und eine verträumte Aura zeitloser Poesie wieder wett. Scott MacAllister als Lohengrin kommt vor allem gegenüber Joachim Goltz zu Beginn gesanglich etwas blass und glatt daher. Spätestens im dritten Akt ist sie dann aber gottseidank da: jene tenorale Strahlkraft, die man sich vom Lohengrin wünscht.

 

Ein ganz dickes Lob gebührt neben den Solisten dem Opernchor und dem Extrachor – weit mehr als 60 Sänger und Sängerinnen  fesseln immer wieder mit Opulenz. Musikalischer Leiter Enrico Calesso  sorgt mit dem Philharmonischen Orchester zudem für rauschhafte Sinnlichkeit und wählt einen zielsicheren Mittelweg zwischen Wagnerscher Schwere und Schwung.

 

Regisseur Schildknecht tut sehr gut daran, den Märchencharakter des Stoffs in den Mittelpunkt zu rücken - hierzulande hat man nun mal, historisch belastet, seine Probleme mit der Heilsbringer-Rolle eines Lohengrin. Da gibt es einen König und eine zu rettende Prinzessin, eine Hexe sowie einen strahlenden Helden. Und: einen in diesem Fall dezent gehaltenen Schwan. „Nie sollst Du mich befragen“, singt der Prinz und will seinen Namen nicht nennen, denn: Er will nicht wegen seiner höheren Natur, sondern bedingungslos als Mensch geliebt werden. Auch möchte er die wirren Verhältnisse in einer Welt im Umbruch ordnen. Ein Happy End allerdings bleibt, anders als im Märchen, aus. Wagner selbst bezeichnete den Lohengrin als den „allertraurigsten seiner Stoffe“.  

 

Wie schon einst beim „Parsifal“ in Würzburg stand Schildknecht als Bühnenbildner erneut der Wiener Rudolf Rischer zur Seite. Das Bühnenbild ist dabei so schlicht wie gut. Keine Drehbühne, keine Vorhänge, sondern ein erstarrter Kunstraum in Form einer Treppenkonstellation, die dem riesigen Chor Platz für Bewegung lässt. Bei der Farbgestaltung holte sich Rischer Inspiration bei Friedrich Nitzsche, der Wagners Musik einst als „blau und von narkotischer Wirkung“ bezeichnete. Kombiniert mit Lichteffekten und den verschiedenen Chor-Formationen verändert sich die zunächst statische Konstellation ständig, wirkt abstrakt und mystisch. Hohe, schlanke Spiegel an den Wänden schaffen die Illusion von Sakralbau-Gängen. In den Kostümen von Götz Lanzelot Fischer vermischen sich unterschiedliche Zeiten – Geschmackssache sind wohl die Uniformen der Krieger, die mit einer Art schusssicheren Westen doch arg martialisch rüberkommen.

 

Vermutlich gibt es kaum ein kritischeres Publikum als in Wagner-Opern. Nicht wenige Besucher haben schon zig Inszenierungen gesehen, lauschen ganz genau, vergleichen.  Und auch in Würzburg gibt es sie: Jene Wagnerfans, die beim aufbrandenden Orchesterklang erwartungsvoll seufzen, phasenweise still mitdirigieren und (meist stumm) mitsingen. Umso stolzer kann das Ensemble des Mainfranken Theaters deshalb auf eine so positive Resonanz sein, wie es sie am Sonntag bei der Premiere erleben durfte.  

 

Dauer: 280 Minuten (mit zwei Pausen), nächste Vorstellungen, jeweils 17 Uhr: 29.09./ 06.10./ 03.11./ 01.12./ 22.12./ 12.01./ 31.01.; 15 Uhr: 20.10./ 24.11.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.