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Die Ausstellung „Rein malerisch“ zeigte Werke von Wilhelm Leibl und seinen Künstlerfreunden.


Fotos: Michaela Schneider

Als nur noch das rein Malerische zählte

Kunst Sonderausstellung im Museum im Kulturspeicher in Würzburg beschäftigt sich mit Wilhelm Leibl und seinem Kreis


Von Michaela Schneider

Würzburg Der Ansatz der jungen Künstler war in den 1870er Jahren revolutionär: Es gehe nicht mehr um das „Was“ auf ihren Gemälden, sondern um das „Wie“, fasste Wilhelm Leibl (1844 – 1900) in einem Brief an seine Mutter zusammen. Dies bedeutete einen klaren Bruch mit den Normen der Akademie der Bildenden Künste und einen entscheidenden Wendepunkt in der Kunstgeschichte hin zur Moderne. Die Akademie hielt nach wie vor streng fest an den Prinzipien der Historienmalerei. Leibl und sein Kreis indes sagten sich komplett los von „gemalter Geschichte“.  Für sie zählten nur noch Farbe, Form und die Umsetzung des Gesehenen. Dem Gegenstand blieb Leibl zwar bis ans Lebensende verpflichtet, doch manövrierte er ihn damit ins Unbedeutende. „Rein malerisch. Wilhelm Leibl und sein Kreis“ ist entsprechend eine neue Sonderausstellung im Museum im Kulturspeicher in Würzburg betitelt. Zu sehen ist sie bis einschließlich 23. März.


Beim Leibl-Kreis handelte es sich laut Kuratorin Dr. Henrike Holsing um einen losen Zusammenschluss fortschrittlicher Maler, die sich ab 1870 austauschten und voneinander lernten. Die Ausstellung im Kulturspeicher konzentriert sich auf den engen Leibl-Kreis. Zu sehen sind insgesamt 100 Werke von Leibl selbst sowie von Akademiefreunden, um die Idee und Entwicklung des rein Malerischen zu skizzieren. Porträts, Stillleben und Landschaft finden sich als Hauptmotiv – schlicht und einfach genug, um den Blick auf die Kunst selbst zu lenken. Namen wie Karl Haider, Theodor Alt, Rudolf Hirth du Frenes, Johann Sperl, Otto Scholderer, Hans Thoma, Wilhelm Trübner oder Carl Schuch tauchen auf.


Interessant ist: Seit mehr als 30 Jahren hat sich keine größere Ausstellung mehr mit dem Leibl-Kreis befasst. Dass sich nun gerade das Museum im Kulturspeicher in Würzburg  damit auseinandersetzt,  kommt nicht von ungefähr. Leibl liegt auf dem Würzburger Hauptfriedhof begraben, obwohl er hier selbst nie lebte. Aber: Seine Schwester hatte nach Würzburg geheiratet, in späteren Jahren zog auch  die Mutter zur Schwester nach Zell. So fühlte sich Leibl immer eng mit Würzburg verbunden. Und: 1900 starb er in der Privatklinik Professor Leubes gegenüber der hiesigen Residenz. So kommt es auch, dass das Museum im Kulturspeicher selbst eine kleine Sammlung des „Leibl-Kreises“ besitzt. Diese wird in der Sonderausstellung ergänzt um zahlreiche Leihgaben.


Vorneweg: Das vielleicht berühmteste Leibl-Werk, die „Drei Frauen in der Kirche“, ist in Würzburg nicht zu sehen. Die Auswahl ist dennoch beachtlich. Aufgebaut ist die Ausstellung dabei chronologisch, beginnt mit Leibls frühestens Gemälden. Parallel dazu hängen jeweils zeitnahe Werke seiner Künstlerkollegen. Fast herausfordernd blickt der jugendliche Wilhelm Leibl aus zwei Selbstporträts heraus. Mit 16 Jahren hatte er seine Schlosserlehre abgebrochen und die Malerausbildung im Atelier begonnen. Ein Stück weiter begegnet man dann Wilhelm Leibls Vater Karl im Porträt. Das Gesicht und die Hände hervorgehoben, die Gesichtszüge nicht beschönigt, erschafft Leibl noch als Jugendlicher ein vollendetes Charakterbild. „Man hat das Gefühl, man begegnet einem lebendigen Mann“, sagt Kuratorin Holsing. Die Kunst, den Menschen einzufangen, bezeichnet sie als ganz charakteristisch für Leibls gesamtes Werk. Spannend ist: Während Leibl in seinen frühen Schaffensjahren eher markige Menschen malte, schwindet später seine Angst vor Schönheit. Die Apothekerfrau aus dem Jahr 1893 etwa blickt mit sinnlichen Lippen den Betrachter regelrecht erotisch herausfordernd an.   


Die Liebe des Leibl-Kreises zum Detail und dessen künstlerischer Umsetzung zeigt sich auch wunderbar in Otto Scholderers Gemälde einer „Blumenbinderin“. Ein einfaches Blumenmädchen blickt hier – fast wie bei einem Kamera-Schnappschuss – kurz von der Arbeit auf. Ihre Kleidung ist fein und delikat gemalt, vom groben Rock bis zu den zarten, durchsichtigen Ärmeln.


Leibls Blick aufs Detail und seine Liebe zur handwerklichen Perfektion  wird beim „Mädchen mit der Nelke“ überdeutlich: Ursprünglich zeigte das Werk ein Bauernmädchen mit einer Blume in der Hand. Doch schon bald zerschnitt der Künstler sein eigenes Gemälde in vier Teile. Sie bilden nun den Kopf, das Mieder, und jeweils eine Hand des Mädchens ab. Tatsächlich treten erst durch die Fragmente Schönheit und Perfektion voll in den Vordergrund.


Ebenfalls im Kulturspeicher zu sehen: Intime Landschaftsmalerei, die einfache Szenen und die Schönheit des Schlichten betont; oder altdeutsche Tendenzen in Leibls Malerei und seine Interpretation des Hohlbeinstils. Und liebliche, publikumswirksame Szenen wie Johann Sperls „Kindergarten“, der jedoch höchstem malerischen Anspruch gerecht wird.  Während Sperl die Figuren noch ganz klar fasst, muten die Apfelbäume in Blüte fast schon impressionistisch an.  

Die Ausstellung endet unter anderem mit zwei späten Stillleben von Carl Schuch. Was auf den ersten Blick altmeisterlich anmuten mag, markiert klar den Übergang in die Moderne:  Es braucht einen sehr genauen Blick, um tote Vögel und Zinngeschirr, Sektschale und Tontopf zu erkennen. Es geht um das rein Malerische.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Über die Sonderausstellung


Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung „Rein malerisch. Wilhelm Leibl und sein Kreis“ läuft bis einschließlich 23. März 2014. Geöffnet ist das Museum im Kulturspeicher in Würzburg Dienstag von 13 bis 18 Uhr, Donnerstag von 11 bis 19 Uhr und Mittwoch sowie Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.


Führungen: Führungen  durch die Sonderausstellung finden immer sonn- und feiertags um 11.15 Uhr statt (ausgenommen 26. und 29. Dezember). Unter dem Motto „Stille Kunstzeit“  wird am 27. Dezember um 16 Uhr ein Gebärdensprachendolmetscher eine Führung für Hörende und Gehörlose begleiten.


Kinderprogramm: Am 2. Januar findet zwischen 12 und 15 Uhr ein Weihnachtsferienworkshop für Kinder ab sechs Jahren statt unter dem Motto “Was zieh ich an? Mode und Kleidung des 19. Jahrhunderts“.