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Weltordnung zerfällt zum Trümmerhaufen
Drama
Mainfrankentheater inszeniert Shakespeares „König Lear“ – Max de Nil
verabschiedet sich mit der Charakterrolle nach mehr als 30 Jahren vom Bühnenleben

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Donnergrollen raunt durchs Theater, Kunstnebel steigt auf, projektierte Riesenblitze beleuchten den Saal, der Bühnenvorhang tobt im Wind. In dieser wilden Sturmnacht muss der alternde König Lear erkennen: „Grausam sind nicht Regen, Blitz und Donner, sondern meine Töchter.“ Woran er glaubt und wofür er lebte, bricht in sich zusammen, die Welt um ihn versinkt im Chaos – und nach dem König greift der Wahnsinn. Das Mainfrankentheater hat mit Shakespeares Tragödie „König Lear“ kein leichtes Stück am Ende der Spielsaison gewählt. Doch passt kaum ein Drama besser zum Spielzeit-Motto „MachtSpiele“.   

 

Schon seinerzeit schieden sich die Geister an dem drastischen Tragödienstoff, Experten diskutieren ihn bis heute kontrovers. Ähnlich wird es wohl auch mit der Inszenierung am Mainfrankentheater geschehen: Den einen zu modern, szenenweise zu albern oder zu drastisch, werden andere das Stück in seiner eigenwilligen Form bejubeln. Ohne Frage aber ist der „König Lear“ eine angemessene Abschiedsrolle für Ensemblemitglied Max de Nil, der sich nach über 30 Jahren auf der Bühne mit dieser Rolle vom Publikum verabschieden wird. Großartig: Seine Charakterstudie eines Königs, der nicht nur immer irrer wird, sondern sich im Laufe des Abends auch vom König in einen zerfallenen Greis im Rollstuhl verwandelt – und doch immer wieder zu klaren Momente zurückfindet.

 

Die Handlung ist komplex – Intendant Stephan Suschke hat deshalb in Würzburg die Anzahl der Charaktere abgespeckt: Graf von Kent und der Narr verschmelzen in Georg Zeies zu einer Person, Regans Ehemann ist in Würzburg bereits tot.  Der alte König Lear hat seine Töchter zusammengerufen, um sein Land aufzuteilen. Die beiden Schwestern Goneril (Christina Theresa Motsch) und Regan (Maria Brendel) umgarnen ihn mit hinterhältiger Schmeichelei. Die Jüngste, Cordelia (Theresa Palfi), indes, meint es als einzige ehrlich, ist zu keiner Lüge fähig und erfüllt Lears Erwartungen nicht. Sie geht beim Landverteilen leer aus und wird verbannt. An der Macht zeigen Goneril und Regan ihr wahres Gesicht - in Würzburg anfangs als taffe Businessfrauen gekleidet, sind sie nun im neuen Outfit eiskalt, fast vamphaft.  Doch nicht nur König Lear verkannte Zeit seines Lebens das Wesen seiner Kinder: Auch der Graf von Gloucester (Rainer Appel) verstößt mit Edgar (Kai Markus Brecklinghaus) den falschen Sohn.

 

Während Lear immer mehr dem Wahnsinn verfällt, erkennt er immer klarer seinen Irrtum. Auch Gloucester sieht die Wahrheit erst, nachdem er von Regan geblendet wurde. Am Ende liegt die Welt in Trümmern, auf der Bühne häufen sich die Leichen.

 

Drastische Szenen schockieren in der Würzburger Inszenierung – etwa als Regan dem Graf von Gloucester die Augen ausbeißt und triumphierend ausspuckt. Lear pinkelt wie ein Hund den Franzosen an. Regans Todeskampf wird begleitet vom Satz, sie kotze ja alles voll. Ob nun, um das Bühnengeschehen aufzulockern, oder um extreme Kontraste zu schaffen:  Andere Szenen sind wiederum extrem albern umgesetzt, der Narr zum Beispiel erinnert mit Fliegerkappe verdächtig an Komödiant Otto Walkes. Gut gespielt, keine Frage, aber weniger wäre hier manchmal mehr. Das Drama verliert durch zu viel Albernheit an Kontur. Shakespeares Sprachwitz dezent umgesetzt würde genügen. In ihren Rollen auffallend gut: Rainer Appel als Graf von Gloucester, der gerade durch ein eher zurückhaltendes Spiel sehr authentisch rüberkommt. Und Robin Bohn als völlig irrsinniger Edmund, den Wahnsinn offensichtlich im Blick.

 

Den Shakespeare-Text ergänzt Suschke übrigens ab und an um moderne Einschübe, da beschimpfen sich die älteren Schwestern etwa  als Schlampe, Nutte und Bitch. Das ist in Ordnung, zur modernen Inszenierung passt’s. Bei den Kostümen hat sich Momme Röhrbein für Schwarzweiß entschieden – von klassischen Anzügen bis zu Pelz und Lack. Schachfiguren tummeln sich, doch wer nun Schwarz, wer Weiß ist, ändert sich – wer weiß schon noch, wem man vertrauen kann? Röhrbeins Bühnenbild dürfte manchem Theaterbesucher übrigens bekannt vorgekommen sein: Erneut dreht sich auf der Bühne ein labyrinthartiger Palast mit verborgenen Winkeln für Verschwörungen, eiskalte Lüge und Mord. Damit schließt sich am Mainfrankentheater der Spielzeitkreis: Zu sehen war die Konstruktion auch schon ganz zu Beginn in der Verdi-Oper MacBeth.

 

Auch wenn bei der Premierenveranstaltung viele Plätze im Saal leer blieben, gab es am Ende nicht wenig Applaus – und vor allem für den scheidenden Max de Nil verdiente Bravo-Rufe. Im Theater-Foyer im Anschluss indes schieden sich die Geister in Sachen Inszenierung – von „geht gar nicht“ bis „hervorragend“.

 

Dauer: 160 Minuten (mit Pause); weitere Vorstellungen: 19.30 Uhr:  09.06./ 12.06./ 15.06./ 21.06./ 25.06./ 30.06./ 04.07./ 06.07./ 17.07.

Der Artikel  ist im Main-Echo erschienen.