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Petra Hartung liest bei der Veranstaltung „Literatur in den Häusern der Stadt“ aus Jean Zieglers Werk „Der Hass auf den Westen“.

Fotos: Michaela Schneider

Lesung wischen Wohnzimmervitrine und Wintergarten

Zwölf Gastgeber öffnen bei der Mainfranken-Theater-Veranstaltung
 „Literatur in den Häusern der Stadt“ in Würzburg ihre Privatwohnungen


Von Michaela Schneider

Würzburg Natürlich. Man kann sich auch im eigenen Wohnzimmer auf die Couch setzen und ein gutes Buch lesen. Ein wesentlich intensiveres Literaturerlebnis aber ereignete sich an einem Freitagabend in zwölf Würzburger Privatwohnungen. Zum inzwischen achten Mal hatte das Mainfranken Theater zur „Literatur in den Häusern der Stadt“ geladen. Die Idee der ungewöhnlichen Aktion: Würzburger stellen ihre Wohnzimmer für eine Lesung zur Verfügung; Schauspieler des Theaters präsentieren Werke, die ihnen besonders am Herzen liegen. In zwölf Privatwohnungen lernen – je nach Platz – zwischen zehn und 30 Gäste ganz unterschiedliche literarische Werke kennen, von Yann Martels „Schiffbruch mit Tiger“ bis zu Judith Hermanns „Nichts als Gespenster“.


Bei Rechtsanwältin Angelika Seebode finden sich an diesem Abend 20 Zuhörer ein. Damit ist das Wohnzimmer der hübschen Dachwohnung - nur einen Katzensprung entfernt vom Theatergebäude - voll besetzt. Ein wenig dauert es, bis die überwiegend weibliche Zuhörerschaft sitzt und mit Sekt, Saft und Wasser versorgt ist. Die Damen schick gekleidet, die Gastgeberin versiert erinnert das Ambiente an frühere Zeiten, als sich das Bildungsbürgertum in Privatzirkeln traf, um Literatur zu hören und die aktuellen Themen der Zeit zu diskutieren.


Und ja, um ein großes Thema des 21. Jahrhunderts dreht es sich an diesem Abend. Denn Schauspielerin Petra Hartung, Neuzugang am Mainfranken Theater, hat sich mit Jean Zieglers „Der Hass auf den Westen“ für keine leichte Lektüre entschieden. Kein belletristisches Werk, sondern eine Fülle an erschreckenden und unbequemen Fakten und Zahlen strömt auf die Zuhörerschaft ein.  Ausgezeichnet wurde das Werk aus dem Jahr 2009 mit dem Literaturpreis für Menschenrechte, als aufrüttelndes Plädoyer eines Globalisierungskritikers wurde es in den Medien tituliert. Es geht um den Welthunger, um grausame Menschenrechtsverletzungen in Kambodscha und um Kinder aus Nigeria, die in Europa als Opfer der pädophilen Netzwerke verschwinden.  Es geht um die Profitgier des Westens und den wachsenden Hass der Armen und Entrechteten.


Schauspielerin Petra Hartung liest mit ruhiger, nachdrücklicher Stimme. Mal hebt sie den Zeigefinger, mal ballt sie die Faust. Eine Dame schüttelt immer wieder den Kopf. „Keine leichte Kost“, raunt sie ihrer Sitznachbarin zu. Warum hat sich Petra Hartung gerade für Jean Zieglers gesellschaftskritisches Sachbuch entschieden? Sie selbst sei mit dem Werk in Kontakt gekommen während eines Engagements am Deutschen Nationaltheater Weimar durch den Regisseur Michael von zur Mühlen. Er sei sehr politisch gewesen - und Hartung selbst habe gemerkt, dass sie zu wenig wisse über die Welt um sich herum. Von zur Mühlen habe unter anderem die Jean-Ziegler-Lektüre empfohlen. „Ich habe einen Anstoß bekommen, die Welt mit anderen Augen zu sehen“, erzählt die gebürtige Gothaerin, fügt an: Vielleicht gehe es ja dem ein oder anderen Zuhörer durch die Lesung ähnlich.


Gedankenanstöße gibt sie auf jeden Fall. Als der offizielle Lesungspart endet, beginnen die Zuhörer in kleinen Kreisen sofort zu debattieren – zum Beispiel über das Flüchtlingsdrama von Lampedusa und Asylpolitik im Allgemeinen. „Was heißt das aber nun für uns?“, stellt eine Zuhörerin als Frage in den Raum. Lange wird an diesem Abend noch geredet. Hartung freut sich, Diskussionen in dem Ausmaß angestoßen zu haben. Ganz angetan sei sie von der großen Aufmerksamkeit und Gespanntheit des Publikums gewesen, ergänzt: „Man ist in der Wohnzimmeratmosphäre so nah dran an den Leuten.“


Einen ganz wesentlichen Beitrag zum gelungenen Literatur-Abend hat Gastgeberin Angelika Seebode geleistet. Nach dem offiziellen Lesungspart schenkt sie Wein nach und serviert ihren Gästen warme Häppchen. Zum zweiten Mal stellt sie ihre Wohnung bereits für die Veranstaltung „Literatur in den Häusern der Stadt“ zur Verfügung – hat auch diesmal wieder den Tag über Tische und Stühle umgeräumt, Teilchen gebacken, Getränke gerichtet. Und sie hat das Wohnzimmer thematisch passend dekoriert: Petra Hartung zur Seite sitzt zwischen schwerer Holzvitrine und Wintergarten eine selbst genähte Puppe, die ebenfalls konzentriert in ein Buch blickt.   Hemmungen völlig Fremde in ihre privaten vier Wände zu lassen? Nein, die hat Angelika Seebode nicht. „Ich war schon immer ein bisschen exhibitionistisch und zeige gern, dass es in Würzburg hübsche Stadtwohnungen gibt“, sagt die 74-Jährige mit einem Schmunzeln.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Mainfranken Theater geht „raus aus dem Theaterkasten“


Intention des Mainfranken Theaters ist es laut Jugentheaterleiterin Nele Neitzke – und an diesem Abend Begleiterin bei der Lesung des Jean-Ziegler-Werks „Der Hass auf den Westen“ - „rauszugehen aus dem Theaterkasten und zu zeigen, dass wir da sind“. Die „Literatur in den Häusern der Stadt“ ist nur ein Baustein: Immer wieder finden zum Beispiel öffentliche Theateraktionen im Hugendubel statt, das Ensemble beteiligt sich an Veranstaltungen wie dem Straßenmusikfestival oder Theaterkarten werden direkt an den Universitäten verkauft. Hinzu kommt das musikalische Pendant zur „Literatur in den Häusern der Stadt“: Anfang Mai 2014 werden Privatgastgeber zu „Liedern in den Häusern der Stadt“ laden.