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Fortschrittliche Kunst: „Manchmal sperrig und stört Sehgewohnheiten“
Kunsthistorikerin Dr. Marlene Lauter, Leiterin des Museums im Kulturspeicher, spricht über
Würzburg als Kunststadt, das hiesige Museumspublikum und die Museumsarbeit in der Praxis


Von Michaela Schneider

Das Museum im Kulturspeicher in Würzburg zeigt Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Es befindet sich seit 2002 im denkmalgeschützten Hafenspeicher.  Besucher erleben auf 3500 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Städtische Sammlung mit Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und dem Nachlass Emy Roeder sowie die „Sammlung Peter C. Ruppert. Konkrete Kunst in Europa nach 1945“ aus 23 Ländern. Regelmäßige Sonderausstellungen begleiten beide Sammlungen, als nächstes wird es um die Farbe „Weiß“ gehen. Im Interview spricht Museumsleiterin Dr. Marlene Lauter über Würzburg als Kunststadt einst und heute, über das Würzburger Museumspublikum wie auch über das Museum im Kulturspeicher selbst. Die 58-jährige Kunsthistorikerin aus dem Rheinland lebt seit inzwischen 23 Jahren in der Bischofsstadt am Main. 1994 übernahm sie die Leitung der Städtischen Galerie.


Würzburg Ist Kulturstadt, keine Frage. Was aber wäre die Bischofsstadt ohne ihre kirchliche Kunst?

Dr. Marlene Lauter: Würzburg war nie Industriestadt und hat immer von Kunst und Kultur gelebt. Denken Sie an die Residenz und Tiepolo, an die Festung oder Riemenschneider. Über Jahrhunderte wurde die Stadt von Fürstbischöfen, das heißt kirchlichen Herrschern regiert. Deshalb prägen die Stadt bis heute wunderschöne Kirchen, unter denen sich viele echte Perlen wie die Hofkirche, das Käppele oder die Burkarderkirche mit der Riemenschneider-Madonna befinden.


Und wie steht es um Würzburg als moderne Kunststadt?

Lauter: Tatsächlich hatte Würzburg hier Anlaufschwierigkeiten. Vielleicht musste sich durch den Übergang von der kirchlichen in die säkulare Verwaltung auch die Kunst erst neu finden. Hinzu kommt: Es gab in Würzburg zwar einst den Polytechnischen Zentralverein, heute haben wir eine Fachhochschule mit dem Fachbereich Design. In beiden Fällen stand und steht aber die angewandte Kunst im Vordergrund. Eine freie Akademie indes, an der es um die reine freie Kunst ging, gab es nicht. Würzburg hat aber einen großen Meilenstein gesetzt, als der Stadtrat entschied, der modernen Kunst mit dem Museum im Kulturspeicher ein Haus zu geben. Die Ausstellungsfläche in der Städtischen Galerie betrug zuvor 750 Quadratmeter, heute haben wir 3500 Quadratmeter Platz, um Gegenwart und Moderne zu zeigen.


Also hat sich die Kunststadt Würzburg durch das Museum im Kulturspeicher weiterentwickelt?

Lauter: Ja, unbedingt. Wir zeigen im Haus mit der Städtischen Galerie und der Konkreten Kunst zwei Sammlungen. Ich habe den Eindruck, dass durch den Fokus auf das Formenspektrum der Konkreten Kunst die Denkweise dieser Kunstform bei den hiesigen Künstlern mehr in den Blick gerückt ist. Mit dem Museum konnten wir eine Perspektive für die Konkrete Kunst entwickeln - mindestens bundesweit, doch auch internationale Besucher finden zu uns. Und auch die Städtische Sammlung kann sich durch den Flächenzuwachs besser entfalten.


Mal abgesehen vom Museum im Kulturspeicher: Wo findet man sonst noch moderne Kunst in Würzburg?

