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Tanzende Geister in Wohnzimmer-Atmosphäre
Die Reihe „Oper am Klavier“ in den Kammerspielen des Mainfranken Theater geht
in die vierte Runde – Als erstes Werk ist Giacomo Puccinis Erstlingsopernwerk „Le Villi“ zu hören


Von Michaela Schneider

Würzburg Fast fühlt man sich in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg zurückversetzt ins Großbürgertum des 19. Jahrhunderts. In jene Zeit, als die Menschen Opern liebten, sich Theaterbesuche für das Gros der Bürger aber als schwierig erwiesen. Deshalb holte man sich die schönen Melodien ins eigene Wohnzimmer. Die Familie musizierte, inszenierte und probte - und war das Werk bühnenreif, lud man Verwandte und Freunde in die gute Stube ein. Eben diese Wohnzimmer-Atmosphäre ist`s, die die Reihe „Oper am Klavier“ zu etwas ganz Besonderem macht. „Es war einmal“ tönt die Stimme des Erzählers aus dem hohem Lehnsessel, die Gäste sind so nah dran an Sängern und Flügel wie fast nie. Als die Noten vom Pult purzeln, plaudert Christoph Blitt mit dem Publikum – persönlich, unverkrampft, liebenswert. Als erstes Werk in der neuen Spielzeit feierte jetzt Giacomo Puccinis „Le Villi“ Premiere.


Sein Erstlingsopernwerk basiert dabei auf der alten Sage der Willis, über die Heinrich Heine in seinem Buch „Elementargeister“ schreibt.  Die Willis sind demnach Bräute, die vor der Hochzeit gestorben sind und nun als Geister ihre Tanzlust befriedigen. Bekannter als Puccinis Oper dürfte heute das romantische Ballett „Giselle“  sein, das ebenfalls von den tanzenden Geistern handelt. Eine schöne Idee in den Kammerspielen: Während Karen Leiber in der Rolle der Anna, Daniel Fiolka als ihr Vater Guglielmo Wulf und Yong Bae Shin als der untreue Roberto singen, sind im Hintergrund bühnengroß immer wieder projizierte Ballettszenen zu sehen (Videoinstallation: Nikolai Kröhnert).


Zur Handlung: Im Haus des Försters Wulf feiern Anna und Roberto Verlobung. Und zwar im Schwarzwald – offensichtlich in den Kammerspielen dank Kuckucksuhr und Schwarzwälder Kirschtorte als markanten Requisiten. Um eine Erbschaft anzutreten, muss Roberto kurz darauf nach Mainz reisen. „Ach zweifle an Gott, aber zweifle nie an meiner Liebe“ singt er für seine Anna ehe er geht. In Mainz allerdings wird er von einer verderbten Sirene verführt und bleibt bei ihr. Anna stirbt aus Gram. Ihr Vater fleht: „Möge die Legende der Willis wahr sein!“ Und tatsächlich vereinigt sich Annas Seele mit den Willis. Als Roberto voller Reue in den Schwarzwald zurückkehrt, zwingen ihn die Geister zum wilden Tanz in den Tod.  


Nicht nur die Handlung der Puccini-Oper ist dramatisch, auch die süffigen Melodien strotzen vor Emotion. Sehr ansprechend: Karen Leibers süßer, weicher Liebesgesang zu Beginn im beschwingten Dreivierteltakt. Ja, die direkte Publikumsnähe in den Kammerspielen verzeiht eigentlich keine Fehler – kleine Schwächen in den Höhen sind gnadenlos zu hören. Doch die Sopranistin setzt aufs Gefühl, das Publikum weiß dies zu schätzen. Ein bisschen mehr Herzschmerz im Gesang indes hätte man sich von Yong Bae Shin als ihrem Verlobten gewünscht.  Ganz anders indes Daniel Fiolka: Großartig, wie er mit seinem mal schmetterndem, mal herrlich warmem Bariton zornig verwünscht, voller Schmerz trauert und verzweifelt betet.  Sehr ansprechend auch musikalischer Leiter Alexis Agrafiotis am Flügel: Ouvertüre und instrumentale Passagen nutzt er für sich, überzeugt vor allem während des wilden Tanzes der Willis mit wilder Dramatik. In der Begleitung indes hält er sich ansprechend zurück.  

  

Inzwischen geht das Format „Oper am Klavier“ in die vierte Runde. Leider bleiben regelmäßig Sitzplätze in den Kammerspielen leer, doch viele der Besucher sind Wiederholungstäter. Bei der Werkauswahl bewegt sich das Mainfranken Theater laut Projektleiter Christoph Blitt ganz bewusst abseits ausgetretener Repertoirepfade.  Aus der jeweiligen Oper sind Ausschnitte in konzertanter Form als repräsentativer Querschnitt zu hören. Blitt selbst führt als Moderator ins Werk ein und erzählt während des Abends die Opernhandlung.  


Ein Besuch der „Oper am Klavier“ lohnt: Weil das Publikum Werke erlebt, die es selten hören darf; weil man Christoph Blitt als Märchenerzähler gern zuhört; und weil die Wohnzimmer-Atmosphäre für charmante Nostalgie sorgt und einfach Spaß macht.   


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: „Oper am Klavier“ in der Spielzeit 2014/2015


Oscar Straus, „Der tapfere Soldat“: Die Operette in drei Akten basiert auf George Bernard Shaws Komödie „Helden“. Reaktionären Kreisen stieß  seinerzeit die mal schmissig-heitere, mal melodiös-gefühlvolle Geschichte des charmanten Schweizers Burli sauer auf. Selbiger besuchte nämlich während des Serbisch-Bulgarischen Krieges von 1885 lieber die Schlafzimmer schöner Frauen, als auf dem Schlachtfeld Siege einzufahren. Die Termine: 6. Februar und 8. März 2015.


Ambroise Thomas, „Mignon“: Die Opéra-comique lehnt sich an Johann Wilhelm Goethes “Wilhelm Meisters Lehrjahre” an und zeichnet ein anrührendes Porträt der Titelfigur „Mignon“ – ein Mädchen, das bis zur Selbstverleugnung in ihrer Liebe zum jungen Studenten Wilhelm aufgeht. Seinerzeit zählte die Oper zu den beliebtesten, meistgespielten Werken.“ Die Termine: 19. April und 8. Mai 2015


Johann Simon Mayr, „L’Amor Coniguale“: „L'Amor Coniugale“ ist eine Farsa sentimentale in einem Akt. Uraufgeführt wurde das Werk des bayerischen Komponisten Johann Simon Mayr  1805 in Padua. Die Handlung spielt sich in einem Gefängnis in Polen ab. Das gleiche Sujet wählte ein Jahr später auch Ludwig van Beethoven für seine einzige Oper aus. „Fidelio“ wird am Mainfranken Theater Ende März 2015 Premiere feiern. Die Termine: 25. Juni und 4. Juli 2015.  


Die „Opern am Klavier“ in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters beginnen jeweils um 20 Uhr. Details und Kartenreservierung auch unter www.theaterwuerzburg.de