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„Moratorium“ für Leonhard-Frank-Preis
Mainfranken Theater setzt für ein Jahr Auszeichnung aus, die das Andenken an den
Würzburger Schriftsteller wach hält – Leonhard-Frank-Gesellschaft sorgt sich um dessen Zukunft


Von Michaela Schneider
Würzburg
Das Mainfranken Theater in Würzburg hat ein einjähriges „Moratorium“ für den Leonhard-Frank-Preis beschlossen. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. Seit 2007 hatte das Theater mit diesem Preis Bühnentexte ausgezeichnet, die eine Brücke zwischen dem Schaffen des 1961 verstorbenen Würzburger Schriftstellers und dem Thema des jeweiligen Spielzeitmottos schlugen. Schon vor dem offiziellen Schreiben des Dreispartenhauses waren die Mitglieder der Leonhard-Frank-Gesellschaft über die Debatte um die Auszeichnung in einem Rundbrief informiert worden.


„Wir halten nach einer Dekade inne und schreiben den Preis in 2016 nicht aus“, kommentiert der designierte Intendant Markus Trabusch den Beschluss. Sein Vorgänger Hermann Schneider hatte das Würzburger Theater Ende 2015 früher als zunächst geplant verlassen und war einem Ruf ans Landestheater Linz gefolgt. Bis zum Sommer leitet übergangsweise der kaufmännische Geschäftsführer Dirk Terwey die Geschicke. Markus Trabusch als designierter Intendant ist gleichzeitig – mehr oder weniger regelmäßig - im Mainfranken Theater und plant dessen Zukunft. Zum einjährigen Moratorium sagt er: Dies gebe allen Akteuren Zeit, die auch weiterhin geplante Pflege des literarischen Schaffens von Leonhard Frank vor dem Hintergrund des Intendantenwechsels perspektivisch zu denken. Die Entscheidung sei gemeinsam mit Schauspieldirektor Stephan Suschke getroffen worden, ihr seien intensive Gespräche mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft vorausgegangen.


Deren Vorsitzender, der Berliner Michael Henke, äußert zwar Verständnis dafür, dass eine neue Theaterleitung Zeit brauche, um ihre Prioritäten zu sortieren - und er betont explizit, dass er Intendant Markus Trabusch als Gewinn für Würzburg betrachte. Dennoch macht er sich im Gespräch mit dieser Zeitung Sorgen um die Zukunft des Leonhard-Frank-Preises. „Leonhard Frank ist weltberühmt in Unterfranken, aber eben andernorts nicht“, sagt er. Entsprechend stehe für die Gesellschaft die Erbe-Arbeit an zentraler Stelle. „Ein Theater dagegen kann, muss aber keinen Preis anbieten“, fügt er an.


Gegründet wurde die Gesellschaft in Würzburg im Jahr 1982 zum 100. Geburtstag Leonhard Franks. Durch literarische Veranstaltungen und Ausstellungen will sie Werk und Ideen des Schriftstellers und Dramatikers über seine fränkische Heimat hinaus lebendig halten und die Verbreitung und Erforschung seiner Werke fördern. Zudem will die Gesellschaft laut Satzung Personen und Gruppen vorstellen und ideell fördern, die sich mit den Ideen Leonhard Franks, wie Frieden, Völkerverständigung und sozialer Gerechtigkeit verbunden fühlen. Besondere Beachtung sollen hierbei Künstler und Autoren genießen, die - wie Leonhard Frank selbst - durch die Enge ihrer Lebensverhältnisse in ihrer künstlerischen Entfaltung gehindert seien.


Seit 2007 wurde jährlich der Leonhard-Frank-Preis vom Mainfranken Theater in Zusammenarbeit mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft verliehen. Autoren waren aufgefordert, mit einem Bühnentext die Brücke zwischen Leonhard Franks Schaffen und dem jeweiligen Spielzeitmotto des Mainfranken Theaters zu schlagen. Die drei von einer Jury ausgewählten Finalstücke wurden in der „Langen Nacht der Autoren“ dem Publikum als szenische Lesungen präsentiert, anschließend wurde das Siegerstück gekürt und im Jahr drauf in den Kammerspielen uraufgeführt. Am 25. Mai 2016 wird am Mainfranken Theater das Siegerstück von 2015, „Terrorkind“ von Karsten Laske, Premiere feiern.


Doch stellt sich nun die Frage, wie es danach weitergehen wird. Der designierte Intendant Trabusch betont in der Pressemitteilung: „Nicht das Ob, sondern das Wie steht im Fokus unserer Überlegungen, wie das Werk Leonhard Franks künftig zu würdigen sei.“ Angedacht ist laut Michael Henke im Sommer mit dem Mainfranken Theater eine Fachrunde, die über die Zukunft des Preises diskutieren will. Doch bis dahin will er nicht untätig bleiben. „Wir dürfen die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sollte das Theater den Preis nicht mehr ausrichten wollen, brauchen wir andere Partner, müssen jetzt schon sondieren“, sagt Henke. Erste Ideen gesammelt habe etwa auch der Autorenkreis Würzburg, heißt es im Rundbrief der Leonhard-Frank-Gesellschaft. Autorenkreis-Mitglied Ulrike Schäfer  - und übrigens die Preisträgerin von 2014 – betont auf Nachfrage, dass der Zusammenschluss hiesiger Schriftsteller großes Interesse an einer Fortführung des Preises habe – in welcher Form auch immer. Michael Henke macht gleichzeitig keinen Hehl daraus, dass er die Fühler auch über Würzburg hinaus ausstrecke und etwa eine Kooperation mit einer überregionalen Literaturgesellschaft nicht ausschließe.


Bei allen Hiobsbotschaften sei dennoch auch auf Erfreuliches mit Blick auf den Würzburger Schriftsteller hingewiesen: Am 18. Februar um 20 Uhr wird in der Buchhandlung „Neuer Weg“ in Würzburg die Neuausgabe von Leonhard Franks Roman „Die Räuberbande“ im Milena-Verlag Wien präsentiert. Das Nachwort geschrieben hat Michael Henke.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über Leonhard Frank


Der in Würzburg geborene Schriftsteller Leonhard Frank (1882 – 1961) gilt als einer der bedeutendsten sozialkritischen und pazifistischen Erzähler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus seiner Feder stammen etwa „Die Räuberbande“ als Frühwerk, der Roman „Die Jünger Jesu“ oder die Novellensammlung „Der Mensch ist gut“. Eine ganze Reihe an Werken diente als literarische Vorlage für Verfilmungen. Frank sprach sich in seinen Romanen, Novellen, Dramen und Kurzgeschichten für ein solidarisches und humanes Zusammenleben der Menschen aus, einige Werke siedelte er in seiner fränkischen Heimat an. Seine Bücher fielen im Mai 1933 der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zum Opfer, schon vorher war er emigriert. 1950 kehrte er aus den USA zurück nach Deutschland und erhielt in den Folgejahren bedeutende Auszeichnungen – von der Silbernen Medaille der Stadt Würzburg bis zum großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.