Lauter: Fangen wir im Kulturspeicher an. Neben dem Museum befindet sich hier die Galerie des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Unterfranken. Wir haben das Kunstschiff Arte Noah und die Vereinigung  Kunstschaffender Unterfrankens (VKU), die im Spitäle ausstellt. Auch verschiedene Firmen präsentieren Kunst. Zum Beispiel die IHK oder die Sparkasse in ihrer Galerie. Und das Unigelände am Hubland ist letztlich ebenfalls eine Art Skulpturenpark. Am Thema Skulpturenmeile wird gearbeitet. Zwei  Plastiken stehen, weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum, so die  Idee, sollen folgen. Was in Würzburg fehlt: Es gibt fast keine Verkaufsgalerien mehr. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Vielleicht besteht kein Bedarf durch Würzburgs infrastrukturell günstige Lage zwischen München, Nürnberg und Frankfurt.


Woran erkennt man eigentlich, ob ein Publikum aufgeschlossen ist für moderne Kunst?

Lauter: Die Tatsache, dass das Museum im Kulturspeicher etabliert werden konnte zeigt, dass bei den Würzburgern eine Gefühl für Kunst über Riemenschneider und Tiepolo hinaus besteht. So skeptisch das Museum anfangs diskutiert wurde, so sehr ist es heute wesentlicher Teil der Würzburger Kunstszene. Unser Freundeskreis Kulturspeicher e.V. zählt nach zwölf Jahren mehr als 800 Mitglieder. Das Museum ist ein Haus geworden, in das man geht. Natürlich nicht jeder, aber zumindest das Publikum, das einen Bezug zur Kunst  hat.


Stellt sich die Frage: Wird fortschrittliche Kunst nicht immer etwas Elitäres bleiben?

Lauter: Fortschrittliche Kunst stellt neue Fragen an die künstlerische Arbeit, ihre Medien, an das Publikum. Manchmal ist sie sperrig und stört unsere Sehgewohnheiten, schlichtweg, weil wir sie nicht gewohnt sind. Auch die Kubisten haben einst eins auf den Deckel bekommen, weil ihnen vorgeworfen wurde, den Gegenstand zu zerstören. Sehen hat mit Kennen zu tun – und wenn etwas neu ist, verdrehe ich vielleicht erst die Augen. Dadurch ist fortschrittliche Kunst für kunstunerfahrenes Publikum nicht leicht nachzuvollziehen. Trotzdem kommen zu uns sowohl Ausstellungsfahrer, die von einem Museum zum nächsten tingeln, aber auch Gäste aus dem Hotel von nebenan, die kaum Erfahrung mit Konkreter Kunst haben.


Wie erreichen Sie das kunstunerfahrene Publikum?

Lauter: Sehr wichtig ist uns bei Führungen, Audioguides und auf Texttafeln eine Sprache, die sich nicht im kunsthistorischen Jargon bewegt. Gerade bei unseren Sonntagsführungen haben wir ein sehr buntes Publikum, das dies zu schätzen weiß. Auch verbinden wir bei Sonderveranstaltungen gern Kunst und Musik oder auch Kunst und Wein, um über andere Kanäle als die reine Kunst an neues Publikum heranzukommen. Und in unserer museumspädagogischen Arbeit kooperieren wir mit Kindergärten bis hin zu Gymnasien. Wir wollen, dass schon Kinder und Jugendliche bei uns auf Entdeckungstour gehen. Dafür braucht es kein Kunstwissen. Indem sich Kinder Bilder, Farben und Formen anschauen, erschließen sie sich ein Stück neue Welt.


Wie würden Sie das museale Konzept des Museums im Kulturspeicher beschreiben?

