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Sonnenkompass und Spaziergang fürs Seelenheil
Vereinte Nationen rufen 2015 das „Internationale Jahr des Lichts“ aus – Experten
aus der Region erklären, warum es ohne Licht kein Leben gäbe und sich Astronomen mehr Dunkelheit wünschten


Von Michaela Schneider
Unterfranken
2015 begehen die Vereinten Nationen das "Internationale Jahr des Lichts". Denn: Licht ist die elementare Lebensvoraussetzung für Menschen, Tiere und Pflanzen, aber auch zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur. Warum es ohne Licht kein Leben gäbe, wie sich Lichtmangel auf den menschlichen Organismus auswirkt, aber auch was Philosophen im Licht sehen und warum Astronomen sich manchmal mehr Dunkelheit wünschen würden, erklären Wissenschaftler aus Unterfranken.


Zunächst einmal stellt sich die Frage: Licht – was genau ist das eigentlich? Der 34-jährige Astrophysiker Thomas Elsässer, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Astronomie an der Würzburger Universität, verweist auf mehrere Aspekte. Zunächst einmal sei Licht die Äußerung elektromagnetischer Kraft. Außerdem sei Licht eine Welle, bzw. ein Strom, der aus kleinen Teilchen namens Protonen besteht und sich zum menschlichen Auge hinbewegt. Und schließlich sei Licht das schnellste Ding im Universum.  „Das erste Licht, das wir Menschen kannten, waren natürliche Lichtquellen, das heißt, Sonne, Mond und Sterne“, sagt Elsässer.


Und genau diese Lichtquellen ermöglichten erst Leben auf der Erde. „Pflanzen brauchen Licht für die Photosynthese“, sagt Professor Charlotte Förster, Leiterin des Lehrstuhls für Neurobiologie und Genetik am Biozentrum der Würzburger Universität. Tiere und Menschen wiederum brauchen den Sauerstoff, der bei der Photosynthese entsteht. Und auch das Licht selbst erfüllt vielfältige Funktionen im Tierreich. Bienen  zum Beispiel nutzen die Sonne als Kompass, um Blüten wiederzufinden. Und auch Wüstenheuschrecken wären laut Förster ohne Licht völlig orientierungslos. Dabei ist die Sonnenkompassorientierung kein leichtes Unterfangen, denn die Sonne wandert im Laufe des Tages. Ins Spiel kommt deshalb laut der Biologin zudem eine innere Uhr, die den Tieren sagt, wie spät es ist.  Hinzu kommt: Tiere haben einen Jahresrhythmus. Sie messen die Tageslänge, um sich zum Beispiel auf den Winter vorzubereiten. Wird es durch zu viel künstliches Licht nicht richtig dunkel, kann dies für Verwirrung sorgen. So beobachteten Wissenschaftler in Großstädten bereits Vögel, die im Winter statt im Frühjahr balzten.


Warum aber sind manche Tiere bei Tageslicht aktiv, andere dagegen in der Nacht? „Dinosaurier waren als wechselwarme Tiere auf die Wärme des Tages angewiesen. Als die Säugetiere entstanden, waren sie zunächst erst einmal alle nachtaktiv – schlichtweg um den Dinosauriern aus dem Weg zu gehen“, erklärt Förster. Als die Dinosaurier ausgestorben waren, eroberten die Säugetiere im Laufe der Evolution sämtliche Nischen – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die einen etwa, um Jägern aus dem Weg zu gehen, die anderen, um nachaktive Insekten zu jagen. Zahlreiche nachtaktive Arten entwickelten sehr große Augen, denn auch nachts orientieren sich die meisten Tiere nicht allein an Geräuschen und Gerüchen, sondern auch am Licht.


Dabei ist Nachtaktivität ein Phänomen, das auch vor dem Menschen nicht Halt macht. Wissenschaftler fanden heraus, dass in ständig hellen Großstädten der Anteil an Spättypen signifikant höher ist als auf dem Land. Dr. Stefan Baron, Leiter des Schlaflabors der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, rät allerdings zur Vorsicht, denn: Eigentlich sei der Mensch tagesaktiv und habe eine entsprechende Rhythmik entwickelt. Ändere man diese, drohe Krankheit. Schichtarbeiter etwa litten verstärkt unter Insomnie, das heißt: Sie können nicht schlafen, wenn sie`s eigentlich müssten. Hinzu kommt: Wer am Tag schläft und nachts arbeitet, kann kein Vitamin D bilden, denn dafür muss der menschliche Körper Sonnenlicht ausgesetzt sein.  Nötig ist das „Sonnenvitamin“ vor allem auch, um Osteoporose vorzubeugen. Dr. Baron rät trotzdem ab, Vitamin-D-Präparate zu schlucken: „Eine halbe Stunde Sonnenlicht reichen aus, um genügend Vitamin D eben zu produzieren, auch im Winter. So viel Zeit sollten auch Berufstätige in der Mittagspause haben, um an die frische Luft zu gehen.“ Zumal der Mensch Licht auch fürs Seelenheil braucht – nicht umsonst treten Depressionen verstärkt in der dunklen Jahreszeit auf.


Und nicht nur biologisch betrachtet spielt Licht im menschlichen Leben eine wichtige Rolle. In der Philosophie etwa steht es als zentrale Metapher für Wahrheit und Erkenntnis. Das galt laut Jörn Müller, Professor für antike und mittelalterliche Philosophie an der Würzburger Universität, schon früh. Platon etwa charakterisiert das Gute in einem berühmten Gleichnis als Sonne. Dieses Gute verleihe allem, was ist, Sein und Erkenntnis. In der mittelalterlichen Philosophie wird die Tätigkeit des menschlichen Geistes als „Beleuchtung des Anschauungsmaterials der Sinne“ beschrieben. Erst dadurch werde dessen intellektueller Gehalt überhaupt sichtbar. Martin Heidegger schließlich bezeichnet das Offenbarwerden des Seins und der Wahrheit im Menschen als „Lichtung“.  


Abschließend noch einmal ein Blick zurück auf die Astronomie. „Der leuchtende Nachthimmel ist eines der größten Wunder der Erde“, sagt Astrophysiker Thomas Elsässer. Viele Kinder hierzulande hätten allerdings noch nie die Milchstraße gesehen. Denn: Der Mensch lässt auch nachts derart viel künstliches Licht leuchten, dass es nur noch an wenigen Orten echte Dunkelheit gibt. Astronomen fliehen deshalb inzwischen in Wüsten oder auf Inseln, um das Universum zu erforschen. Thomas Elsässer ist selbst beratendes Mitglied im Vorstand der Vereinigung der Sternfreunde. Deren Ziel ist es, im Jahr des Lichts auch die Nachtverschmutzung in den Fokus zu rücken. „Unsere Botschaft ist nicht: Macht alle künstlichen Lichter aus“, betont er. Ganz viel Beleuchtung sei jedoch unnötig – etwa eine Supermarkttafel, die auch nachts um vier Uhr noch leuchte.   

Astronomen fliehen heute in extrem entlegene Regionen, um die Lichter des Universums zu erforschen. Im Bild: Observatorium auf dem Vulkan Mauna Kea auf der hawaiianischen Insel Big Island mitten im Pazifischen Ozean.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.