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Ein Liebeslied für Würzburg
Rasenkünstler Ralf Witthaus mäht über drei Kilometer den Song „Ich will nur“ in den Ringpark


Von Michaela Schneider

Würzburg Mancher Spaziergänger im Würzburger Ringpark dürfte sich derzeit wundern. Wundern über jenen Mann im klassischen schwarzen  Anzug, mit Schutzhelm sowie mit Rasenmäher, Trimmer oder Motorsense. In dem eleganten Outfit, aber arbeitend wie ein Gärtner sorgt der Mann selbst bereits für Aufsehen. Noch mehr Aufmerksamkeit dürfte seine Arbeit erregen: Ralf Witthaus ist Rasenkünstler und mäht über drei Kilometer rund 500 vier Meter hohe Buchstaben ins Gras. Das Motto seines Kunstwerks lautet „Ein Liebeslied für Würzburg“, betitelt ist die Aktion „dass das Herz rast“. Zu lesen sein wird der Schriftzug „Ich will nur, dass Du weißt, ich hab Dich immer noch lieb“. Dabei handelt es sich um einen Textauszug aus einem Lied des deutschen Sängers und Liedermachers Philipp Poisel.


Inspiriert hatte den Wahl-Crailsheimer Künstler zuvor ein Besuch im Würzburger Lusamgärtchen – jenem kleinen ummauerten Innenhof an der Nordseite der Neumünsterkirche, in dem sich das Grabmal für den Minnesänger Walter von der Vogelweide befindet. Witthaus war fasziniert von dem kleinen Ort der Ruhe, einem „Ort um die Gedanken zu sortieren mitten in der lauten Stadt“, wie er selbst sagt. Auch Walther von der Vogelweide  als eine der Schlüsselfiguren im Minnesang begeisterte ihn von Beginn an. „Er muss die Menschen bewegt haben, sonst hätte man ihm nicht diesen Ort gegeben“, sagt der Künstler. Kennengelernt hatte er bei seinem Ausflug nach Würzburg zudem das Kunstschiff Arte Noah und kam mit dem hiesigen Kunstverein Würzburg ins Gespräch. Bald darauf erhielt Witthaus eine Einladung, in Würzburg ein Rasenprojekt zu realisieren.


Tatsächlich ist der 40-Jährige der einzige weltweit, der Rasenkunst auf die für ihn spezifische Art praktiziert. Seine hierzulande wohl berühmteste Rasenmäherzeichnung realisierte er bei der  Bundesrasenschau in Berlin:  Hier schuf er einen über zwölf Kilometer langen Kreisweg. Eines seiner ungewöhnlichsten Projekte:  ein „Bohrloch“, das er zum einen in Deutschland zum anderen auf der anderen Seite der Erdkugel in Neuseeland   umsetzte. Diese und weitere Aktionen werden bis Mitte Juni  auf dem Kunstschiff Arte Noah in Fotografien nachzuerleben sein. Zudem zeigt Witthaus hier – begleitend zum Rasenprojekt – eigene Zeichnungen.


Doch zurück zum „Liebeslied für Würzburg“.  Witthaus Idee dahinter: ein zeitgenössisches Pendant zum Minnesang des Walther von der Vogelweide. Und so schrieb der Künstler ein gutes Dutzend Bands an und hinterfragte, wie sie mit dem Thema Liebeslied umgehen. Er handhabte es dabei wie zu Zeiten der Wettstreite unter Minnesängern. „Wer am intensivsten die Herzen bewegte, gewann.“  Und ihn habe – einige 100 Jahre später - das Lied „Ich will nur“ von Philipp Poisel am meisten berührt.


Das „Liebeslied für Würzburg“ wird Witthaus‘ größte Textarbeit bislang sein, ein Team aus eigenen Mitarbeitern und Kräften des Würzburger Gartenamts wird ihn bei dem Großprojekt unterstützen. Der Künstler schätzt, dass er rund drei Wochen für die Umsetzung der Arbeit brauchen wird. Spannend ist die auch insofern, als die ersten Mäharbeiten nach zwei Wochen  schon nicht mehr zu sehen sein werden.  Das stört Witthaus nicht weiter, denn: Neben der Zeichnung selbst, steht für ihn der künstlerische Prozess selbst im Vordergrund.  Das Publikum, die Spaziergänger im Ringpark, werden Textteile lesen, sehen, wie sich der Ringpark inszeniert, das Geschehen begleiten und vielleicht auch mit dem Künstler selbst ins Gespräch kommen.  Aus der Luft im Ganzen wird das Liebeslied übrigens nicht zu erkennen sein, dafür stehen die Bäume im Ringpark zu dicht. „Die Arbeit erklärt sich durchs Belaufen“, sagt Witthaus.


Dass seine Kunst keine bleibende ist, stört ihn übrigens nicht. Als bildender Künstler habe er rasch erkannt: Die meisten Zeichnungen und Arbeiten landen in der berühmten Schublade und nur ein Bruchteil wird je in Ausstellungen, Museen oder einem Wohnzimmer hängen. Deshalb beschloss Witthaus in die Landschaft und damit direkt in der Öffentlichkeit zu zeichnen. Das eröffnet ihm die Möglichkeit, die Menschen direkt mit seinen Ideen zu konfrontieren.


Eine Erinnerung an das Liebeslied bleiben wird trotzdem, denn Studenten der Fotografie der Würzburger Fachhochschule werden das Projekt begleiten und die Fotografien dann bis Ende Mai in der Galerie der Sparkasse in der Würzburger Hofstraße ausstellen. Zuvor leiht Witthaus aber nun den Würzburger Ringpark zunächst einmal für drei Wochen aus, lässt ein zeitgenössisches Liebeslied entstehen und schlägt die Brücke von der Moderne in die Zeit des Minnesängers Walther von der Vogelweide.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Rasenkünstler Ralf Witthaus erschafft ein Liebeslied für Würzburg. Im Hintergrund: das Kunstschiff Arte Noah. Eine Ausstellung zeigt hier Zeichnungen und frühere Rasenprojekte des 40-Jährigen.

Foto: Michaela Schneider

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