Lauter: Das Museum im Kulturspeicher ist aus der Städtischen Galerie heraus entstanden. Deren Auftrag war regional definiert. Das heißt, es ist einst ein Grundstock gewachsen, der irgendwie mit der Region zu tun hat. Dies versuchen wir in gewissem Maß fortzusetzen, indem wir an Dinge andocken, die wir bereits haben. Der Museumsbesucher erlebt Kunst mit regionalem Ansatz ebenso wie Werke aus dem internationalen Umfeld. Unsere Rundgänge sollen schlüssig sein, dürfen aber durchaus Ecken und Kanten haben, um zum Nachdenken anzuregen. Denn: Eine Ausstellung muss für einen Besucher spannend sein und sich auch gelegentlich verändern. Die Sammlung Ruppert werden wir 2015 zum vierten Mal umhängen. Das ist einerseits wichtig, um das Stammpublikum zu halten, andererseits um neue Bezüge herzustellen, denn durch die Hängung mache ich Aussagen.


Worum geht es im Museum Kulturspeicher: Eher um Einzelobjekte oder eher um Strömungen?

Lauter: Wir versuchen, vor allem Strömungen abzubilden. In der Städtischen Sammlung ist dies zum Beispiel  ein Ausschnitt des Impressionismus mit regionalem Bezug, zum Beispiel Werke der Maler Ludwig von Gleichen-Russwurm, Max Slevogt, von Gertraud Rostosky oder Werke der Neuen Sachlichkeit mit Carl Grossberg und Christian Schad.


Gibt gerade dies dem Museum Individualität?

Lauter: Ich denke, wir haben mit der Sammlung Peter C. Ruppert einen Bereich, den in dieser Form wenige andere Museen haben – ja, der in Form und Qualität in Europa einzigartig ist. Auch in Zürich, Ingolstadt und Grenoble gibt es Museen mit Konkreter Kunst. Aber die Üppigkeit der Sammlung hier ist etwas sehr besonderes.


Der museale Auftrag umfasst auch das Sammeln. Inwieweit ist das Museum im Kulturspeicher überhaupt in der  Lage, die Gegenwartskunst für nachfolgende Generationen zu konservieren?

Lauter: Natürlich sollte gerade ein Museum der Modernen Kunst strategisch Aktuelles sammeln, auch mit Blick auf folgenden Aspekt: Früher waren der Adel und das reichere, bürgerliche Publikum Hauptkunstabnehmer. Heute arbeiten viele Künstler unmittelbar mit der Zielrichtung Museum und dem Selbstverständnis, im öffentlichen Raum ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Und: Die Moderne Kunst geht schlichtweg weiter, Jahr für Jahr. Der  Satz „Ihr habt doch genug“, mag auf ein kunsthistorisches Museum zutreffen, niemals aber auf ein Museum, das auch Gegenwartskunst pflegt. Das Problem ist: Wir haben seit fünf Jahren keinen Einkaufsetat mehr. Das heißt: Wenn wir ein Objekt ankaufen wollen, brauchen wir einen externen Geldgeber. Vor allem unterstützt uns der Freundeskreis, manchmal die Stadt, gelegentlich erhalten wie eine Schenkung. Strategisch zu sammeln um Lücken zu schließen – etwa in den Bereichen Stillleben, Kunst der Jahrhundertwende, regionale Kunst oder Holzplastiken heute – geht unter diesen Voraussetzungen jedoch nicht.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: „Weiß. Aspekte einer Farbe in Moderne und Gegenwart“


„Weiß - Aspekte einer Farbe in Moderne und Gegenwart“ ist die nächste Sonderausstellung im Museum im Kulturspeicher ab 8. November bis einschließlich 22. Februar 2015 betitelt. Weiß hat in Bildern immer eine besondere Rolle gespielt. Es ist die Farbe des Bilduntergrunds, es dient zur Betonung des Lichts auf einem Gemälde und wird beim Mischen zum Aufhellen einer Farbe benutzt. Ein autonomer Einsatz von Weiß findet sich jedoch erst in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung geht von der Sammlung Ruppert im Museum im Kulturspeicher aus. Die darin enthaltenen 15 Bilder und Objekte von Künstlern wie Andreas Christen, Ad Dekkers, Leo Erb, Norbert Kricke, Jan Schoonhoven, Herman de Vries oder Günther Uecker bilden den Grundstock des Projekts.